Andachten

Baue an Gottes Tempel!

Ist es für euch selber an der Zeit, in euren getäfelten Häusern zu wohnen, während dieses Haus verödet daliegt? Und nun, so spricht der HERR der Heerscharen: Richtet euer Herz auf eure Wege! Ihr habt viel gesät, aber wenig eingebracht; ihr esst, aber werdet nicht satt; ihr trinkt, aber seid noch durstig; ihr kleidet euch, aber es wird keinem warm; und der Lohnarbeiter erwirbt Lohn in einen durchlöcherten Beutel.“ (Haggai 1,4-6)

In dieser Textstelle, die wir heute betrachten wollen, wird uns ein Problem des Volkes Israel vor die Augen gestellt, mit dem jeder Christ durch alle Jahrhunderte hindurch zu kämpfen hat. Die Anklage, die Gott hier durch seinen Propheten Haggai an das Volk Israel erhebt, ist der Vorwurf, dass die aus der babylonischen Gefangenschaft, zurückgekehrten Juden den Tempel verödet daliegen lassen, während sie selber in prächtigen Häusern leben. Zwar wurde der Wiederaufbau des Tempel unter Serubbabel mit viel Freude angefangen, doch als die Feinde Israels ihnen Schwierigkeiten bereiteten, hörten sie auf weiter an dem Haus Gottes zu bauen.

Gott bemängelt hier nicht in erster Linie, dass der Tempel als Gottes Wohnstätte nicht fertig gebaut wird, denn welches Gebäude der Welt vermag den Schöpfer der ganzen Welt und des ganzen Universums zu fassen? Nein, Gottes Anklage richtet sich gegen die Herzenshaltung des Volkes Israel, die leider so oft auch mit der unseren übereinstimmt. Was war das eigentliche Problem des Volkes? Das Volk dachte, wenn sie zuerst ihre eigenen Häuser bauen würden, hätten sie danach noch genug Zeit und Kraft übrig, um auch das Haus Gottes zu bauen. Sie hatten kein Vertrauen in Gott, dass er sie versorgen wird, auch wenn sie sich zuerst um den Tempel, statt um ihre eigenen Häuser und Äcker kümmern würden. Aber Gott zeigt dem Volk klar auf, dass dieses Verhalten Sünde ist, denn Gott will ein ungeteiltes Herz haben. Ein Herz, dass zuerst nach dem Reich Gottes und nach Gottes Gerechtigkeit trachtet und sich keine Schätze hier auf Erden sammeln will, da es weiß, dass jeder Reichtum vergeht und keinen ewigen Bestand hat. (vgl. Matthäus 6,19ff)

Verhalten wir uns nicht auch oft so, wie das Volk Israel? Wir sagen, dass wir nur Gäste und Pilger auf dieser Erde sind, dass unser eigentliches Zuhause im Himmel ist und doch leben wir oft nur im Hier und Jetzt. Wir jagen irdischen Dingen nach und merken dabei nicht, dass uns die Welt mit all ihren Angeboten keine Erfüllung geben kann. Dann geht es uns wie dem Volk damals, dass wir viel arbeiten aber dennoch wenig haben, dass wir nach Sicherheit, Frieden und Geborgenheit suchen aber sie nicht finden. Wir sehen also, dass alles von Gott abhängig ist, denn „wenn der Herr nicht das Haus baut, dann arbeiten umsonst, die daran bauen“ (Psalm 127,1). Möge uns Gott helfen, dass wir immer mehr für ihn und immer weniger für uns selbst leben, denn nur dann werden wir echten Segen erfahren, nicht in Form von Geld und Wohlstand, sondern in der Gestalt eines frohen und zufrieden Herzens, denn Gott alleine kann einem Menschen Sinn und Erfüllung im Leben schenken.