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Buchbesprechung: Überwältigt von Gnade. Aurelius Augustinus, Martin Luther, Johannes Calvin

John Piper, Pastor und Professor für praktische Theologie, zeichnet in diesem Buch einen Umriss der Leben dreier Menschen, die von der Gnade Gottes auf erstaunliche Art verändert wurden und so als mit die größten Revolutionäre der Gemeinde in die Geschichte eingingen.

Inhalt

Augustinus

Aurelius Augustinus, Philosoph und lateinischer Kirchenlehrer der Spätantike, wird biographisch unter die Lupe genommen und als ein “Sklave seines fortwährend sexuell unmoralischen Verhaltens” beschrieben, der, als er deshalb am Boden der Verzweiflung war, durch Gottes Gnade auf wundersame Weise gerettet wurde, indem er aufgrund des Hörens eines Kinderliedes (“Nimm und lies!”) zu einer Schriftrolle griff, die den Brief des Apostel Paulus’ an die Römer enthielt. Die Worte die damals so deutlich zu ihm sprachen benutzte Gott für seine Bekehrung. Er lebte daraufhin bis zum Ende seines Lebens im Zölibat und wurde ein von Gottes souveräner Freude erfüllt (der Origianltitel des Buches ist eigentlich: The legacy of sovereign joy). Diese Freude an Gott verdrängte alle vorübergehenden Freuden, die er gehofft hatte, nie zu verlieren: seine moralisch unsauberes Sexualverhalten (er hatte eine Konkubine). Der Wunsch seiner Mutter, die schon seit vielen Jahren für seine Bekehrung gebetet hatte, wurde nun erfüllt. Augustinus wurde zu dem Menschen, der nach Paulus wohl den größten Einfluss auf die Christenheit in der Geschichte ausgeübt hat. An seinem Leben wird Gottes souveräne und vorhersehende Gnade deutlich.

Luther

Martin Luther, der Sohn eines Bergmanns, wurde durch ein Nahtoderlebnis dazu veranlasst, Gott ein Versprechen zu machen, welches später auch ihn die Souveränität Gottes erfahren ließ. Er begann nach seiner Ausbildung gegen den Willen seines Vaters Theologie zu studieren und einem Augustinerkloster beizutreten. Beim Lesen des Römerbriefes machte er eines Tages eine Entdeckung, durch die Gott in sein Leben eingriff und auch ihn zu einem der einflussreichsten Männer der Kirchengeschichte und insbesondere der Reformation machte. Martin Luther bewies ungeheuren Mut im Kampf gegen die Lehren und den Einfluss der Katholischen Kirche, indem er beständig die Rechtfertigung allein aus Glauben, allein durch Gnade und allein durch Christus verkündigte. Der Autor stellt sein Leben samt seinen Schwächen deutlich ins Licht. Er versteht es, dem Leser einen authentischen Eindruck zu vermitteln, unter welch schwierigen Umständen Luther seinen Dienst ausüben musste. Die Gnade war auch in Luthers Leben der entscheidende Punkt: Sie trieb ihn zu seinem strebsamen Dienst an und gab ihm Kraft und Mut, Widerstand gegen das katholische Kirchensystem zu leisten, während er beständig ein Predigeramt ausübte, zahlreiche Schriften und Bücher verfasste, mit unzähligen Mitstreitern der Reformation in Kontakt stand und natürlich die gesamte Bibel übersetzte.

Calvin

Johannes Calvin leuchtete ebenfalls als helles Licht in den dunklen Tagen des Mittelalters und war ein wirksamer Kämpfer für die Reformation in der Schweiz. Es gibt nur wenig vergleichbare Vorbilder für einen leidgeprüften aber treu ergebenen Diener Christi wie ihn. Fast sein gesamtes Leben war von Krankheit, schwerer Verfolgung, Schmähung, lebensbedrohlichen Situationen, schmerzlichen Verluste (drei seiner Kinder starben kurz nach ihrer Geburt und seine liebe Frau erlag einer schweren Krankheit) und Mühe durchzogen. Dass ein so geplagter Mann so beständig seine Dienste ausüben kann und sich dabei noch unendlich freuen kann, ist ein wunderbares Beispiele für das Wirken der Gnade Gottes. Der aus einem wohlhabenden Elternhaus stammende Calvin studierte zuerst auf den Wunsch seines Vaters Theologie und Jura, bevor Gott ihn fand und ihn zum Werkzeug für die Reformation machte. Nach seiner Flucht aus Frankreich in die Schweiz begegnete er verschiedenen Gottesmännern, die ihn für Predigtdienste rekrutierten. Calvin, der sich sein Leben im ruhigen Studieren und Schreiben vorstellte, gelangte über Umwege in die Stadt Genf, die er gründlich auf den Kopf stellte. Er kämpfte gegen die unmoralisches Verhältnisse, setzte sich mit allem Eifer für Bildung, Sicherheit und Sauberkeit in der Stadt ein, womit er nach einiger Zeit großartigen Erfolg hatte. Dabei hat er nie ein politisches Amt bekleidet sondern war lediglich Pastor einer Genfer Kirche. In dieser übte er bis an sein Lebensende einen Predigtdienst aus. Er hielt innerhalb von zwei Wochen ca. zehn Predigten, verfasste seine umfangreiche Institutio religionis christanae, Kommentare zu allen neutestamentlichen und auch einigen alttestamentlichem Büchern der Bibel und weitere Bücher. Calvin hatte eine große Leidenschaft in seinem unvorstellbar geschäftigen, hingebungsvollen und von der Gnade Gottes getriebenen Leben, welches er uns als sein Vermächtnis hinterlässt: Die Majestät Gottes in seinem Wort.

Diese drei Lebensbilder benutzt Piper um dem Leser die souveräne Freude und die Gnade Gottes deutlich vor Augen zu stellen. Am Ende seines Buches fasst er vier Lektionen aus dem Leben fehlerhafter Heiliger zusammen.

Fazit

Dieses Buch bietet kurze aber sehr aussagekräftige Zussamenfassungen der Lebensbilder dreier Männer, in deren Leben Gott sich mächtig erwies. Wenige führten die Gesellschaft so gründlich zu den grundlegenden Wahrheiten des christlichen Glaubens zurück und veränderten ihr Umfeld. Piper versteht es auch, die Schattenseiten der Glaubensmänner in eine klares Licht zu stellen, somit ist das Buch gänzlich frei von hagiographischen Zügen. Wer sich einen groben Überblick über das Leben von Augustinus, Luther und Calvin verschaffen möchte oder die Macht der Freude an Gott oder das mächtige Wirken der Gnade Gottes im Leben von Menschen besser verstehen möchte, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.