Essays

Jesus über die Errettung des Menschen (Johannes 6)

„Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass ihn der Vater zieht, der mich gesandt hat; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.“ (‭‭Johannes‬ ‭6,44)‬ ‭‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬

Johannes 6 markiert einen traurigen Wendepunkt im Johannesevangelium. Bisher hatte Jesus breite Massen angezogen. Sie hörten ihm gerne zu, liefen ihm nach. Doch nun beginnt Jesus ihnen die tiefe Verdorbenheit der menschlichen Natur zu zeigen – und die völlige Unfähigkeit des Menschen, zu Gott zu kommen. Außerdem stellt Jesus der Menge seiner Jünger klar die Souveränität Gottes in der Errettung vor Augen. Wie wir sehen werden, sind die Auswirkungen der Aussagen Jesu fatal (aus menschlicher Sicht).

Beginnen wir nun mit der Betrachtung des Kontextes von Vers 44. Nach der Speisung der 5000, folgte Jesus eine große Volksmenge. Nun beginnt Jesus ihnen zu zeigen, dass diese Speisung nur ein Bild für das wirkliche „Brot aus dem Himmel“ war: Jesus selbst, der der Weg zur Errettung ist – das Brot des Lebens. In Vers 28 fragt die Volksmenge, was sie tun soll, um die Werke Gottes zu wirken. Jesu Antwort ist verblüffend und trifft den Kern dessen, was geschehen muss, damit ein Mensch gerettet wird:

„Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist das Werk Gottes, daß ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“
‭‭Johannes‬ ‭6,29‬ ‭‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬

Jesus erklärt den Menschen, dass nicht sie wirken, um Gottes Willen zu tun, sondern dass Gott seinen Willen wirkt. In der Errettung ist es Gottes Werk, dass der Mensch an Jesus glaubt, sagt Jesus in Vers 29. Diese Antwort hatten die Menschen sicherlich nicht erwartet. Jesus geht noch weiter in Vers 37 und spricht davon, dass alles zu ihm kommt, was ihm vom Vater gegeben ist:

„Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“
‭‭Johannes‬ ‭6,37‬ ‭‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬

Jesus nimmt jeden an, der ihm vom Vater gegeben wird. Er wird nicht hinausgestoßen und geht nicht verloren, wie die Verse 39 und 40 zeigen. Doch kommen wir nun zu dem Vers, der die Juden damals hochgradig verärgerte und auch heute noch viele Menschen vor den Kopf stößt. Das ist der oben genannte Vers 44.

Dieser Vers zeigt uns zunächst die seltsamste Gruppe von Menschen die es je gab. Das sind nämlich die, die von sich aus zu Jesus kommen. Diese Gruppe besteht aus überhaupt keiner Person! Sie hat keine Mitglieder. Ein seltsames Bild nicht wahr? Doch genau das sagt Jesus im ersten Teil des Verses: „Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass ihn der Vater zieht, der mich gesandt hat,…“

Doch nun erklärt Jesus, woraus die Menge der Menschen wirklich besteht, die zu ihm kommt: Ausschließlich aus den Menschen, die vom Vater zu Christus gezogen werden. Ausnahmslos jeder, der zu Christus kommt, wurde vom Vater zu Christus gezogen.

Wichtig ist hierbei, dass Jesus nicht sagt „kaum einer WILL kommen“. Er sagt „niemand kann“. Diese Worte tragen enorm zu unserem Verständnis dessen bei, was bei dem Sündenfall mit dem Menschen geschehen ist. Er kann nicht zu Gott kommen. Er ist abgrundtief verdorben, hasst Gott und das Licht und liebt die Sünde und die Finsternis. Doch nun greift Gott ein. Er zieht Sünder zu Jesus Christus. Und jeder, der gezogen wird, kommt. Aus allen Nationen und Völker kommen Menschen herbei, die gezogen werden und empfangen glaubend Vergebung für ihre Sünden.

Zwei Dinge kennzeichnen diese Gruppe:

1) Jeder, der zu Christus kommt, ist vom Vater gezogen

2) Jeder, der vom Vater gezogen wird, wird von Christus auferweckt am letzten Tag

Wir sehen, dass Jesus davon spricht, dass alle gezogenen Menschen auch wirklich kommen und letztendlich auferweckt werden. Gott hat sich entschieden, Christus diese Menschen als seine Gemeinde zu geben. Christus errettete diese daraufhin und sie empfingen Vergebung. Folgerichtig wird jeder einzelne auferweckt am letzten Tag und hat ewiges Leben. Ist das nicht wunderbar? Gläubige sind auf ewig geborgen in Christus, weil dies dem Willen des Vaters entspricht, was Jesus in Vers 39 bestätigt.

Diese Lehre Jesus war damals wie heute für viele Menschen ein großes Ärgernis. Was ist die Reaktion (seiner JÜNGER wohlgemerkt?):

„Viele nun von seinen Jüngern, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede! Wer kann sie hören?“
‭‭Johannes‬ ‭6,60‬ ‭‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬

Die Jünger wollen diese Lehre nicht glauben, da sie ihnen zu hart ist. Vers 66 sagt uns, dass aus diesem Anlass viele Jünger sich von Jesus abwandten und nicht mehr mit ihm gingen. Interessant ist Jesu Handeln und seine Reaktion auf die Ablehnung. Johannes weist uns in Vers 64 darauf hin, dass Jesus zu jederzeit wusste, wer die waren, die nicht glaubten. Für ihn kam die Ablehnung nicht überraschend. Im darauf folgenden Vers wiederholt Jesus die Aussage, dass es die Gabe des Vaters ist, wenn jemand zu ihm kommt. Daraufhin gehen die viele Jünger weg. Wie traurig. Jesus lehrte hier etwas, wovor viele in unserer heutigen Christenheit zurückschrecken: Gottes uneingeschränkte Souveränität in der Errettung des Menschen und die ewige Sicherheit der Errettung, eben weil sie in Gottes Willen gegründet ist.

Warum haben so viele ein Problem mit dieser Lehre?

Das ist leicht zu erraten. Überlegt einmal kurz was von dem sonst so stolzen und selbstständigen Menschen übrig bleibt, wenn die oben dargestellte Lehre Jesu zutrifft. Nichts. Der Mensch ist als Feind Gottes unter dem gerechten Gericht Gottes und es ist ein Akt höchster Gnade und Barmherzigkeit Gottes, dass er einige seiner Feinde begnadigt.

Allerdings möchte der Mensch mehr sein als ein bedürftiges Wesen, das auf Gnade angewiesen ist. Er möchte selbst wählen (was sein Untergang wäre, weil er stets das Böse wählt). Folgende Geschichte beschreibt sehr treffend den Zustand des Menschen: Früher wurden die Kaiser durch den Papst gekrönt und galten dann als Herrscher von Gottes Gnaden. Napoleon nahm bei seiner Krönung dem Papst die Krone aus der Hand und setzte sie sich selber auf. Er wollte Herrscher von eigenen Gnaden sein. Ich will hierbei gar nicht ausführen, das der Papst nicht Gottes Gnade vermitteln kann, doch in Napoleon haben wir den Prototypen eines jeden Sünders. Der Mensch möchte Gott zu einem Dienstleister degradieren, dem er die Krone des Heils aus der Hand nehmen kann und sie sich selber aufsetzen, wenn er das möchte. Gott Souveränität zuzugestehen ist ihm zutiefst zuwider.

Doch Gott lässt nicht so mit sich verfahren. Er ist der souveräne Herrscher des Universums, der tut was immer ihm gefällt – auch in unserer Errettung. Überlege sehr genau, warum du diese Lehre Jesu nicht akzeptieren möchtest. Liegt es an deinem Stolz? Willst du Gott ebenfalls zu deinem Dienstleister degradieren? Lehnst du diese Lehren vielleicht mit Worten wie „das ist nicht der Gott an den ich glaube“ ab? Das kann nicht gut für dich ausgehen! Gott gebe, dass du nicht am Ende zu jenen traurigen Gestalten gehörst, die sich von Christus wegen der klaren Verkündigung des Evangeliums abwenden.

Wenn du diese Lehren Jesu bereits kennst und schätzt, wirst du wissen, welch großer Friede daraus erwächst. Gott segne uns dazu, dass wir uns heute freuen können, dass er der souveräne Initiator und Garant unseres Heils ist!