Andachten

Mit ganzem Herzen zu Gott umkehren

„Und ich will ihnen ein Herz geben, mich zu erkennen, dass ich der HERR bin; und sie werden mein Volk, und ich werde ihr Gott sein; denn sie werden mit ihrem ganzen Herzen zu mir umkehren.“ (Jeremia 24,7)

Das Kapitel 24 des Propheten Jeremia enthält einen der relativ wenigen Lichtblicke, die in diesem Buch vorkommen. Umringt von Gerichtsbotschaften, Unheilsworten, Mahnworten und  Klagen findet sich hier in Vers sieben auch ein Heilswort. Um die Schönheit und Größe des heutigen Verses zu verstehen lohnt es sich, ein wenig den finsteren Kontext des Buches Jeremia zu betrachten, damit dieser wunderbare Vers auf diesem Hintergrund umso heller leuchtet.

Juda, das auserwählte Volk Gottes, war fern von Gott. Sie haben Gott, ihre Quelle lebendigen Wassers verlassen (Jer 2,13), haben geistlichen Ehebruch mit Gott begangen (Jer 3,1-3), sind anderen Göttern nachgehurt und waren dabei so ungezügelt, dass der HERR sie mit einer Kamelstute vergleicht, die frenetisch  umherrennt,  oder mit einer Wildeselin, die hitzig einen Hengst begehrt (2,23-­24). Sie haben die Wege des HERRN verlassen und Gottes Bund gebrochen, indem sie Arme unterdrückten, Witwen sich selbst überließen und Bedürftigen nicht halfen (2,34; 5,26-­28; 7,5-­6). Bei alledem heuchelten sie auch noch vor, dass sie Gott dienen würden, indem sie weiterhin Opfer darbrachten, von denen Gott jedoch sagen musste, dass er sie nicht annehmen kann (Jer 6,20).

Das ist ein absolut abscheuliches Bild, welches das von Gott bedingungslos beschenkte Volk Gottes hier abgibt. Sie, die von Gott mit mächtiger Hand aus Ägypten und in das heilige Land geführt wurden und auf ihrem Weg dorthin unendlich viele Gnadentaten erfahren haben, brachen den Bund mit ihm auf jede nur erdenkliche Art und Weise. Aufgrund ihrer schlimmen Verdorbenheit verglich Gott einen Teil von ihnen auch mit scheußlichen und ungenießbare Feigen, die man vor Schlechtigkeit nicht genießen kann (Jer 24,2.8). Sie haben den HERRN entehrt, der doch seine Ehre mit niemandem teilt (Jes 42,8; 48,11).

Es gab allerdings auch einige aus dem Volke Gottes, die Er als gut ansah, ja, die er als feine, delikate Frühfeigen ansah (Jer 24,2). Auf einige wird der HERR sein Auge zum Guten richten und sie, nach ihrer Wegführung, in ihr Land zurückbringen (Jer 24,6).

Was war an diesen Volksgenossen anders? Was haben sie besser gemacht als die anderen? Waren sie etwa moralisch besser und haben dem HERRN mit mehr Eifer gedient als die anderen? Hatten sie irgendwelche Voraussetzungen oder Bedingungen, die den HERRN dazu brachten, sie als „gute Feigen“ anzusehen? Es lohnt sich, das Kapitel 24 zu durchforsten, ob es irgendetwas gibt, was die einen von den anderen unterschieden haben könnte.

Um euch die Arbeit zu ersparen – ihr werdet nichts dergleichen finden. Es gibt nichts, was der eine Teil des Volkes besser gemacht hätte, sodass Gott ihnen deswegen gnädig ist. Stattdessen entdeckt man bei genauem Beobachten, dass in den 10 Versen dieses Kapitels genau 10 Mal Gott als der Handelnde beschrieben wird. Gott allein ist es, auf dessen Grundlage die einen Menschen als „gute Feigen“ angesehen werden. Dem Menschen selbst fehlt jegliche Grundlage, Gott irgendwie gefallen zu können.

Gott selbst, so steht es im heutigen Vers, WILL einigen ein neues Herz geben, da ihres komplett vom Bösen durchdrungen ist (Jer 17,9), und Er will bewirken, dass sie erkennen, dass Er der HERR ist. Er will ihr Gott sein und sie sollen sein Volk sein. Er wird bewirken, dass sie sich aufgrund des neuen Herzens, das Er ihnen gibt, mit ihrem ganzen Herzen zu Ihm bekehren werden. Das ist an absolut keine Bedingung geknüpft. Die Menschen selbst konnten keinen Deut dazu beitragen.

Diese wunderbare Gnade Gottes gegenüber seinem Volk, die in diesem Vers beschrieben wird, hat Gott auch seiner Gemeinde erwiesen. „Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es“ (Eph 2,8). Auch wir konnten nichts  dazu beitragen, dass wir Gottes Kinder wurden (Joh 1,12), da wir aus Gott geboren sind (Joh 1,13). Gott tat alles, was nötig war, um uns mit ihm zu versöhnen.

Lob, Preis, Dank, alle Ehre, aller Ruhm sei ihm dafür! Er verdient es, dass wir ihm unser Leben als wohlgefälliges Opfer hingeben (Röm 12,1). Mit diesen Gedanken über Gottes unfassbare Gnade wünsche ich euch einen gesegneten Tag und hoffe, dass ihr diesem gnädigen Gott mit eurem ganzen Leben dient.

 

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