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Buchbesprechung: Alles zur Ehre Gottes

In dieser Biografie, der die vierbändige Autobiografie Spurgeons und eine später erschienene und überarbeitete zweibändige Biografie zugrunde liegt, schildern Charles Haddon Spurgeon (*19. Juni 1834 in Kelvedon, Essex, England; † 31. Januar 1892 in Menton, Frankreich) und seine Frau Susannah die wesentlichen Ereignisse aus dem Leben und dem Dienst Spurgeons, von seiner Kindheit bis zum Tod.

Inhalt

Kindheit und Wiedergeburt

Eindrücklich beschreibt Spurgeon seine jungen Jahre, in denen er hauptsächlich die liebevolle und gute Erziehung seiner Großeltern genoss. Besonders die Eindrücke seines Großvaters, des Pastors James Spurgeon sind für ihn von Belang und prägten seine Vorstellung von christlichem Dienst sehr. Schon früh zeigte sich bei Charles ein starkes Interesse an Bildung; er verschlang Unmengen von Büchern und erhielt eine gute schulische Ausbildung. Dann, an einem stürmischen Sonntag in Colchester, dem 6. Januar 1850, fand Charles das ewige Leben. Es war unter einer von ihm als „langweilig“ beschriebenen Predigt über Jesaja 45,22 („Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet, all ihr Enden der Erde; denn ich bin Gott und keiner sonst!“), die ihn aber so ins Herz traf, dass es für Spurgeon ein Beweis für Gottes souveränes Wirken war. In seinen Jugendjahren arbeitete er als Aushilfslehrer einer Schule und als Sonntagsschullehrer; diese Arbeit beschreibt er sehr ausführlich und vermittelt dadurch einen Eindruck von der Wichtigkeit, Gottes Wort auch der jungen Generation klar weiterzugeben.

Dienste und Erfahrungen

Bereits ein Jahr nach seiner Bekehrung wurde er zum Prediger berufen. Sein Predigtdienst in seinem Heimatdorf und der Umgebung erregte sofort große Aufmerksamkeit. In den Dorfgemeinden war er sehr beliebt, sodass er, als er 1854 eine Predigerstelle in London antrat, nur mit sehr viel Weinen und Widerwillen verabschiedet wurde.

Sieben Jahre später war seine Gemeinde, die New Park Street Baptist Church, so sehr gewachsen, dass ein Neubau vonnöten war – der Metropolitan Tabernacle, ein Kirchengebäude mit über 5000 Sitzplätzen und mehreren Nebenräumen. Es wurden dort auch Mitschriften seiner Predigten angefertigt. Diese wurden verkauft und später in viele Sprachen übersetzt. Später erhielt er zahlreiche Briefe von Menschen aus aller Welt, die ihm mitteilten, dass sie durch eine dieser Predigten zum Glauben gekommen seien.

1856 gründete Spurgeon eine Art College für Pastoren im Dienst, die einer systematischen Ausbildung bedurften. Die Erfahrungen, die er im Ausbilden von Pastoren und Predigern machte, dokumentiert er sehr ausführlich in einem gesonderten Kapitel. Spurgeon baute auch ein Heim für Waisenjungen und kümmerte sich mit gleicher Hingabe um die kleinen Kinder, wie um seine große Herde im Metropolitan Tabernacle.

Lernfelder aus dem Leben des „Fürsten des Predigens“

Spurgeon war seit seiner Bekehrung ein sehr hingegebener und eifriger Diener Christi gewesen. Schon in seinen ersten Jahren als Christ verkündigte er das Evangelium; er tat das durch das Verteilen von Traktaten, durch persönliche Gespräche, die er mit Leuten aus der Nachbarschaft führte, durch seine Lehrerstelle in der Sonntagsschule und durch abendliche Predigten in zahlreichen Gemeinden in der Umgebung. Er schreibt, es gab keine fünf Minuten, in denen er nicht etwas für den Herrn tun wollte. Dieser Eifer kann als Vorbild für einen jeden dienen, der dem Herrn dienen will. Seine Fähigkeit als Verkündiger, fand unter den Zuhörern große Begeisterung. Ein christliches Magazin, der Christian Herald beurteilte sie folgendermaßen: „Viele der Gründe für die Popularität dieses berühmten Predigers sind leicht zu entdecken. An Klarheit und Kraft der Gedanken, an Einfachheit und Reinheit der Sprache, an Erkenntnis der Wahrheiten des Evangeliums, an Taktgefühl und Eindringlichkeit der Darbietung ist er wohl allen Predigern überlegen.“ (S. 290)

Am 8. Januar 1856 heiratete Spurgeon Susannah Thompson, mit der er auch zwei Kinder hatte. Seine Ehe war sehr glücklich; sie wird von Susannah in einem Kapitel ausführlich beschrieben. Es ist hilfreich und zudem sehr schön zu beobachten, wie ein so eingespannter Diener im Reich Gottes sich so liebevoll um seine Ehefrau kümmert, Zeit mit ihr verbringt und die Beziehung zu ihr pflegt. Er war sich des Dienstes bewusst, den ein Ehemann an seiner Frau und seiner Familie zu tun hat.

Spurgeon war sehr um seine (theologische) Bildung bemüht. In seinem ganzen Leben las er zwischen drei- und viertausend Bücher (zu seinen Lesegewohnheiten siehe S. 285ff). Er war ein sehr scharfsinniger Denker und in apologetischen Argumentationen, soweit bekannt, seinen Kontrahenten immer haushoch überlegen. Jedoch war er deswegen nicht eingebildet oder überheblich; vielmehr verstand er es, auch für die ungebildete Zuhörerschaft verständlich zu reden. Seine theologischen Überzeugungen vertrat er mit einem gewissen Kampfgeist für die Wahrheit. Gleichzeitig sah er sich allen Christen immer in Liebe verbunden, auch wenn sie seine Ansichten (z.B. über die Taufe oder die Erwählung) nicht teilten. Er schreibt: „So fest wie jemand von dem Recht auf seine eigene Lehrmeinung überzeugt sein mag, so fest mag er die Hand eines jeden drücken, der den Herrn Jesus Christus liebt.“ (S. 222)

So hoch die Berufung und die Verantwortung Spurgeons war – im Metropolitan Tabernacle predigte Spurgeon 20 Millionen Menschen das Evangelium – so ging es ihm doch immer auch um den Einzelnen, und um den gering Geachteten. Die einsamsten Waisen konnten bei Spurgeon ein offenes Ohr finden. (vgl. S. 265)

Seine klare Position zur biblischen Lehre der Gnade fand sich in seinen Predigten und Publikationen deutlich wieder. Er maß dieser Lehre einen sehr hohen Stellenwert bei und empfand ihre Verkündigung als sehr wichtig. Er schreibt darüber: „Dutzende sind durch die Predigten über die Erwählung zum Erlöser gebracht worden – und zwar, soweit ich es sehen kann, genau die Menschen, die nie erreicht worden wären, wenn diese Wahrheit nicht ein fundamentales Lehrstück gewesen wäre, das ihr Herz genau an der richtige Stelle berührte und den Eigenarten ihres Wesens entsprach.“ (S. 275) Ferner erklärt er: „[…] dann wurde die Lehre von der Gnade wieder und wieder entfaltet, die mehr Sünder zur Bekehrung führte, als der direkt an sie gerichtete Appell.“ (S. 284)

Fazit

Seine Erlebnisse und Eindrücke verbindet Spurgeon oft mit einer hilfreichen Lektion oder einem Appell und richtet sich dabei an alle Christen. Von seinem reichhaltigen Erfahrungshorizont, und dem Fundus an Ratschlägen, die er in seine Berichte einstreut, kann der Leser viel profitieren und lernen. Für eine Autobiographie, deren Ziel es war, die wichtigsten Ereignisse des Lebens eines Predigers weiterzugeben, ist dieses Buch ein äußerst gelungenes Werk.