Andachten

Kernaussagen der kleinen Propheten (10/12)

Ist es für euch selber an der Zeit, in euren getäfelten Häusern zu wohnen, während dieses Haus verödet daliegt? (Haggai 1,4)

Das gesamte Buch Haggai handelt davon, wie Haggai – durch Gott beauftragt – die Juden dazu motiviert, den Tempel wieder aufzubauen. Die Juden, welche aus dem Exil zurück ins Südreich kamen, interessieren sich primär erstmal für ihre schönen Häuser, da sie schließlich auch einen entsprechenden Standard in Babylon gewohnt waren.
Dies ärgerte Gott und er fragt zynisch: „Ist es denn richtig, dass ihr prächtig wohnt und mein Haus euch egal ist?“

Diese Frage durchzieht und durchbohrt das gesamte Buch Haggai! Und diese Frage sollte somit auch unser Leben durchbohren.
Ist es denn richtig, zuerst nach meinem beruflichen Lebenslauf zu trachten und kaum Mühe für biblische Erkenntnis aufzuwenden? Ist es denn richtig, all mein hart verdientes Geld in meine Bedürfnisse zu investieren und für Gottes Aufgaben wenig bis nichts übrig zu haben? Ist es denn richtig, meine wohlverdiente Freizeit für Sport und Hobbys aufzubringen und mich dabei für Gemeindestunden und Geschwister zu verschließen, welche mich zeitlich in Anspruch nehmen könnten?

Haggai zeigt im Abschnitt Kap. 1,5-11 auch, welches die Konsequenzen aus diesem Müßiggang sind:

Deshalb hat um euretwillen der Himmel den Tau zurückgehalten, und die Erde hat ihren Ertrag zurückgehalten. Und ich habe eine Dürre gerufen über das Land und über die Berge und über das Korn und über den Wein und über das Öl und über das, was der Erdboden hervorbringt, und über die Menschen und über das Vieh und über allen Arbeitsertrag der Hände. (Hag 1,10-11)

Gott züchtigte Sein Volk mit Mangel, mit Hungersnot und mit Ertragslosigkeit. Das Volk erkannte daran: Es bringt nichts, Fürsorge für mich und mein Wohl zu treffen, wenn parallel Gottes Werk vernachlässigt wird! Gott ist es schließlich, der allen Segen schenkt, der Regen und Sonne zur rechten Zeit schickt und Ertrag generieren lässt.

So oder so ähnlich stellt uns Gott auch heute noch die „Haggai-Frage!“ Diese Frage samt ihrer Konsequenzen hat an Aktualität und Brisanz nichts verloren und sollte uns zwingend beschäftigen.
Es müssen nicht zwingend Hungersnöte unser Leben befallen oder Mangel an irgendetwas aufkommen, jedoch verlieren wir an Wirkungskraft und Authenzität, wenn sich unser Leben lediglich um gegenwärtige Banalitäten dreht. Wir büßen regelrecht unsere Leuchtkraft bis hin zu den Früchten ein, wenn wir mit den von Gott gegebenen Fähigkeiten, Gaben und Möglichkeiten verwerflich umgehen!

Wenn es dem Heiligen Geist wichtig war ein ganzes Prophetenbuch um diese Frage herum zu schreiben, so muss es uns mindestens diesen Moment am Tag kosten, wo wir uns fragen:
Wo kann ich heute in Gottes Werk investieren und wo dreht sich das Leben zu sehr um mich?
Jesus erinnert uns daran: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. (Mt 25,40)