Andachten

Die Eigenschaften Gottes: (6) Der unsichtbare Gott

Wenn Gott Geist ist, wie wir letzte Woche gesehen haben, so geht mit dieser Eigenschaft Gottes eine weitere einher. Gott ist unsichtbar.

Erklärung und biblische Grundlage

„Niemand hat Gott jemals gesehen“ (Joh 1,18)

Es ist schon interessant. Das ganze Alte Testament steckt voll von Berichten über Männer Gottes, Propheten und Könige, die mit Gott gewandelt sind, Nachrichten direkt von ihm empfangen haben, ihn teilweise sogar in eindrücklichen Visionen gesehen haben (z.B. Mose oder Jesaja) – und jetzt kommt Johannes und stellt die Behauptung auf, dass niemand Gott jemals gesehen habe. Stimmt diese Behauptung? Gibt er Jesu Worte fünf Kapitel später richtig wider, wenn dieser ebenfalls behauptet, dass niemand den Vater gesehen hat, außer dem, der von Gott ist (Joh 6,46)? Wenn Timotheus von einem unsichtbaren Gott spricht (1. Tim 1,17), widerspricht er dann nicht den Berichten von Mose (2. Mo 33,11) und Jesaja (Jes 6,1)?

Die wohl plausibelste Lösung auf diese Frage ist, dass Gott zwar wirklich unsichtbar ist und von uns unmöglich gesehen werden kann, dass Er sich allerdings teilweise durch sichtbare Dinge zeigt. Es gab immer wieder im Alten Testament gewisse Erscheinungen Gottes (sogenannte „Theophanien“), die in einer gewissen sichtbaren Weise Gott offenbaren (z.B bei Abraham in 1. Mo 18,1-33 oder die Feuersäule in der Wüste in 2. Mo 13,22-23).

Die beste Offenbarung Gottes, die von Menschen je gesehen wurde, gab Gott allerdings in seinem Sohn. Wer Jesus gesehen hat, der hat tatsächlich den Vater gesehen (Joh 14,9). Desgleichen gilt, dass, wenn Christus das Bild des unsichtbaren Gottes ist (Kol 1,15), jeder, der ihn gesehen hat, Gott gesehen hat.

Anwendung

Wir glauben an einen unsichtbaren Gott. Wir wandeln momentan noch im Glauben und nicht im Schauen (2. Kor 5,7). Viele werden uns deswegen für verrückt halten. Doch lasst uns heute noch einmal mit Hoffnung erfüllt werden, dass die Zeit kommen wird, wenn wir Gott sehen werden, wie er ist (1. Joh 3,2). Wenn wir ein reines Herz von Gott bekommen haben, dann können wir uns glückselig preisen, denn wir werden Gott schauen (Mt 5,8). Wir dürfen uns darauf freuen einst die „visio beatifica“ (=seligmachende Schau) zu erhalten, wenn wir Sein Angesicht sehen (Offb 22,4).

Lebe heute in der Vorfreude auf dieses Ereignis, deinem Gott, deinem Heiland und Retter und deinem gütigen Herrn in Seine liebevollen Augen schauen zu dürfen, den du auf dieser Erde zwar nie sehen wirst, an den du jedoch glauben darfst. Unserem Gott sei die Ehre dafür.