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Buchbesprechung: Die Hungersnot

„Ein leidenschaftlicher Ruf nach Auslegungspredigt.“ So lautet der Untertitel dieses packenden Buches von Steven J. Lawson. Ebendieser ist Pastor in der Christ Fellowship Baptist Church in Mobile, Alabama sowie Dozent am Master’s Seminary.

Inhalt

Lawson verweist zu Beginn des Buches auf eine Hungersnot welche in den evangelikalen Gemeinde vorherrscht. Darin sieht er eine Dringlichkeit, die frühere Herrlichkeit der Kanzel vergangener Generationen wiederherzustellen, indem das Wort Gottes in Wahrheit und furchtlos verkündigt wird. Klare Lehre, eindeutige Theologie und Anwendungen für die Gemeinde, die Herzen bewegen, sind Gegenstand des Mangels, dem es entgegenzuwirken gilt.
In vier Kapiteln erörtert der Autor, wie diesem Missstand mittels der bibelzentrierten Predigt entgegengewirkt wird.

1. Der Vorrang der biblischen Predigt

In diesem Kapitel betont Lawson die primäre Aufgabe, die Verkündigung aus dem Worte Gottes zu beziehen. Als Paradebeispiel des in der Schrift verwurzelten Inhalts einer Predigt dient hierbei die Botschaft des Stephanus in Apostelgeschichte 7,3-50, in welcher er sich 11x auf Zitate, Berichte und Erfahrungen im Alten Testament stützte, um kontinuierlich und lückenlos den Heilsplan Gottes darzulegen.
Im Gegenzug dazu wird von den meisten evangelikalen Kanzeln Milchbrei verkündigt, welcher oberflächlich und seicht in den Ohren träger Zuhörer kitzelt. Der Autor betont dabei am Beispiel der Apostel klar, wie diese sich nicht zurück nahmen und sich auch nicht schonten, um Gottes durchdringende Kraft mittels der Predigt wirksam in die Herzen der Zuhörer zu dringen.

Auf Basis von Kolosser 3,16 zieht Lawson daraus das Resumee, dass nur eine vom Worte Gottes ernährte Gemeinde auch eine wirklich anbetende Gemeinde sein kann.

2. Die Kraft der biblischen Predigt

Weiter geht der Autor auf die Wirksamkeit der Auslegungspredigt ein, welche das von Gott bevorzugte Transportmittel zur Wiedergabe biblischer Wahrheit ist. Anhand von Jona 3,1-10 zeigt er in vier Schritten die Vorgehensweise biblischen Predigens auf: Jona predigte mutig, unwiderstehlich, konfrontierend und gottzentriert.
Die Folge daras war eine umfängliche kollektive Buße Ninives! Hierzu zitiert er den Autor C. H. Spurgeon, in dem dieser sagte:

Ich erwarte keine anderen Mittel zur Bekehrung von Menschen, die über das einfache Predigen des Evangeliums und die Öffnung menschlicher Ohren, es zu hören, hinausgehen. In dem Augenblick, in dem die Gemeinde Gottes die Kanzel missachtet, wird Gott auch sie missachten. Stets hat es dem Herrn gefallen, seine Gemeinden während des Dienstes am Wort zu erwecken und zu segnen.

3. Das Muster der biblischen Predigt

Lawson bezieht sich nun ausgiebig auf das Verhaltensmuster Esras, welches wie folgt beschrieben wird:

„Denn Esra hatte sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des HERRN zu erforschen und zu tun und in Israel die Ordnung und das Recht des HERRN zu lehren.“ (Esr 7,10) Gemäß dieses dreigliedrigen Musters aus dem Leben Esras wird aufgezeigt, dass der Prediger in der Verpflichtung steht:

– Gottes Wort ausgiebig, umfangreich und lückenlos zu studieren
– Gottes Wort als Maßstab für das eigene Leben beispielhaft anzuwenden
– Gottes Wort umfangreich und eindringlich zu verkündigen

Letzterer Punkt wird anhand von Nehemia 8,8 untermauert, wo es heißt: „Und sie lasen aus dem Buch, aus dem Gesetz Gottes, abschnittsweise vor und gaben den Sinn an, sodass man das Vorgelesene verstehen konnte.“ In Anbetracht dessen wird der Verküniger klar in die Verantwortung zum auslegenden und verständigen Predigen genommen.

4. Die Leidenschaft der biblischen Predigt

Im letzten Teil des Buches geht Steven J. Lawson auf die wertvollste Berufung des Christen ein: Gottes Wort zu predigen! Dabei zitiert er Martyn Lloyd-Jones wie folgt: „Der Predigtdienst ist die höchste und größte und herrlichste Berufung, zu der man überhaupt berufen werden kann.“

Anhand der Ermutigung des Paulus an seinen geliebten Timotheus (1. Tim 4,13-16) geht der Autor auf die drei Säulen einer sauberen Homiletik ein: Lesung – Ermahnung – Lehre. Hierbei betont er besonders die Ausgewogenheit aller drei Elemente welche ganzheitlich der Auslegungspredigt und dem Verkündiger gesundes Gewicht verleihen:

– Die Predigt muss sich auf einen Text beziehen, welcher vorgelesen wird.
– Die Predigt muss auf Basis des Wortes Gottes so ermahnen, dass sie anwendbar ist.
– Die Predigt muss die Lehre so vermitteln, dass sie auf Gottes Wort zurück zu führen ist.

Abschließend wird Johannes Calvin als herausragendes Beispiel eines leidenschaftlichen Auslegungspredigers genannt, welcher Vers für Vers – ohne Anspruch auf Lieblingsthemen, Wunschtexte und Anwesenheit der Zuhörerschaft – durch die Bibel predigte. Er befand sich in der Auslegungsreihe im Buche Jesaja, als er Ostern 1538 vom Genfer Stadtrat verbannt wurde. Als er drei Jahre später aus dem Exil zurückkehrte, predigte er exakt an der Stelle weiter, wo er vor drei Jahren unterbrechen musste! Später, in der ersten Oktoberwoche 1558, wurde Calvin ernstlich krank und musste acht Monate pausieren. Nach seiner Genesung setzte er widerum exakt da an, wo er einst hatte aufhören müssen!
Calvin galt als ausgesprochener Liebhaber anhaltenden, biblischen Predigens, fortlaufend durch Gottes Wort – weil er von diesem Prinzip biblischer Auslegung überzeugt war!

Fazit

Dieses Buch ist eine hervorragende Ermutigung sowohl für Prediger, welche in die Pflicht genommen werden, Gottes Wort biblisch und textorientiert zu vermitteln, als auch für die Zuhörer, welche aufgerüttelt werden, ihre Ansprüche an eine gesunde Auslegungspredigt zu erhöhen und anbetende Gotteskinder zu werden, die allein aus der Auslegungspredigt Gottes umfangreiche Herrlichkeit und Größe in allen Facetten zu entdecken.