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Buchbesprechung: Biblische Theologie für die Gemeinde

Christliches Leben resultiert aus gesundem Glauben. Dieser wiederum entsteht, wenn die Bibel richtig verstanden und vermittelt wird. Michael Lawrence, Hauptpastor der Hinson Memorial Baptist Church in Portland (Oregon, USA), bietet eine wunderbar verständliche und nützliche Einleitung in die Biblische Theologie (die Lehre von den roten Fäden der Bibel) und zeigt ihre praktische Anwendung.

Inhalt

Der Autor leitet das Buch mit dem Text, um den es geht, ein. Er erklärt das Wesen, einige Merkmale und den Mittelpunkt der Heiligen Schrift, sodass die Grundlage geklärt ist, was denn eigentlich im Folgenden Gegenstand des Studiums und als Folge daraus in der Verkündigung sein sollte: Gottes heiliges Wort, die Bibel. Wie jeder Zimmermann wissen muss, welche Holzart er bearbeiten muss, so müssen wir uns erst einmal im Klaren darüber sein, welches „Material“ wir „bearbeiten“, wenn wir Biblische Theologie betreiben.

Nachdem dies geklärt ist beginnt der erste Teil des Buches: „Das nötige Werkzeug“. Es muss unbedingt festgestellt werden, wie man an die Bibel herangeht, mit was man sie  „bearbeitet“ und wie man diese „Werkzeuge“ benutzt. Im ersten Kapitel dieses Buches wird daher als Hilfsmittel für die Auslegung die sogenannte grammatisch-historische Methode vorgestellt, erläutert und anhand von Beispielen praktisch angewendet. Wer ein bisschen Motivation und Wissensdurst mitbringt, wird viel Freude und Profit aus diesem Kapitel ziehen.

Weitere Werkzeuge werden einem in Kapitel zwei und drei mit an den „Arbeitsgürtel“ gegeben. Dabei wird erklärt, wie wichtig es ist, die verschiedenen Bündnisse, Epochen und den gesamtbiblischen Kanon zu beachten, wenn man Texte der Bibel interpretieren geschweige denn darüber predigen möchte. Wenn man beispielsweise die Segnungen aus 5. Mose 28 liest, die bei Gehorsam gegenüber Gottes Wort eintreffen, studiert, so ist es wichtig zu fragen, welche Epoche oder unter welchem Bund diese Segnungen verheißen wurden. Gilt heute immer noch, dass ich ein wohlhabendes Leben führen kann, wenn ich nur die Gebote Gottes halte? Oder geht es vielleicht im Neuen Bund unter Jesus Christus um viel größere geistliche Segnungen, von welchen die Segnungen des mosaischen Bundes nur ein Schatten waren?

Ferner sind weitere große überspannende Themen der Bibel wie Prophetie, Typologie, Kontinuität und Diskontinuität wichtig zu erkennen und herauszufinden, wie diese mit dem großen roten Faden des Evangeliums vom verheißenen Erlöser Jesus Christus zusammenhängen. Wer bei diesen Begriffen schon direkt abschalten möchte und ihm das alles viel zu spanisch vorkommt, der sei beruhigt; diese Themen werden auf eine so einfache und anschauliche Art behandelt, dass sie wirklich jeder Christ, der Gott auch mit seinem Verstand lieben möchte, auch ohne theologische Ausbildung verstehen und anwenden kann. Natürlich kann dies nicht ohne Mühe geschehen, doch es ist definitiv machbar.

Kapitel vier und fünf beenden den ersten Teil des Buches „Das nötige Werkzeug“. Sie beantworten die Fragen, ob wir Biblische und Systematische Theologie brauchen (mit einem Plädoyer für beide) und wie und warum man theologisch denken muss. Auch hier darf man sich nicht von den Fachbegriffen einschüchtern lassen, die einem sonst weniger geläufig sind. Ich möchte hier noch einmal anmerken, dass jeder Christ, aber natürlich vor allem Hirten und Lehrer, darum bemüht sein sollte(n), auf seine (ihre) Lehre achtzuhaben (1. Tim 4,16) und sich nicht davor zu scheuen, das auch als Arbeit mit Mühe und Aufwand zu betrachten (2. Tim 2,15).

 

Teil zwei behandelt nun „die Geschichten, die wir erzählen müssen“. Dabei erzählt der Autor die gesamte biblische Geschichte nach, jedoch immer aus einem anderen Blickwinkel als Beispiel dafür, wie man Biblische Theologie betreibt. In den Kapiteln 6-10 erzählt also der Autor fünf verschiedene Geschichten: Die Geschichte der Schöpfung, des Sündenfalls, der Liebe, des Opfers und der Verheißung. Er geht dabei immer durch die komplette Bibel und wendet dabei alle vorher ausführlich beschriebenen Werkzeuge an (Wie entwickelt sich die Geschichte der Schöpfung? Wie schreitet die Geschichte der Liebe über verschiedene Epochen voran? Oder inwiefern besteht Kontinuität oder auch Diskontinuität in der Geschichte des Sündenfalls etc.). Dabei gehen einem sehr viele Zusammenhänge der Bibel auf und der rote Faden erscheint einem immer deutlicher.

Es wird klar, dass der Mittelpunkt der gesamten Bibel, auf den jede Geschichte hinausläuft und zu dem jeder Vers der Bibel etwas beiträgt, Jesus Christus ist. Die Geschichte vom gekreuzigten Opferlamm, das für unsere Sünden geopfert und geschlachtet wurde und das nun würdig ist, jedes Mal in unserer Predigt der zentrale Gegenstand unserer Verkündigung zu sein.

 

Es folgt nun der dritte und letzte Teil des Buches: „Die Anwendung für die Gemeinde“. Wie kann man die Biblische Theologie, wenn sie erst einmal verstanden wurde und angewendet wird, der Gemeinde vermitteln? Wie kann man darüber Predigen und Lehren? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die letzten beiden Kapitel. Anhand von vier Fallbeispielen (vier biblische Abschnitte) wird erklärt, wie man die Kernaussage der Texte vermittelt, wie man sie in ihren gesamtbiblischen Kontext und in ihre Epochen einordnet und wie man für jedes Gemeindemitglied Anwendungen vorschlagen kann. Somit ist gesichert, dass, wenn man sich die Mühe macht, eine gesunde Biblische Theologie aufzubauen, dass die „Schafe“ (Gemeindemitglieder) gesunde „Nahrung“ (Lehre) bekommen und somit für den geistlichen Dienst zugerüstet sind.

Fazit

Dieses Buch möchte jedem Hirten, Lehrer, ernsthaften Christen und Leser eine Hilfestellung geben für sich eine fundierte Biblische Theologie aufzubauen. Diese verleiht dem geistlichen Dienst Kontur, sie befähigt einen gesunde Lehre zu vermitteln und sich vielen Fragen von Gemeindemitgliedern zu stellen und sie nicht nur platt beantworten zu können. In wirklich gut verständlichen und zum Lesen anregenden Worten leistet der Autor einen wirklich bedeutenden Beitrag dazu, dass wieder das Wort Gottes im Mittelpunkt der Verkündigung und im geistlichen Dienst in der Gemeinde stehen sollte. Mit dem Satz, den der Autor selbst an den Schluss seines Buches platziert hat, möchte ich ebenfalls schließen: „Biblische Theologie ist wirklich nützliche Theologie. Biblische Theologie ist Theologie, die wirkt. Also: Nehmen sie ihre Bibel zur Hand und gehen sie ans Werk!“