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Homosexualität – Wie bewertet die Bibel sie und wie sollen wir mit homosexuell empfindenden Gemeindemitgliedern umgehen?

1. Die biblische Perspektive auf das Thema Homosexualität

Innerhalb der letzten 50 Jahre wurde immer öfters behauptet, die biblischen Aussagen zum Thema Homosexualität seien bis dato immer falsch interpretiert worden. Lege man die Bibel richtig aus, so käme man zu dem Schluss, dass die Bibel keineswegs den gleichgeschlechtlichen Umgang untersage. Ist das tatsächlich so? Spricht sich die Bibel nicht gegen Homosexualität aus? Kann man als Christ homosexuell sein? Im Folgenden soll das Thema Homosexualität im Lichte der Bibel erörtert werden und auf mögliche Fehlinterpretationen eingegangen werden.

Eine erste wichtige Bibelstelle zu diesem Thema steht in 1. Mose 19,1-12. Dort wird davon berichtet, wie zwei Engel Gottes nach Sodom kommen, nachdem Gott das Gericht über diese Stadt beschlossen hatte, und bei Lot einkehren möchten. Die Männer Sodoms nun, die das mitbekamen, wollten Lot dazu drängen, die beiden Männer auszuliefern, damit sie diese homosexuell missbrauchen konnten (1. Mo 19,5-6). Lot nun bot den Männern Sodoms, um das größere Übel zu verhindern, seine beiden Töchter dafür an (1. Mo 19,7-9). Glücklicherweise kam es, dank des Eingreifens der beiden Engel, nicht zu dieser Abscheulickeit. Als nun Lot mit seiner Familie aus Sodom geflohen war, vernichtete der HERR diese Stadt (1. Mo 19,12ff).

Diese Stelle, die zunächst als eindeutiger Hinweis darauf erscheint, dass Homosexualität ein Gräuel ist, möchte auf zwei Weisen entkräftet werden. Erstens meinen manche, dass es den Männern Sodoms darum ging, die beiden Engel „kennenzulernen“ (was das hebr. Wort „jada“ durchaus auch bedeuten könnte), was allerdings die Reaktion Lots, seine beiden Töchter für eine Vergewaltigung anzubieten, völlig willkürlich machen würde. Zweitens wird argumentiert, dass wenn tatsächlich homosexuelle Handlungen im Interesse der Sodomiten gewesen wäre, das noch lange nicht hieße, dass das Gericht Gottes gerade deswegen über die Stadt kommen würde. Viele andere kanaanitische Städte hätten ebenfalls homosexuelle Handlungen vollzogen, die nicht von Gott gerichtet wurden. Dazu ist zu sagen, dass es sehr gut möglich ist, dass das Gericht Gottes nicht nur aufgrund der Homosexualität der Einwohner Sodoms über sie kam. Ohne Zweifel gab es noch viele weitere Vergehen, die zu diesem Gericht Gottes führten. Es hat allerdings auch nie ein Theologe behauptet, dass die Homosexualität der einzige Grund dafür sei, weswegen Gott diese Stadt richtete. Und doch ist es wohl nicht unbedeutend, dass in dieser Stadt „vom jungen Mann bis zum Greis“ homosexuelle Männer waren. Ferner ist zu sagen, dass die anderen kanaanitischen Städte später durch Josua und das Volk Israel doch noch gerichtet und vernichtet wurden, als das Maß ihrer Sünde voll war (vgl. 1. Mo 15,16ff).

Eine weitere in diesem Zusammenhang wichtige Bibelstelle ist Richter 19. Dort geht es um einen Mann, der seiner Frau, die ihn zuvor verlassen hatte, sucht und zurückholen möchte. Als sie auf dem Rückweg bei einem Mann einkehren, kommen auch hier wieder die Männer der Stadt und möchten den Gast vergewaltigen. Der Mann, der die beiden Einkehrer bei sich bewirtet, bietet auch hier wieder das ihm kleiner erscheinende Übel an, nämlich, dass die Männer seine Frau und sogar die Frau seines Gastes haben könnten. Die Geschichte endet mit einer brutalen Vergewaltigung der Frau des Gastes, welche sogar dabei stirbt.

Auch hier könnte man meinen, dass diese Geschichte klar zeigt, dass Homosexualität im Licht der Bibel äußerst unmoralisch und verdorben ist. Doch hier wird ebenfalls versucht, zu argumentieren, dass das Verb „erkennen“ sich darauf bezieht, von jemandem die Identität zu überprüfen bzw. jemanden kennenzulernen. Aber auch hier muss man entgegnen, dass es dann keinen Sinn machen würde, dass der Gastgeber den Männern seine Tochter und die Frau seines Gastes anbieten würde. Hier wird klar die homosexuelle Begierde der Männer verurteilt. In Hosea 9,9 wird diese Begebenheit sogar als absoluter Tiefpunkt im Lauf der Geschichte Israels erklärt.

In zwei weiteren Stellen aus dem alttestamentlichen Gesetz wird deutlich, dass Homosexualität im Lichte der Bibel Sünde ist. 3. Mose 18,22 und 20,13 wird der gleichgeschlechtliche Umgang miteinander als ein Gräuel bezeichnet. Wer argumentieren möchte, dass Jesus die alttestamentlichen Gebote aufgehoben hat, steht in der Gefahr viele Gebote des Alten Testaments zu verwerfen, die im Neuen Testament ausdrücklich zitiert werden, wie z.B. das Nächstenliebe-Gebot (3. Mose 19,18 in Mt 22,39) oder auch das Gebot, heilig zu sein (3. Mo 19,2 in 1. Petr 1,16 erwähnt). Viele kultischen und zeremoniellen Gebote haben sich in Jesus tatsächlich erfüllt, aber sehr viele moralische Gesetze sind nach wie vor für jeden Christen gültig.

Auch im Neuen Testament wird Homosexualität scharf verurteilt. Die wohl wichtigste Stelle hierfür ist Röm 1,18-32. Hier wird ausführlich über die Verdorbenheit des sündigen Menschen gesprochen und dabei auch die Homosexualität erwähnt: „Darum hat sie Gott auch dahingegeben in entehrende Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; gleicherweise haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen (…) entbrannt in ihrer Begierde (…) Mann mit Mann Schande getrieben…“ (Röm 1,26-27). Hier wird deutlich, was auch schon durch das Alte Testament klargemacht wurde. In Gottes Augen ist der gleichgeschlechtliche Geschlechtsverkehr eine Pervertierung der Schöpfungsordnung, eine widernatürliche Handlung und eine Schande. Hier lässt sich im Grunde nicht dagegen argumentieren.

Zwei weitere Stellen sind für die biblische Betrachtung von Homosexualität noch wichtig. Zum einen 1. Korinther 6,9-10 und zum anderen 1. Timotheus 1,8-10. In beiden Stellen werden „Knabenschänder“ (gr. arsenokoites) verurteilt. Dieses griechische Wort setzt sich aus zwei Wörtern zusammen: arsen, was so viel wie „männlich“ bedeutet und koitos (=Bett). Das Wort arsenokoitos meint also in etwa „der, der bei Männern im Bett liegt“. Somit wird auch hier deutlich, dass Homosexualität im Lichte der Bibel Sünde und nicht gottgewollt ist. Gemeint ist in allen Fällen die praktizierte Homosexualität. Man muss diesen Unterschied klar hervorhaben. Menschen, die homosexuelle Neigungen haben, diese aber als falsch erkennen und nicht ausleben, können sehr wohl als Christ leben, denn alle Christen haben sündige Neigungen (z.B. Habgier, Streitsucht Hochmut, …). Doch für den Homosexuellen, der seine sexuellen Neigungen auslebt, oder vielmehr in dieser Sünde lebt, bleibt nur folgendes Urteil übrig: Er wird das Reich Gottes nicht erben (vgl. 1. Kor 6,9-10).

2. Wie sollen wir mit homosexuell empfindenden Gemeindemitgliedern umgehen?

Wie geht man nun allerdings mit Leuten in der eigenen Gemeinde um, die homosexuelle Neigungen haben, oder sogar regelmäßig gleichgeschlechtlichen Verkehr praktizieren? Kann man so eine Person in der Gemeinde dulden? Kann man ihn im Gemeindedienst mitarbeiten lassen? Wie geht man seelsorgerlich mit einem homosexuellen Gemeindemitglied um?

Zuerst ist es sehr wichtig, mit solch einem Mitglied mit offenen Karten zu spielen. Als Gemeinde ist es wichtig, dass man sich dazu klar positioniert und mit der Bibel begründet, warum praktizierte Homosexualität eine Sünde ist. Gewiss muss man dabei in Liebe vorgehen, jedoch sollte von der Wahrheit, möglicherweise um der politischen Korrektheit willen, keine Abstriche gemacht werden. Wird einer davon überführt und erkennt, dass seine homosexuellen Neigungen oder Praktiken verkehrt sind und Gottes Wort widersprechen, so ist es von großer Notwendigkeit eine solche Person seelsorgerlich zu begleiten. Es reicht nicht aus, ihm die richtige Lehre vorzulegen und ihn dann auf sich selbst gestellt zu lassen. Paulus ermahnt Timotheus, dass er in der Gemeinde in Ephesus „gebieten und Lehren soll“ (1. Tim 4,11), aber, dass er gleichzeitig auch ermahnen soll (1. Tim 5,1-2). Unter ermahnen ist nicht nur das Zurechtweisen gemeint, sondern auch das Ermutigen und Ermuntern. Also Timotheus sollte die gesunde Lehre verbreiten, sich aber auch um die einzelnen Gemeindeglieder kümmern und ihnen auf dem Weg des Glaubens helfen und sich um sie kümmern. Ebenso wichtig ist es, dass einem homosexuellen Gemeindeglied die Wahrheit verkündigt wird und er dann aber auch seelsorgerlich begleitet und ihm auf dem Weg zur sexuellen Reinheit geholfen wird.

Sollte es allerdings Leute geben, die nicht darauf hören wollen und sich nicht überzeugen lassen, dass ihre homosexuellen Praktiken sündig sind, so sollte ein Gemeindezuchtverfahren eingeleitet und der alte Sauerteig ausgefegt werden (1. Kor 5,1ff). Die Gemeinde stellt den Leib Christi dar (1. Kor 12,27) und dieser soll rein sein. Somit ist es nötig, dass ein unbußfertiger Homosexueller aus der Gemeinde ausgeschlossen wird, dass dieser nicht die ganze Gemeinde schädigt, wie ja auch ein bisschen Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert (1. Kor 5,6). Allerdings gilt auch hier, dass man die homosexuellen Gemeindemitglieder nicht verachten soll, sondern sie lieben soll und dass der Gemeindeausschluss ein Akt der Liebe sein soll, um die betreffende Person zurückzugewinnen (Mt 18,15).

3. Zusammenfassung

Wir haben gesehen, dass die Bibel zum Thema Homosexualität nicht schweigt und dass sie es sogar aufs schärfste als eine widernatürliche Praktik, als ein Gräuel und als eine Schandtat verurteilt. Diese Wahrheit ist wichtig festzuhalten, wie sehr sie auch schmerzen mag und sie als solche zu verkünden. Gibt es tatsächlich solche Gemeindeglieder, dann gilt es sie in Liebe zu überführen. Jene, die sich überführen lassen sollte man seelsorgerlich begleiten und ihnen auf diesem Weg eine Hilfe sein und jene, die unbußfertig sind, sollten in Liebe aus der Gemeinde ausgeschlossen werden, zum Schutz der Gemeinde und vor allem um den Bruder zurückzugewinnen.

Dieses Thema wird die Gemeinden künftig noch weitgehend tangieren und deshalb ist es nötig, sich ausgiebig mit diesem Thema auseinanderzusetzen vor allem für die Hirten einer Gemeinde und alle, die in der Gemeinde Verantwortung übernehmen. Bei alledem ist es wichtig, Gott, den Geber der Weisheit (Jak 1,5), um Weisheit anzuflehen, dass er jeder Gemeinde hilft in jeder individuellen Situation richtig zu handeln und vernünftig mit diesem Thema umzugehen.

Transferfrage: Wie ordnen wir die Entscheidung des Bundestags zur „Ehe für alle“ im biblischen Kontext ein?

Gestern, am 30. Juni 2017, wurde im Bundestag darüber abgestimmt, ob der Gesetzesentwurf zur „Ehe für alle“, also auch für Schwule, Lesben u. dgl., in Kraft treten soll. Die Mehrheit stimmte dafür, sodass das Gesetz verabschiedet wurde. Die erste Reaktion, die das bei einem Christen auslöst, ist oftmals Unbehagen und Sorge. Doch wie sollen wir so eine politische Entscheidung im Kontext der biblischen Lehre einordnen?

Als erstes sollten wir uns daran erinnern, dass „das Herz des Königs in der Hand des Herrn ist und dass er es lenkt wie Wasserbäche“ (Spr 21,1). Gottes Souveränität steht über der menschlichen Macht und den Entscheidungen einer Regierung. Wir haben anhand der Verse aus dem Römerbrief (1,26.27) schon gesehen, dass der Grund, warum Menschen homosexuell werden und diese Neigungen ausleben, in Gottes Handeln begründet ist, nämlich in seinem Gericht, bzw. seinem „Dahingeben“. Der Prediger lehrt uns, dass jedes Tun, jeder Umstand und jede Situation (auch auf politischer und gesellschaftlicher Ebene) seine Zeit hat – das gilt auch für den Aufbau biblischer Werte in einer Nation (z.B. in Form von der Verankerung des biblischen Verständnisses von der Ehe zwischen Mann und Frau im Grundgesetz) wie für das Niederreißen dieser Werte. Als Kinder Gottes, denen alles zum Guten mitwirkt (vgl. Röm 8,28), dürfen wir in der Gewissheit ruhen, dass Gott souverän herrscht, unendlich weise ist und keine Fehler macht.

Gott ist der Begründer der Ehe und er hat sie ausschließlich für Mann und Frau bestimmt (vgl. 1. Mo 1,27; 1. Mo 2,24). Menschliche Meinungen, politische Gesetzesentwürfe und (pseudo-)wissenschaftliche Ausarbeitungen können und dürfen niemals der Maßstab für etwas sein, dass Gott eingesetzt hat. Danken wir Gott, dass wir in seinem Wort klare Erkenntnis und die absolute Wahrheit haben dürfen und dass wir das Vorrecht haben, danach leben zu können. In dieser Gewissheit dürfen wir Menschen in unserem Umfeld offen begegnen und ihnen diese göttlichen, unveränderlichen Wahrheiten nahebringen.


(Transferfrage stammt von Benny.)