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Buchbesprechung: Robert C. Chapman

Dieses Buch ist eine Biographie über den Engländer Robert Cleaver Chapman, der im 19. Jahrhundert in Südengland (hauptsächlich Barnstaple) lebte.

Inhalt

Das Leben Robert Chapmans, eines Mannes Gottes, der seiner Zeit auch als Apostel der Liebe bekannt war, wird in diesem Buch einfühlsam und umfangreich beschrieben. Sein heiliges Leben und seine demütige, liebevolle Art gibt dem Leser ein wunderbares Vorbild für die Nachfolge Jesu. Besonders für Gemeindeleiter und Evangelisten lassen sich im Leben Chapmans eindrückliche und nachahmenswerte Wesenszüge und Verhaltensmuster finden.

Sein Dienst im Reich Gottes bestand vor allem in der Gegend von Barnstaple im Südwesten Englands. Er war dort Pastor der Bear Street Kapelle, die etwa 400 Mitglieder hatte. Er predigte das Evangelium in der Umgegend, oft auch im Freien, öffnete sein Haus für Diener des Herrn (er funktionierte es gewissermaßen zu einem Hotel um) und unternahm Missionsreisen nach Spanien, Portugal und Irland.

Sein Dienst in der Bear Street Kapelle war eins seiner großen Lebenswerke. Es fing an 1832 mit einer Einladung nach Barnstaple und dem Beginn seines Pastorats in der Ebenezer Kapelle, einer Gemeinschaft von den “Particular Baptists”. Von dieser spalteten sich nach einiger Zeit einige Mitglieder ab, die mit den Veränderungen, die Chapman brachte nicht zurechtzukommen schienen. Chapman bot jedoch dieser Gruppe an, die Räumlichkeiten zu behalten und errichtete 1842 eine weitere Kapelle, die Bear Street Kapelle. In dieser übte er sein Amt als Prediger für die nächsten 60 Jahre aus. Er war ein sehr begabter Prediger, der es verstand, auf die geistlichen Bedürfnisse der Gemeinde einzugehen und die Einheit zu bewahren.

Er unternahm mehrere Missionsreisen nach Spanien und Irland, deren geistlicher Zustand unter dem schwerwiegenden Einfluss der Katholischen Kirche litt. Er reiste vorwiegend zu Fuß, damit er mit vielen Menschen unterwegs in Kontakt kommen und ihnen von Jesus erzählen konnte. Er wanderte von Dorf zu Dorf und hielt Predigten im Freien. Er lehrte das wahre Evangelium der Bibel und das mit einem Gottvertrauen und mit einer Hingabe, wie man sie sich kaum vorstellen kann. Er wusste sich in jeder Lebenslage von Gott geführt und sah in allen Menschen, die ihm begegneten, Gelegenheiten, ein Zeugnis für Jesus zu sein. So wurden viele unter seiner Verkündigung und durch persönliche Gespräche mit ihm zum Glauben geführt.

Sein Zuhause in Barnstaple (New Buildings Street 6) war ein Haus der Gastfreundschaft. Er nahm dort unzählige Diener Gottes auf, die in ihrem Werk müde geworden waren und Erholung oder geistlichen Rat brauchten. Es war ein schön eingerichtetes und geräumiges Haus (Chapman plante schon vor dem Kauf, aus seinem Heim einen Ruheort für Diener Gottes zu machen), zu dem später noch zwei angrenzende Häuser dazugekauft wurden um für mehr Platz zu sorgen. In dem Haus gab es einen strikten Tagesablauf. Das gemeinsame Frühstück fand um sieben Uhr morgens statt, auf das gegen acht eine gemeinsame Andacht folgte. Der nächste gemeinsame Programmpunkt war das Mittagessen um 12, dann die gemeinsame Bibelstunde um halb vier, die etwa zwei Stunden andauerte und auf die eine Teestunde folgte. Gegen neun Uhr legte man sich schlafen. Jeder Gast wurde von Chapman gebeten, seine Schuhe am Abend vor die Tür zu stellen, damit er sie bis zum nächsten Morgen putzen konnte. Er fertigte auch für jeden Gast ein Geschenk an – er liebte das Arbeiten mit Holz in seiner Werkstatt –, das er ihm zum Abschied mitgab.

Den persönlichen Gewohnheiten Chapmans widmet Peterson ein ganzes Kapitel, und das nicht ohne Grund, denn der normale Tagesablauf Chapmans ist verblüffend. Jeden Morgen pflegte Chapman um vier Uhr aufzustehen, ein kaltes Bad zu nehmen und einen ausgiebigen Spaziergang zu machen, bei dem er die Gemeinschaft mit Gott durch Gebet suchte. Dabei legte er wohl oft zwischen zehn und zwanzig Kilometer zurück. Nach dem Frühstück widmete er die ganze Zeit bis zum Mittagessen dem persönlichen Bibelstudium. Durch diese intensive und ausgiebige Zeit in der Gemeinschaft mit Gott, wurde er für seinen Dienst zugerüstet und durfte Gott in seiner Herrlichkeit kennen lernen. Seitdem er in Barnstaple wohnte, besuchte er mehr als 50 Jahre lang die umliegenden Dörfer und predigte in ihren Kapellen. In Nord-Devon wurden durch diesen Missionsdienst viele Versammlungen gegründet. Eine weitere Aufgabe, der er sich widmete, war seelsorgerischer Natur. Er stand für viele Diener des Herrn und für Gläubige aller Art als geistlicher Ratgeber zur Verfügung. Viele Männer und Frauen suchten ihn auf, um ihn in einer gewissen Sache, z.B. einem missionarischen Vorhaben um Rat zu fragen. Seine tiefschürfende Gotteserkenntnis und geistliche Erfahrung durfte somit vielen zum Segen werden, u.a. Georg Müller und Hudson Taylor.

Chapman behielt in dem Streit zwischen Darby und Newton, der zu einer Kluft zwischen den “exklusiven Brüdern” und den “offenen Brüdern” führte, stets den Fokus auf der Liebe und der Einheit. Seine Gemeinde und die Bethsada-Chapel von Georg Müller wurden von Darby aus der Brüdergemeinschaft ausgeschlossen. Er hielt den Kontakt zu beiden Seiten und sah in diesen Streitigkeiten innerhalb der Brüderbewegung eine List Satans, das fruchtbare Werk Gottes zu zerstören, somit setzte er allen Eifer daran, durch Gespräche und Konferenzen mit führenden Brüdern der Bewegung, Einheit zu schaffen und dem Riss entgegenzuwirken – leider ohne Erfolg.

Chapmans Erbe bestand nicht in materiellen Dingen, noch starb er als berühmter Prediger. Er hinterließ das Vorbild eines Mannes, der Christus lebte, der voller Liebe und Wahrhaftigkeit war. Sein Bibelverständnis war tiefschürfend und durch mehrere Stunden des Studiums täglich hart erarbeitet. Die geistliche Erkenntnis und die Weisheit, die ihm von Gott geschenkt wurden, verstand er auf eindrückliche und fruchtbringende Weise zu vermitteln – im seelsorgerlichen Gespräch oder auf der Kanzel. Zum Zeitpunkt seines Todes gab es in Nord-Devon, also in seinem hauptsächlichen Wirkungsfeld etwa 80 Gemeinden, die sehr eng miteinander verbunden waren und die sich durch ihre Liebe und Aufnahmebereitschaft auszeichneten, was vorwiegend auf Chapmans Vorbild und seine Fürsprache zurückzuführen ist.

Fazit

Das lange Leben Chapmans, das in dieser Biografie gut festgehalten ist, kann jedem Nachfolger Christi als Vorbild dienen. Seine beispiellose Hingabe an Christus, sein Eifer für das Evangelium, sein heiliger Wandel, sein tiefgreifendes Bibelstudium und Gebetsleben und seine Erkenntnis Gottes zeichnen ihn aus und wecken im Kind Gottes den Wunsch, seinen Glauben nachzuahmen (vgl. Hebr. 13,7). Beim Lesen der Biografie ist mit jeder Seite der Wunsch gewachsen, Chapman einmal persönlich kennen zu lernen und seine liebevolle und hingebungsvolle Art zu erleben.