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Buchbesprechung: Leg einfach los!

In einem lebendigen und leicht verständlichen Stil behandelt der Autor und Pastor einer reformierten Universitätsgemeinde Kevin DeYoung Fragen des heiß diskutierten Themenfelds des „Willens Gottes“. Dieses Buch bietet ein sehr gutes Korrektiv für gewisse Mythen über den Willen Gottes, die in weiten Teilen der heutigen Christenheit um sich greifen.

Inhalt

Die Schattenseiten unserer Multioptionsgesellschaft

DeYoung beschreibt, wie die heutige Gesellschaft immer mehr von Passivität und mangelndem Durchhaltevermögen geprägt ist und somit zunehmend unfähig wird, Entscheidungen zu fällen und Verantwortung zu übernehmen. Diese Unfähigkeit ist mitunter ein Anlass, aus dem dieses Buch geschrieben wurde.

Drei Bedeutungen von Gottes Willen

„Der Wille Gottes ist einer der am meisten Verwirrung stiftenden Begriffe im christlichen Vokabular. Manchmal sprechen wir davon, dass alle Dinge nach Gottes Willen geschehen. Andere Male sprechen wir davon, gehorsam zu sein und Gottes Willen zu tun. Und wieder andere Male sprechen wir davon, Gottes Willen zu suchen.“ (S. 15)

(1) Der souveräne Wille Gottes, welcher immer geschieht, (2) der moralische Wille Gottes, der nicht immer geschieht aber in Gottes Wort klar offenbart ist, und (3) der individuelle Wille Gottes, also der Plan den Gott für jeden einzelnen Menschen gefasst hat, sind die drei Kategorien, die wir kennen müssen, um zu verstehen, was gemeint ist, wenn vom Willen Gottes gesprochen wird. Letztere Kategorie, ist die, die am meisten Verwirrung stiftet: Oft meinen Christen, sie müssten diesen speziellen Willen Gottes für ihr Leben herausfinden um „im Willen Gottes leben“ zu können (z.B. durch besondere Gebete und das Deuten gewisser Umstände). Mit dieser falschen und oftmals schädlichen Vorstellung räumt der Autor sorgfältig auf.

Der Kern des Problems

Nur allzu oft hat unser Wunsch, „den Willen Gottes zu tun“ keine besonders geistliche Grundlage. Nicht selten sind wir einfach nur zaghaft, feige, unfähig, Entscheidungen zu treffen oder suchen unsere persönliche perfekte Erfüllung. Wir verkleiden also unsere egoistischen Motive und unsere mangelnde Reife in dem Gewand des „Suchens nach dem Willen Gottes“. „Wir wollen alles. Und Gott soll uns den Weg dahin zeigen.“ (S. 27) Dieser  mystische individuelle Wille Gottes, der uns ein perfektes und erfülltes Leben bringt, ist ein Mythos, dem viele Christen aufsitzen. Das zeigt sich in unseren Gebeten und in dem Versuch, Umstände und Eindrücke als Gottes Willen zu deuten. Die Dinge, die wir von Gott erfahren möchten, haben zumeist keinen moralischen Stellenwert. Von ihnen lassen wir uns in Beschlag nehmen, während wir wenig Energie und Zeit darauf verwenden, die Dinge in Erfahrung zu bringen, die Gott bereits klar und deutlich offenbart hat – es passt nicht zusammen, Gottes Willen erfahren zu wollen, aber sein Wort, die Bibel nicht oder nur wenig zu lesen.

Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist also folgende: Wollen wir Gesundheit, Erfolg, Komfort, einen Traumpartner und ein erfülltes Familienleben oder wollen wir liebend, demütig und rein wie Christus werden? (vgl. S. 56) Wenn letzteres unser Ziel ist, haben wir von Gott alles, was wir brauchen (die Bibel, den Heiligen Geist), um danach streben zu können, bei ersterem sind wir wie Menschen, die blind durch das Leben stolpern und erwarten, dass Gott sie so führt, dass sie ihre Ziele persönlichen erreichen können.

Missbrauch der Gnadengaben Gottes

Gott hat uns einen Verstand, sein Wort, seinen Heiligen Geist und das Vorrecht des Gebets gegeben. Nur zu oft missbrauchen wir diese als Handwerkszeug, um Antworten auf unsere ganz individuellen Fragen zu bekommen. Manchmal wollen Christen deutliche Zeichen von Gott, die ihnen sagen, was sie tun sollen (z.B. „Wen soll ich heiraten?“). Sie deuten Eindrücke, Umstände („offene Türen“), Zeichen (z.B. Schriftzüge am Himmel) und zufällige Bibelverse als Gottes speziell offenbarten Willen. Der Autor mahnt: „Verwechsle Eindrücke, Ahnungen und subjektive Gefühle nicht mit eindeutigen Worten vom Herrn.“

Der richtige Weg

Um im Willen Gottes zu leben, müssen wir nicht endlos Fragen stellen und versuchen, herauszufinden, ob Gott irgend eine spezielle Sache von uns möchte. Was er will, hat er in seinem Wort ganz klar geoffenbart: 1. Trachte nach dem Reich Gottes (Mt 6,33), 2. Sei heilig (1. Thess 4,3), 3. Freue dich allezeit, bete und danke (1. Thess 5,16-18), 4. Sei fruchtbringend und wachse in der Erkenntnis (Kol 1,9) und 5. Werde erfüllt mit dem Heiligen Geist (Eph 5,17). Gott möchte als liebender Vater unser Bestes: die Umgestaltung unseres Charakters in das Bild seines Sohnes (Rö 8,28.29). Unser Problem beim endlosen Suchen nach dem individuellen Willen Gottes ist, dass wir lieber den Steinen und Skorpionen dieser Welt den Vorzug geben (vgl. Mt 7,9-11).

Fazit

DeYoung versteht es, klar und biblisch fundiert den Willen Gottes zu erklären, veranschaulicht dies an verständlichen Beispielen und räumt mit unseren irrigen Vorstellungen, die wir durch falsche Belehrung und weltlichen Einfluss bekommen haben. Ein Must Read für jeden, der zweifelt und zagt und sich ständig fragt, wo Gott ihn genau haben will. Es wird ein befreiendes und einleuchtendes Verständnis von Gottes Willen vermittelt.