Andachten

Buchbesprechung: Gewürdigt zur Schmach

John Piper gibt in diesem wunderbaren Buch einen Überblick über das Leben dreier Menschen, die für die Ausbreitung des Evangeliums schwere Schmach erdulden mussten. Die Realität des Zitates von Tertullian “das Blut der Märtyrer ist der Samen der Kirche” zieht sich durch die gesamte Geschichte der Gemeinde und bewahrheitet sich auch in dem Leben der drei Männer, die in diesem Buch vorgestellt werden: William Tyndale, John Paton und Adoniram Judson.

Inhalt

Blutige Tränen zum Segen für die Welt

In einer prägnanten Einführung stellt der Autor eine Hauptthese des Buches vor. Er erklärt: “Immer mehr überzeugen mich die Heilige Schrift und die Missionsgeschichte davon, dass zu Gottes Plan für die Evangelisation der Welt und zur Ver­wirklichung seiner Ratschlüsse die Leiden seiner Diener und Missionare gehören.” (S. 14) Er verfährt nach dem Prinzip “erst die Bibel, dann die Biographie” (S. 17) und führt einige Bibelstellen an, die seine Hauptthese erstaunlich gut belegen. Gott hat es so bestimmt, dass sein Evangelium durch die Leiden seiner Diener fruchtbringend ausgebreitet werden soll, ganz gemäß dem Vorbild Christi, der durch seine Leiden die Erlösung für Menschen erwirkte. An zahlreichen Stellen wird denen, die den Missionsbefehl Jesu ernst nehmen und das Evangelium weitertragen wollen, verheißen, dass sie mit Leid, Schmerz und Widerstand rechnen müssen und dass es sie letztendlich sogar dass Leben kosten kann (vgl. Mt 10,16; Röm 8,36; Offb 6,10.11). Piper schließt seine Einführung mit einem ihm wichtigen Gebetsanliegen: “Ich bete darum, dass ihre [Tyndales, Patons und Judsons] Geschichten in Ihnen die Leidenschaft für die Ver­herrlichung Christi unter den Heiden erwecken und dass wir Mitleid mit jenen bekommen, die wegen ihrer Sünden dahinsterben, ohne die Frohe Bot­schaft von Christus gehört zu haben.” (S. 33)

William Tyndale

Das Leben und der Dienst des englischen Akademikers und Sohnes einer wohlhabenden Familie William Tyndale steht als beispielhaftes Zeugnis dafür, was es gekostet hat, die Botschaft der Bibel zu Menschen zu bringen, die fern davon sind. England lag durch die römisch-katholische Regierung in völliger geistiger Finsternis – die Bibel in die englische Sprache zu übersetzen oder auch nur zu lesen, war strikt verboten. Deshalb war es die große Mission Tyndales, die er zeitlebens vor Augen hatte und mit ganzer Kraft verfolgte, die Bibel für den einfachen Mann zugänglich machen. Zu einem aufgebrachten katholischen Gelehrten sagte er: “Ich biete dem Papst und all seinen Gesetzen die Stirn … Wenn Gott mein Leben noch etliche Jahre erhält, werde ich dafür sorgen, dass der Knecht hinter dem Pflug mehr von der Bibel versteht als Sie!”

Thomas Morus, ein katholischer Intellektueller, folterte viele Anhänger der Reformation und verbrannte sie bei lebendigem Leib. Einem solchen Zeitgenossen sah sich Tyndale ausgesetzt. Unter diesem Druck verbreitet er treu das Evangelium und die reformatorische bzw. biblische Lehre von der Rechtfertigung allein aus Glauben – sola fide –, die eine deutliche Opposition zur traditionellen katholischen Lehre darstellt. Besonders eindrücklich beschreibt Piper Tyndale’s letzte Monate in Vilvoorde, einer belgischen Festung. Den Winter über frierend, allein gelassen, wartend auf den Tod. Dann, nach anderthalb Jahren Haft, wurde er auf den Scheiterhaufen geführt, erdrosselt und verbrannt. Seine letzten Worte und das Ausmaß derselben beschreibt der Autor am Schluss des Kapitels. Sie lauteten: “Herr, öffne dem König von England die Augen!” Es dauerte nur noch wenige Jahre bis Gott diese Bitte erfüllt und somit ein neues Zeitalter in England eingeläutet wurde. In einem Brief, der auch am Schluss des Kapitels zitiert wird, schreibt Tyndale an einen Freund: “Wenn wir für Wohltun geschlagen werden, leiden wir geduldig und halten aus; das ist angenehm vor Gott, denn dazu sind wir berufen. Denn auch Christus hat für uns gelitten und uns ein Beispiel hinterlassen, damit wir seinen Fußstapfen folgen, der keine Sünde tat. Hierin haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns hingegeben hat; darum sollen auch wir unser Leben für die Brüder darlegen.”

John Paton

Als Missionar auf den Neuen Hebriden zeigte John Paton ebenfalls eine ungeheure Leidensbereitschaft und Hingabe, die Piper auf verschiedene Faktoren zurückführt. Im Angesicht der schlimmsten Vorahnungen bewies er außerdem ungeheuren Mut (John Williams und James Harris, die die Neuen Hebriden wahrscheinlich als erste Christen bereisten, waren dort von Kannibalen gefressen worden). John Paton erlebte von Anfang an schwere Anfechtung und Kritik, als er sein Vorhaben, als Missionar auf die Neuen Hebriden zu gehen, in die Tat umsetzen wollte. Ein Kritikpunkt war u.a. sein fruchtbarer Dienst, den er zurückließ. Piper schreibt: “Paton hatte zehn Jahre als Stadtmissionar mitten in Glasgow mit gewaltigen Erfolgen unter Armen und Entwurzelten gearbeitet, und Hunderte von kirchenfernen Leuten besuchten seine Klassen und Gottesdienste während der Woche.” Patons Mut hielt auch stand im Angesicht schwerer Verluste. Seine Frau Mary wurde schwer krank und starb nicht lange nachdem sie John einen Sohn geboren hat, welcher ebenfalls starb. Auch schwerer Schüttelfrost und Fieber, das teilweise mit Wahnvorstellungen einherging, und die fehlende ärztliche Versorgung konnten ihn nicht von seinem Missionsdienst abbringen; auch nicht die mit lebensbedrohlichen Situationen verbundenen Anfeindungen mit den kannibalischen Insulanern. Das Ergebnis dieses mutigen Dienstes war äußerst fruchtbar. Die gesamte Insel Aniwa, auf der er missionierte, bekehrte sich zu Christus. Piper behandelt ausführlich die Frage, woher dieser Mut Patons kam. Zusammengefasst führt er ihn auf folgende Punkte zurück: Sein Mut kam von seinem Vater, der ihn schon in jungen Jahren durch sein christusähnliches Leben entscheidend geprägt hatte. Er kam auch aus einem tiefen Bewusstsein göttlicher Berufung und aus dem Bewusstsein, dass seine Kirche (die reformierte presbyterianische Kirche Schottland) ein heiliges Vermächtnis verwaltet. Er glaubte auch fest an Gottes uneingeschränkte Souveränität, bzw. an einen Gott, der auch alle Missgeschicke in seiner Hand hält. Dementsprechend gestaltete er sein Gebetsleben – er unterstellte sie der unendlichen Weisheit Gottes. Entscheidend war auch eine bestimmte Art der Freude. Er schrieb dazu: “O dass die vergnügungssüchtigen Männer und Frauen der Welt doch die wirkliche Freude jener, die den wahren Gott kennen und lieben, schmecken und spüren könnten! Das ist ein Erbteil, das die Welt … ihnen nicht geben kann, das aber die ärmsten und demütigsten Nachfolger Jesu erlangt haben und an dem sie sich erfreuen!” Sein Mut kam auch aus seiner sehr persönlichen Gemeinschaft mit Jesus Christus. Paton lässt uns eine Frage zurück, die er für sich beantworten konnte: “Wenn du so auf deine eigene Seele zurückgeworfen wirst – allein, ganz allein, mitten in der Nacht, im Urwald, ja im Angesicht des Todes selbst, hast du dann einen Freund, der dich nicht im Stich lässt.”

Adoniram Judson

Das Leben des Missionars Adoniram Judson zeigt, was es kostete, die Bibel nach Birma (Myanmar) zu bringen. Birma war damals ein sehr verschlossenes Land in dem sowohl Anarchie als auch Despotismus herrschten. Überdies war es in einen schrecklichen Krieg mit Thailand verwickelt und kannte keine religiöse Toleranz. Obwohl selbst William Carey ihn davor warnte, ging der 24-jährige Adoniram Judson mit seiner 23-jährigen Frau in dieses hoffnungslos verloren scheinende Land um den Menschen dort das Evangelium zu bringen. Wie auch William Tyndale und John Paton lebte er von der Wahrheit der souveränen Gnade Gottes. Während seines Dienstes, der sich am Schluss ebenfalls als äußerst fruchtbar erwies, erlebte er unsagbar schweres Leid. Er kämpfte mit Depressionen, erlebte schwere Folterungen vom Staat, verlor seine Frau Ann und zwei Kinder, die sie ihm schenkte. Den Verlust des zweiten Kindes kommentierte sie folgendermaßen: “Unsere Herzen hingen so sehr an diesem Kind; wir empfanden es als unseren einzigen Schatz auf Erden und als unschuldiges Wesen, das uns in diesem Heidenland die einzige Ablenkung schenkte. Aber Gott hielt es für nötig, uns diesen Irrtum vor Augen zu führen, so nahm er uns unseren kleinen einzigen Schatz wieder fort. Möge er das nicht umsonst getan haben! Möchten wir so viel daraus gelernt haben, dass er seine Hand zurückhalten und sagen kann: “Es ist genug!” Später heiratete er erneut. Auch seine zweite Frau verstarb. Eine Zeit lang, nachdem er schwere Folterungen erlebt hat, lebte er unter Depressionen isoliert im Urwald, unzähligen Gefahren durch wilde Tiere ausgesetzt. Doch sein Leben zeigt in aller Deutlichkeit, wie Gott die Leiden seiner Diener gebraucht, um sein Reich zu bauen. Piper zieht unter diesem Lebensbericht das passende Fazit: “Die Frage ist nicht, ob wir sterben, sondern vielmehr, ob wir sterben und viel Frucht bringen.” (S. 153)

Schlussbetrachtung

“Die Leiden dieser Zeit bewirken ewige Herrlichkeit.” Unter diesem Statement zieht der Autor einige Anwendungen aus den drei Lebensbildern. Er führte einige statistischen Daten an, die erklären, wie weit das Evangelium ausgebreitet ist und wie viel Arbeit zu tun ist und geht auf die Verlockungen, den Drangsalen zu entfliehen, ein, denen wir als westliche Christen ausgesetzt sind. Er kommt auch nochmals auf seine anfangs gesetzte Hauptthese zu sprechen und stellt die Frage: “Wie bedeutsam ist das Leiden, um das Evangelium zu den Heiden zu bringen?” (S. 163) Er erklärt auch die Zielsetzung seines Buches: “Meine Hoffnung für dieses Buch geht dahin, dass dadurch unsere Herzen und Sinne tiefer durch das Werk des Geistes gebildet werden. Dann werden wir, wenn eine Krise eintritt, eher durch die Wege Gottes als durch die weltlichen Vorstellungen von Sicherheit und Bequemlichkeit geleitet werden.” (S. 158) Alles in allem veranschaulicht dieses Buch auf wunderbare Weise das, was schon Paulus schrieb: “Denn wir wollen nicht, dass euch unbekannt sei, Brüder, was unsere Bedrängnis betrifft, die uns in Asien widerfahren ist, dass wir übermäßig beschwert wurden, über Vermögen, sodass wir sogar am Leben verzweifelten. Wir selbst aber hatten das Urteil des Todes in uns selbst, damit wir nicht auf uns selbst vertrauten, sondern auf den Gott, der die Toten auferweckt … Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die Überfülle der Kraft sei Gottes und nicht aus uns … »Meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht« (2. Korinther 1,8-9; 4,7; 12,9; Hervorhebung hinzugefügt).”