Andachten

Schuldig zu lieben

Seid niemand irgendetwas schuldig, als nur einander zu lieben! Denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt. (Römer 13,8)

Nachdem Paulus in den Kapiteln 1-11 des Römerbriefes eindrucksvoll und mit großem Tiefgang das Evangelium der Gnade Gottes dargelegt hat, beinhalten die nächsten Kapitel Schlussfolgerungen dazu, wie sich dieses Evangelium im Leben der Glaubenden auswirkt. Paulus gibt Anweisungen, wie sich der Christ der Gemeinde, den Gemeindemitgliedern im Einzelnen, ihm feindlich gesinnten Menschen und der Obrigkeit gegenüber verhalten soll. Wohl mit demselben Gedanken, die ihn die Liebe als einen „vorzüglicheren Weg“ des Dienens in 1. Korinther 12,31 beschreiben lassen, leitet Paulus nun ein Fazit ein, etwas, das alles, was bisher gesagt wurde, in einer kurzen Aussage zusammenfasst, aber in seiner Tragweite alles bisher Gesagte übertrifft!

Wir sollen so leben, dass wir niemandem etwas schuldig bleiben (der Obrigkeit schulden wir Steuern, den Gemeindemitgliedern Ehrerbietung, den Feinden Barmherzigkeit usw.). Es gibt aber auch etwas, dass wir jedem einzelnen Menschen schuldig sind: ihn zu lieben! Liebe wurde von Jesus als neues Gebot eingesetzt. (Liebe an sich war kein neues Gebot; beachten wir den Zusatz „damit ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe“ Joh 13,34). Wir sind es Gott gegenüber schuldig, unsere Mitmenschen zu lieben, weil wir damit sein Gesetz und damit seinen Willen für unser Leben erfüllen. Maßstab unserer Liebe ist die Liebe, die Jesus Christus uns gegenüber gezeigt hat.

Johannes greift diesen Gedanken ebenfalls auf und nennt auch Vorbild und Motivationsquelle unserer Liebe:

Hierin ist die Liebe: Nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden. Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, sind auch wir schuldig, einander zu lieben. (1. Joh 4,10.11)

Um zu verstehen, wem unsere Liebe gelten muss, müssen wir sehen, wem Gottes große Liebe galt: Sie galt Sündern, die ihn nicht liebten (die gemäß Römer 5,10 sogar Gottes Feinde waren). Für Sünder sandte er seinen Sohn und erwirkte liebend ihre Sühnung. Gott liebte uns – Menschen die ihm gegenüber feindlich eingestellt waren. Johannes schlussfolgert: Wenn Gott uns so sehr geliebt hat, so sind auch wir schuldig einander zu lieben. Die Aufforderung von Römer 13,8 schließt alle Menschen ein: Unsere Familie, Freunde, Gemeindemitglieder, Arbeitskollegen, Nachbarn und ja, auch unsere Feinde. Wir sind ihnen das schuldig, denn auch wir wurden in unserem feindlichen Zustand geliebt. Es gefällt Gott, seine Kinder zur Liebe zu veranlassen. Denn gemäß Johannes 13,35 ist die Liebe ein sicheres Erkennungszeichen echter Christen. „Alle“ können an unserer Liebe erkennen, dass wir Jesu Jünger sind. Besonders Augenmerk liegt in den jeweiligen Stellen auf der Liebe, die Christen zueinander haben. Hier hat jeder von uns oft versagt und wir alle haben in diesem Bereich täglich Buße nötig.

Wer begriffen hat, was es bedeutet, dass Gott sich dazu entschied, feindliche Sünder zu begnadigen und zu erretten, der versteht, welche Tragweite seine Aufforderung zur Liebe hat. Niemals sehen uns andere Menschen mehr als „christusähnlich“ an, als wenn wir uns selbst in Liebe für die Menschen um uns her hingeben. Jesus selbst hat uns dazu befähigt, andere zu lieben. Und er möchte geehrt werden, wenn seine Liebe aus unserem Leben fließt und andere bekennen müssen, dass Gott hier wahre Veränderung gewirkt hat. Gott sei die Ehre für seine wunderbare Liebe!

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