Andachten

Brauchen wir „Theologie“?

An was denkst du, wenn du das Wort Theologie oder Theologen hörst? Denkst du an irgendeinen Bereich des christlichen Glaubens, den nur gewisse Gelehrte überblicken können und sich darin auskennen? Denkst du an historisch-kritische Bibelausleger, vor denen man sich in Acht nehmen muss? Denkst du, Theologen sind studierte Leute, die meinen alles besser zu wissen? Oder denkst du gar direkt an liberale Theologie, die absolut schädlich für eine Gemeinde ist?

Ich möchte anhand eines Verses erklären, was denn eigentlich Theologie ist und warum sie immens wichtig ist. In Hosea 4,1 steht: „Hört das Wort des HERRN, ihr Kinder Israel! Denn der HERR hat einen Rechtsstreit mit den Bewohnern des Landes; denn es ist keine Wahrheit und keine Güte und keine Erkenntnis Gottes im Land.“

Theologie leitet sich ab von zwei griechischen Wörtern: theós (θεός = Gott) und lógos (λόγος = Wort, Rede, Lehre). Es bedeutet also die Lehre von Gott bzw. seine Worte und Reden zu kennen. Theologie bedeutet nichts anderes, als zu wissen oder zu erkennen, wer eigentlich Gott ist, sein Wesen zu erforschen, seine Ratschlüsse zu studieren, über sein Wort nachzusinnen und immer mehr die Tiefen seiner Gottheit zu entdecken; kurz: Die Erkenntnis Gottes. Das ist Theologie. Ein Theologe ist schlicht und ergreifend jemand, der Gott kennt! 

Warum Theologie nun von solch einer immensen Wichtigkeit für jeden Christen und auch für die Gemeinde ist, wird im obigen Vers beschrieben: „Der HERR hat einen Rechtsstreit mit den Bewohnern des Landes; denn es ist keine Wahrheit und keine Güte und keine Erkenntnis Gottes im Land.“ Gott befindet sich in einem Rechtsstreit mit seinem Volk, weil sie nicht nur keine gute, sondern sogar gar keine Theologie haben. Sie wissen nicht mehr, wer Gott ist, kennen sein Wesen nicht mehr, haben vergessen, wie Er ihnen in vergangenen Zeiten gnädig gewesen ist und kennen seine Ratschlüsse und sein Gesetz nicht mehr. Das Volk hat die Theologie aufgegeben.

Was die Folge davon ist, lesen wir in den folgenden Versen: „Schwören und Lügen und Morden und Stehlen und Ehebrechen; sie brechen ein, und Blutschuld reiht sich an Blutschuld. Darum trauert das Land und verschmachtet alles, was darin wohnt, sowohl die Tiere des Feldes als auch die Vögel des Himmels; und auch die Fische des Meeres werden weggerafft.“ (Hos 4,2-3). Welch erschütternde Beschreibung des Volkes Israels, in welcher Lage sie sich befunden haben. Sie steuerten als Volk immer mehr auf einen Abgrund zu und drohten, gänzlich zu „verschmachten“ und „weggerafft“ zu werden. Und warum? Weil keine Erkenntnis Gottes, keine Theologie mehr im Lande war.

Wie traurig ist doch dieses Beispiel vom Volke Israel. Aber lasst das uns eine Lehre sein und davon lernen; lasst uns danach streben persönlich, aber auch als Gemeinde eine saubere, reine, biblisch-fundierte Theologie zu erhalten und nach ihr zu leben; lasst uns alle Theologen sein (Nicht vergessen: Ein Theologe ist jemand, der Gott kennt!). Auch wenn das bedeutet, dass wir Stunden um Stunden uns mit der Lehre der Bibel auseinandersetzen, gute Bücher heranziehen und mit anderen darüber reden müssen – es sollte kein müssen, sondern ein dürfen sein – Ein guter Theologe zu sein, lohnt sich.