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Buchbesprechung: Wahrhaftige Anbetung: Mehr als nur Lobpreis

Vaughan Roberts, Pfarrer der St. Ebbe’s Church in Oxford, gibt in diesem Buch einen vielseitigen Überblick auf das Thema Anbetung.

(Man muss beachten, dass es für das englische Wort „worship“ kein eindeutiges deutsches Pendant gibt. Deshalb wird es an verschiedenen stellen unterschiedlich übersetzt, je nach Kontext, was aber auch in den Fußnoten gekennzeichnet wird.)

Inhalt

Voraussetzungen der Anbetung

Er beginnt das Buch mit den Grundlagen wahrer Anbetung und führt anhand der Begegnung zwischen Jesus und der Samariterin am Jakobsbrunnen (Joh 4,19-24) drei dieser Grundlagen näher aus: A. Wahre Anbetung ohne Jesus Christus ist unmöglich, B. Wahre Anbetung ist unmöglich ohne den Heiligen Geist und C. Wahre Anbetung ist unmöglich ohne die Wahrheit. Es ist deutlich zu beobachten, wie Menschen die Anbetung eines Gottes immer mit gewissen Orten oder Ritualen verknüpfen (auch die Samariterin), jedoch ist wahre Anbetung etwas persönliches und wird nur durch eine Person ermöglicht, Jesus Christus.

Das Wesen der Anbetung

Im zweiten Kapitel erklärt Roberts das Wesen christlicher Anbetung anhand der ersten beiden Verse aus Römer 12: Anbetung erfordert zuerst ein Erinnern an Gottes Barmherzigkeit. Erst wenn wir Gottes Gnade erfahren und verstanden haben, sind wir tatsächlich motiviert dafür, unseren Körper Gott komplett hinzugeben und ihm in allen Lebensbereichen zu gehorchen. Roberts schreibt: „Die Anbetung einer Gemeinde können Sie nicht anhand der Zeit von etwa mehr als einer Stunde am Sonntag bei ihrem Treffen beurteilen. Der wahre Test besteht darin, wie die Mitglieder sich während der restlichen Zeit der Woche verhalten. Sind sie Konformisten, die in die Pressform der Welt passen? Oder sind sie wahre Anbeter die Gott gehorchen?“ (S. 31). Er stellt auch eine „Checkliste für Ihre Anbetung“ zusammen: 1. Ihre Beziehung zu sich selbst (Römer 12,3-8), 2. Ihre Beziehung zu anderen Christen (Römer 12,9-16), 3. Ihre Beziehung zu Ihren Feinden (Römer 12,17-21), 4. Ihre Beziehung zur Obrigkeit (Römer 13,1-7), 5. Ihre Beziehung zu Gottes Maßstäben (Römer 13,8-14).

Als nächstes geht es um „das Ende der Religion“. Nach einer sorgfältigen Wortstudie, analysiert der Autor die Bedeutung des Gottesdienstes und des Zweckes der Zusammenkünfte von Christen. „Wir gehen nicht in die Kirche, um anzubeten“ ist seine These (da Anbetung, wie bereits dargelegt, eine Lebenseinstellung ist, kein einzelner Akt). Er erklärt, wie die jüdische Religion im Alten Testament funktionierte und was dazu alles nötig war (Priester, Opfer, heilige Orte). Anschließend geht er durch den Hebräerbrief, welcher den gläubig gewordenen Juden erklärt, dass sie all das nicht mehr brauchen, weil sie in Christus alles haben (z.B. Es braucht keine Sündopfer mehr, da Jesus Christus durch seinen Tod ein für alle mal ein perfektes Opfer für die Sünde der Menschen dargebracht hat).

Anbetung in der Gemeinde?

Im nächsten Kapitel findet dann ein ausführlicher Exkurs statt, der der Frage nachgeht, wozu sich Christen denn dann versammeln sollen. Die Antwort ist kurz gefasst: Ermutigung und Erbauung. Es gibt zwei Richtungen des Gottesdienstes: von Gott zu uns (durch Gottes Wort, die Geistesgaben und Sakramente) und von uns zu Gott (Lob und Gebet).

In Kapitel fünf geht es um den Platz von Musik und Gesang. Viele verstehen unter „worship“ (hier: Lobpreis) nur das Singen christlicher Lieder. Die Gefahr ist, dass man die Gefühle, die dabei entstehen mit echter Anbetung (die auch mit Gefühlen zu tun hat) verwechselt. Ein weiteres Missverständnis ist, dass man sich Gott durch das Singen naht oder in eine besondere Form seiner Gegenwart eintritt. Vier negative Konsequenzen ergeben sich aus diesen Missverständnissen: 1. Gottes Wort wird an den Rand gedrängt, 2. Unsere Heilsgewissheit wird bedroht („Was wenn die Gefühle mal nicht da sind?“), 3. Musiker werden erhöht und geehrt, anstatt Gott und 4. Spaltungen wird Raum gegeben (aufgrund von Streitigkeiten um Formen und Nebensächlichkeiten). Der wahre Grund für Gesang und wird anhand von zwei Punkten sehr schön ausgeführt: Wir sollen singen um 1. Gott zu loben und 2. einander zu ermutigen/ermahnen. Der Autor gibt auch eine hilfreiche Checkliste für die Auswahl von Liedern, die er auch ausführlich erklärt. Die Lieder müssen folgende Eigenschaften haben: wahrheitsgemäß, gottzentriert, verständlich und selbstlos.

Das Abendmahl – ein Ausdruck wahrer Anbetung?

Im letzten Kapitel wird das Abendmahl näher beleuchtet. Zuerst wird das Augenmerk auf das erste Abendmahl gerichtet, das Jesus mit seinen Jüngern hielt. Drei Aspekte sind für den Autor hierbei von Bedeutung: Das Passahfest (das Abendmahl hängt ganz deutlich damit zusammen, der neue Bund (Jer 31,31-34), den Gott mit seinem Volk schließen wollte und der durch das Abendmahl symbolisiert wurde, und die persönliche Anwendung für die Jünger (z.B. Vorgeschmack auf den Himmel). Anschließend widmet Roberts sich der heutigen Bedeutung des Abendmahls: es ist ein Mahl der Erinnerung an Jesu leidvolles Opfer, es ist Gemeinschaft mit Gott, es ist Gemeinschaft mit anderen Christen und es beinhaltet Hoffnung auf die zukünftige Herrlichkeit (“… bis er kommt.”).

Fazit

Dieses Buch ist eine hervorragende und umfassende Darlegung zum Thema Anbetung. Roberts pflegt darin einen ausgesprochen sauberen Umgang mit den biblischen Texten, welche auch sehr sorgfältig ausgewählt und passend zum Thema sind. Es ist herausfordernd und macht uns deutlich bewusst, wie wichtig es ist, die Anbetung Gottes auf unser ganzes Leben zu beziehen und sie nicht nur auf unseren Gottesdienst zu beschränken. Ich empfehle es jedem Christen weiter, der Gott mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und ganzer Kraft anbeten möchte, sich aber nicht sicher ist, wie er das tun kann.