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Buchbesprechung: Bibelstudium für Einsteiger

Der Buchautor, Pastor und Professor für Systematische Theologie R.C. Sproul gibt in diesem Buch sehr einschlägige praktische Richtlinien für ein effektives Bibelstudium. Die deutschen Herausgeber haben im Anhang noch Fragen zur Lernkontrolle und Vertiefung hinzugefügt, damit die praktischen Leitlinien dieses Buches für das Bibelstudium nicht so schnell vergessen werden.

Inhalt

Sproul beginnt sein Buch damit, dass er Gründe aufzeigt, warum jeder Christ die Bibel studieren und nicht nur lesen sollte. Dies tut er, indem er zuerst zwei falsche Mythen entlarvt, die besagen, dass die Bibel schwer zu verstehen und langweilig ist und indem er das Gegenteil beweist. Ferner geht er auf das Motivationsproblem ein, welchem die allermeisten Christen erliegen: Die Faulheit! Bibelstudium ist tatsächlich Arbeit, was Disziplin und Beständigkeit erfordert, allerdings zeigt er auf, dass es eine lohnenswerte Aufgabe ist, indem er die biblische Grundlage für das Bibelstudium darlegt. Die Wichtigkeit eine genaue Kenntnis der Schrift zu haben und sie auf das Leben anwenden zu können, bewahrt einen vor der Gefahr, die Sproul in seinem Buch als Pragmatismus bezeichnet (was er an der Stelle selbstverständlich näher erläutert). Mit großer Geisteskraft und biblischer Kompetenz führt Sproul schließlich jeden ernsthaften Christen an den Punkt, anzuerkennen, dass Bibelstudium im Grunde genommen jedes Christen Pflicht ist. Die Frage lautet daher für jeden Diener Christi: „Kann ich mir es überhaupt leisten, die Bibel nicht zu studieren?“.

In einem weiteren Schritt verdeutlicht und würdigt der Autor das Vermächtnis der Reformation, die das persönliche Bibelstudium überhaupt möglich gemacht hat. In diesem Zuge warnt er allerdings auch vor einigen Gefahren, die das persönliche Bibelstudium als Laie mit sich bringt. Ihm ist es wichtig zu zeigen, dass die Bibel in jeder Bibelstelle nur eine Aussage haben kann und dass man keinem Subjektivismus erliegen darf, der besagt, dass jeder die Bibel verstehen kann, wie er will. Es ist ohne Zweifel legitim die verschiedensten subjektiven Anwendungen der Schrift zu entnehmen, jedoch ist es keineswegs der Fall, dass eine Bibelstelle die für die unterschiedlichsten Auslegungen offen ist.

Im weiteren Verlauf erklärt der Autor wichtige Dinge, die beim Bibellesen zu beachten sind, wie z.B. der Hintergrund des jeweiligen Bibelbuches, literarischer Stil, Zusammenhang, die Wichtigkeit und die Grenzen buchstäblicher Auslegung usw. Eine sehr wichtige Regel, die in diesem Buch stark betont wird und beim Bibelstudium unbedingt beachtet werden sollte ist die sogenannte „analogia fidei“ („Entsprechung des Glaubens“). Damit ist einfach gemeint, dass die Heilige Schrift ihr eigener „Ausleger“ ist. Durch die Bibel selbst werden die Bibelstellen ausgelegt und dabei ist es ein unumstößlicher Grundsatz, dass die Bibel sich selbst nicht widerspricht.

Der längste Teil dieses Buches beschreibt 10 praktische Regeln für die Bibelauslegung. Es wird sehr empfohlen diese auswendig zu lernen. Anhand vieler Bibelstellen und sonstigen praktischen Beispielen werden diese zehn Regeln leicht verständlich und äußerst anschaulich behandelt. Es wird vor Gefahren bei Nichtbeachten dieser Regeln gewarnt und deutlich gemacht, dass wenn man sich an diese Regeln hält ein sehr großer Teil für ein gewinnbringendes Bibelstudium getan ist.

Der Wichtigkeit halber, möchte ich diese 10 Regeln auflisten (in dem Wissen, dass diese leider auch falsch verstanden werden können und mit der Bitte, sie in diesem Buch nachzulesen und sie sich ausführlich zu Gemüte zu führen!):

  1. Lies die Bibel wie jedes andere Buch!
  2. Lies die Bibel existenziell!
  3. Historische Berichte müssen auf Grundlage lehrmäßiger Schriftstellen ausgelegt werden.
  4. Implizite Aussagen müssen mithilfe expliziter Schriftstellen erklärt werden.
  5. Achte sorgfältig auf die Bedeutung der Worte.
  6. Beachte den häufigen Gebrauch von Parallelismen in der Bibel.
  7. Beachte den Unterschied zwischen Sprüchen und Geboten.
  8. Beachte den Unterschied zwischen dem Sinn des Gesetzes.
  9. Vorsicht bei Gleichnissen.
  10. Vorsicht bei Prophetie.

Nach diesen 10 praktischen Regeln behandelt Sproul das Problem zwischen Bibel und Kultur. Es herrscht eine schwer zu überbrückende kulturelle Kluft zwischen der Kultur zu neutestamentlichen und alttestamentlichen Zeiten und uns heute, die es zu erkennen gilt. Teilweise sind sich viele Ausleger uneinig, was denn in der Bibel kulturell bedingt ist und was zu allen Zeiten gilt. Das Gebot aus 5. Mo 22,11 würde wahrscheinlich jeder als kulturell bedingt abtun. Schwierig wird es allerdings wenn es z.B. um die „Kopfbedeckungsfrage“ geht. Hier gibt es große Uneinigkeit zwischen Auslegern, ob man dieses Gebot als kulturell bedingt ansehen soll, oder ob es zu allen Zeiten als schöpfungsbedingte Ordnung gemeint ist. Auch hier gibt der Autor hilfreiche Regeln, die bei diesen Fragen angewandt werden können.

Schließlich gibt der Autor dem Leser noch einige Vorschläge von Hilfsmitteln für das Bibelstudium an die Hand.

Fazit

Dieses Buch ist tatsächlich eine gelungene Anleitung für das Bibelstudium für Einsteiger. Durch zwar stellenweise recht anspruchsvollen, aber grundsätzlich leichtverständlichen und gut lesbaren Stil wird nicht nur Bibelschülern und Studenten, sondern jedem Christen eine solide „Lehre vom rechten Verstehen der Bibel“ vermittelt. Mit den Worten J. I. Packers möchte ich diese Buchbesprechung abschließen: „Wenn ich der Teufel wäre, wäre ich höchst unerfreut über dieses Buch“.

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