Andachten

Onesiphorus – Ein treuer Mitarbeiter

„Der Herr gebe dem Haus des Onesiphorus Barmherzigkeit, denn er hat mich oft erquickt und sich meiner Ketten nicht geschämt; sondern als er in Rom war, suchte er mich eifrig und fand mich.“‭‭ (2. Timotheus‬ ‭1,16.17)

Als Paulus den 2. Timotheusbrief schreibt, befindet er sich in seiner zweiten Gefangenschaft in Rom, sodass man davon ausgehen kann, dass er diesen Brief unmittelbar vor seinem Tod an Timotheus geschrieben hat. Somit gehört dieser Brief zu den letzten Schriften des Paulus, die uns übermittelt wurden. Man ist also zu recht gespannt und neugierig auf den Inhalt des Briefes, denn bekanntlich gehören die letzten Worte eines Menschen vor seinem Tod zu denen, welchen besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte.
Dieser Brief enthält unter anderem viele Ermahnungen und Aufforderungen, die den Timotheus ermuntern und dazu anspornen sollten, an den Dingen festzuhalten, die ihn Paulus gelehrt hatte. Doch Paulus schreibt auch von der schwierigen Situation, in der er sich befindet und es tut einem richtig weh zu lesen, dass viele seiner Mitarbeiter sich von ihm abgewandt haben. Paulus schreibt in den vorangegangenen Versen, dass sich alle aus der Provinz Asia von ihm abgewandt haben und in Kapitel 4, dass es unter seinen Mitarbeitern auch solche gab, die den jetzigen Zeitlauf liebgewonnen und den Paulus deshalb verlassen hatten.

Es steht hier nicht genauer beschrieben, warum sich diejenigen aus der Provinz Asia von Paulus abgewandt haben. Vielleicht wollten sie nicht mit einem politischen Gefangenen in Verbindung gebracht werden. Vielleicht hatten sie Angst um ihre Sicherheit, wenn sie weiterhin den Kontakt zu Paulus aufrecht erhalten würden oder vielleicht schämten sie sich auch dafür, dass Paulus im Gefängnis in Ketten saß.
Nicht so Onesiphorus, der hier als ein leuchtendes Beispiel für alle diejenigen hingestellt wird, die den Brief damals auch zu lesen bekamen. Dieser Mann muss wirklich ein treu und hingebungsvoll dienender Mitarbeiter im Reich Gottes gewesen sein, denn es wird nicht nur von ihm berichtet, dass er sich der Situation des Paulus nicht geschämt hätte, sondern dass er sich auch persönlich aufmachte, um Paulus in Rom zu suchen. Und das war kein oberflächliches Nachfragen bei anderen Christen, ob sie vielleicht wüssten wie es dem Paulus ginge, sondern er suchte eifrig nach dem Gefangenen, bis er ihn fand. Er schreckte nicht zurück, als es gefährlich wurde, sondern nahm Anteil an der Not des Paulus.

Dieser Onesiphorus soll uns heute auch ein Beispiel dafür sein, wie wir mit unseren geistlichen Geschwistern umgehen, die in Nöten sind. Berührt uns die Notlage anderer Christen, ob im Inland oder Ausland? Kümmern wir uns um sie und zeigen wir ihnen auch, dass wir Interesse an ihrem Leben haben, indem wir ihnen helfen, egal wie diese Hilfe auch aussehen mag? Onesiphorus hat sich nicht nur nach dem Wohlergehen des Paulus erkundigt, sondern er machte sich auf, suchte eifrig nach ihm und erquickte ihn. Unser Gebet sollte es sein, dass Gott uns immer mehr zu solchen Menschen umgestaltet, die ein Auge für die Not des Nächsten haben, die ein aufrichtiges Interesse am Leben anderer Christen zeigen und die dann dazu beitragen, dass die Nöte gelindert und die betroffenen Personen erquickt werden.