Essays

Die radikale Verdorbenheit des Menschen – eine aus der Mode gekommene Wahrheit

Was denkst du über dich? Was über den Zustand des Menschen? Glaubst du die Menschheit hat sich in den vergangenen Jahren zum Besseren entwickelt? Ist der moderne Mensch nicht das, was Gott sich immer vorgestellt hat? Oder steht er nicht zumindest ganz knapp davor, große Probleme zu lösen und Frieden zu etablieren auf Erden? Philanthropen, Philosophen, Psychologen, alle wollen uns weismachen, dass die Menschheit sich zum Besseren verändert. Die offensichtlichen Gegenbeweise werden ignoriert und Fehlverhalten oder Sünde werden mit Wörtern wie „Krankheiten“ und „Notlagen“ rechtfertigt.

Wir Christen beziehen unsere Sicht der Dinge nicht von Philosophen oder aus der modernen Psychologie. Die Bibel ist unsere Grundlage für die Beurteilung des Zustandes der Menschheit. Und sie zeichnet ein Bild, das uns stolzen Menschen sehr widerstrebt. Begeben wir uns auf eine Reise durch die Bibel, die uns die Abgründe des menschlichen Wesens aufzeigen wird. Es ist ein aufwühlendes und schreckliches Bild, aber jeder Christ muss diese Wahrheiten kennen. Urteilen wir an diesem Punkt falsch, hat dies Auswirkungen für unsere ganze Theologie.

Die Frage, die wir zunächst stellen wollen, ist: Ist der Mensch seit dem Sündenfall…

a) geistlich gesund?

b) geistlich krank?

c) geistlich tot?

Die korrekte biblische Antwort auf diese Frage zu finden ist elementar wichtig, wie wir sehen werden.

Schauen wir uns nun zu Beginn an, was Gott bereits kurze Zeit nach dem Sündenfall über den Menschen sagt:

Der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen auf Erden groß war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur Böse den ganzen Tag. (1. Mo. 6,5)

Seit dem Sündenfall ist alles Sinnen der Menschen auf das Böse gerichtet. Was das für die Beziehung des Menschen zu Gott bedeutet, verdeutlicht Paulus in Römer Kapitel drei, indem er aus Psalm 14,1-3 und Psalm 53,2-4 zitiert:

Da ist kein Gerechter, auch nicht einer; da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der Gott sucht. Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer. (Röm. 3,10-12)

Dass der Mensch nicht nach Gott sucht, ist die logische Folge dessen, dass sein Sinnen böse ist. Gott suchen wäre etwas Gutes, doch der Menschen trachtet nur nach dem Bösen. Es ist dem Menschen unmöglich, nach etwas Gutem zu trachten!

Die Ablehnung Gottes ist die Haltung des Menschen und diese manifestierte sich unter anderem in der Ablehnung des Sohnes Gottes, als er in diese Welt kam: In Johannes 1,11 steht, dass Christus „in sein Eigentum kam und die Seinen nahmen ihn nicht auf!“ Wie kann das sein? Ist das nicht furchtbar? Es ist leider nur natürlich für den verlorenen Sünder so zu handeln, wie folgende Stellen zeigen:

Ist aber unser Evangelium verhüllt, so ist es bei denen verhüllt, die verloren gehen; in welchen der Gott dieser Welt die Sinne der Ungläubigen verblendet hat. (2. Kor. 4,3.4)

Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und ER KANN ES AUCH NICHT (Hervorhebung d. Verf.) erkennen, weil es geistlich beurteilt wird. (1. Kor 2,14)

Wir sehen also, dass der Mensch in geistlicher Unwissenheit Gott gegenüber lebt.

Außerdem lebt der Mensch in geistlicher Blindheit und kann nicht erkennen, in welcher Not er sich befindet! Paulus spricht im Römerbrief davon, dass Gottes Zorn über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen geoffenbart wird (Röm. 1,18). Aus Hebräer 10,31 wissen wir, dass es schrecklich ist, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Wenn Gott nicht in seinem Erbarmen dem Sünder seine Notlage zeigt, sieht er sie nicht, denn wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen (Joh. 3,3b).

Könnte man nicht dem Menschen zugutehalten, dass er Gott gegenüber wenigstens neutral ist? Nein! Der Mensch ist Gottes Feind und hasst Gott! Römer 1,30 spricht davon, dass der von Gott dahingegebene Mensch ein Gotteshasser ist. Johannes 3 spricht von der Ursache dieses Hasses des Menschen, den er Gott gegenüber hegt:

Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Denn jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht offenbar werden. (Joh. 3,19.20)

Christus wird uns in Johannes 1 als dieses Licht beschrieben, das in die Welt gekommen ist. Die Menschen hassen also Christus und kommen nicht zu Christus, weil in seiner heiligen Gegenwart alles bloßgestellt werden würde, was sie sind und tun. Geistlicher Hass gegenüber Gott muss also der Liste der Untaten des Menschen hinzugefügt werden. Merken wir, wie eindeutig das Bild der Bibel ist? Doch es wird noch schlimmer.

Die Menschen belassen es nicht bei einem anonymen Hass gegen Gott. Sie kennen Gottes Rechtsforderungen, pervertieren diese bewusst und haben sogar Wohlgefallen, an jedem, der dies ebenfalls tut (Röm. 1,32). Die Menschen hassen Gott also nicht nur, sondern leisten auch aktiven geistlichen Widerstand gegen ihn.

Kommen wir auf die Frage vom Anfang zurück und geben die Antwort der Bibel: Der Mensch ist tatsächlich geistlich tot. Paulus sagt in Epheser 2,1, dass der Mensch in Sünden und Vergehungen tot ist. Auch Jesus, als er von den Menschen spricht, die bald neues Leben bekommen würden, bezeichnet die Menschen als Tote:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, dass die Stunde kommt und jetzt da ist, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, werden leben. (Joh. 5,25)

Durch den Beisatz „und ist jetzt da“ erkennen wir, dass Jesus hier nicht vom Ende der Welt und dem anschließenden Gericht spricht. Er spricht von den geistlich toten Menschen, die bald durch seinen kraftvollen Ruf zum Leben erweckt werden würden. Hier finden wir zum ersten Mal in unserer Betrachtung einen Hoffnungsschimmer, der schon auf die Lösung der Notlage des Menschen hindeutet. Doch zunächst müssen wir noch einige andere Aspekte betrachten.

Der Mensch verkennt nicht nur seine Notlage, es ist ihm auch nicht möglich, sich aus dieser zu befreien. In Johannes 5,40 spricht Jesus davon, dass ein Mensch, der zu Jesus kommt, ewiges Leben empfängt (zuvor steht er ja unter Gottes Zorn wie wir sahen und verdient den ewigen Tod). Jesus sagt, die Menschen wollen nicht zu ihm kommen (sie wollen ja nicht zum Licht kommen). Doch ein Kapitel später geht Jesus noch weiter und zeigt auf, wie weit die geistliche Unfähigkeit des Menschen wirklich geht:

Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. (Joh 6,44)

Hier bestätigt Jesus, dass die Menschen tatsächlich nicht nur „nicht kommen wollen“, sondern es auch nicht können, wenn der Vater sie nicht zieht (ihre natürliche Haltung ist ja, sich vor dem Licht zu verbergen). Menschen können nicht ohne Gottes Wirken zu Jesus kommen. Diese Lehre missfiel vielen Bewunderern Jesu und sie zogen sich daraufhin von ihm zurück und gingen nicht mehr mit ihm (Joh. 6,66).

Darüber hinaus, als wäre damit noch nicht genug gesagt, lebt der Mensch in geistlicher Sklaverei. Johannes 8,34 spricht davon, dass jeder, der die Sünde tut (=in ihr lebt), der Sünde Sklave ist. Nur Jesus kann aus dieser Knechtschaft befreien sagt uns Vers 36. Somit ist der Mensch unter der Herrschaft der Sünde und muss ihr zum Bösen gehorchen. In 2. Timotheus 2,26 sehen wir außerdem, dass der Teufel Menschen gefangen hält, damit diese seinen Willen tun. Der Mensch will tun, was der Teufel begehrt, weil der Teufel sein „Vater ist“ (Joh. 8,44). Der Teufel hält die Menschen in geistlicher Gefangenschaft.

Vorhin haben wir bereits gesehen, dass der Gott dieser Welt (Satan) die Sinne der Ungläubigen verblendet hat (2. Kor 4,4). Welche Folgen hat diese Verblendung? Jesus sagt, dass die Menschen seine Worte nicht hören können, was damit zusammenhängt, dass sie den Teufel zum Vater haben. In Johannes 8,47 erklärt Jesus weiter, dass die Menschen ihn nicht hören können, weil sie nicht aus Gott sind. Das heißt, Gott muss sich den Menschen offenbaren und ihnen Gnade geben, damit sie seine Worte überhaupt verstehen können. Bis dies geschieht, lebt der Mensch in geistlicher Taubheit.

Um es auf den Punkt zu bringen: Der Mensch lebt in geistlicher Unwissenheit, Blindheit, hasst Gott und leistet ihm aktiven Widerstand, ist geistlich tot, gefangen und unfähig. Außerdem ist er durch Sünde und Teufel versklavt und gefangen gehalten. Zuletzt ist er taub der Wahrheit Gottes gegenüber.

Dies ist das schreckliche Bild des Sünders, wie es die Bibel zeichnet. Auch während ich dies schreibe, erschreckt mich diese Wahrheit von neuem. Du fragst: Wer kann dann überhaupt gerettet werden?

Er [Jesus] aber sprach: Was bei Menschen unmöglich ist, ist möglich bei Gott. (Lk. 18,27)

Was will uns die Bibel nun lehren, wenn sie so ein dunkles und realistisches Bild von uns Menschen zeichnet? Ein Mensch kann unmöglich etwas zu seiner Errettung beitragen. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als diese schreckliche Wahrheit zu sehen und Gott um Gnade anzuflehen. Ein großer Prediger des Evangeliums (Teile dieses Essays folgen der Struktur einer Predigt von Steve Lawson), drückte es sinngemäß einmal so aus: Wenn wir die Lehre von der Radikalen Verdorbenheit des Menschen wirklich verstanden haben, dann werden wir zu Gott um Erwählung und unwiderstehliche Gnade betteln (Dies sind zwei elementare Bestandteile des Wirkens Gottes in der Errettung).

Trotz aller menschlichen Verdorbenheit bewirkt Gott auch heute noch durch seine Gnade das Heil in Menschen. Gott ist nicht von der Unfähigkeit des Menschen eingeschränkt – er tut was immer er will (Ps. 135,6). Hören wir auf, die Frage nach dem freien Willen des Menschen zu stellen. Der Wille des Menschen gereicht ihm nicht zum Heil. Dagegen lässt die völlige Verdorbenheit des Menschen die Lehre von dem freien Willen Gottes und seinem souveränen Wirken in der Errettung umso heller erstrahlen. Ihm sei alle Ehre!