Andachten

Ein Diener in der Krise

Ich allein kann dieses ganze Volk nicht tragen, denn es ist mir zu schwer. Und wenn du so mit mir tust, dann bringe mich doch um, wenn ich in deinen Augen Gunst gefunden habe, damit ich mein Unglück nicht mehr ansehen muss! (4. Mose 11,14.15)

Jeder von uns kennt das Gefühl, vor einer unlösbaren oder zu schweren Aufgabe zu stehen. Man ist überwältigt und empfindet die Umstände als drückende Last. Häufig erscheint einem nichts im Leben mehr als schön, weil alles von bestimmten Umständen, Personen oder anderen Dingen überschattet wird.

Die heutigen Verse stammen von keinem geringeren als Mose. Mose, der Mann, der so viel mit Gott erlebt hatte, der große Wunder vollbrachte, der tagtäglich an der Spitze eines großen Volkes stand und diese führte. Mose zu dem Gott redete wie mit einem Freund, dessen Gesichtshaut durch Gottes Gegenwart strahlte, sodass er sein Gesicht bedecken musste, wenn er mit „normalen Menschen“ sprach, damit diese ihn ansehen konnten. Dieser Mose bricht zusammen unter der Last eines murrenden und störrischen, ungehorsamen Volkes. Er nimmt es Gott übel, ihn mit dieser schweren, ja ihm unmöglich scheinenden Aufgabe betraut zu haben.

Mose bittet Gott, ihm doch gnädig zu sein und ihn lieber zu töten, als ihm diese Umstände noch länger zuzumuten. Dies würde er sogar als Gottes Gunst empfinden, da sein Elend endlich ein Ende hätte. Mose weiß, dass er dem Volk nichts geben kann und er weiß, dass ihm die Last der Verantwortung zu schwer ist. Dass Gott die ganze Last des Volkes auf ihn gelegt hat, bezeichnet er als schlechte Behandlung von seiten Gottes (Verse 11-13).

Gott hätte allen Grund gehabt Mose scharf zurechtzuweisen, wie er es zu Beginn seiner Berufung tat. Doch nichts dergleichen geschieht. Nein, wieder einmal sehen wir, dass Gott sich wunderbar um seine Diener kümmert, gerade wenn diese meinen, sie seien völlig verlassen und stünden alleine da im Dienst des Herrn. Von allen Seiten werden sie bedrängt und wollen nur noch Frieden (sterben oder den Dienst hinwerfen).

Doch Gott richtet Mose auf und lässt ihn 70 Männer auswählen, die angesehene Personen im Volk waren (Älteste bzw. Aufseher). Gott nimmt vom Geist Moses und gibt diesen Menschen Anteil daran. Von nun an sollen diese Männer Mose beim Tragen der Last helfen, „damit du sie nicht mehr allein tragen musst“ (Vers 17b).

Unser Gott ist der beste Herr. In seinem Dienst zu stehen, bedeutet auch in schwierigen Zeiten, wenn die Last des Dienstes uns zu erdrücken droht, seine Fürsorge zu erfahren. Mose wiederholt seine Bitte um einen Gnadentod nicht wieder. Er hat seine Lektion gelernt: Gott mutet ihm den Dienst nicht nur zu, er gibt auch die Kraft zum Tragen und stellt treue Leute an unsere Seite, die uns tragen helfen.

Wie viel mehr dürfen wir das in der Gemeinde der Kinder Gottes erleben? Als Christen dürfen wir uns gegenseitig stützen und ermutigen, sowie einander unter die Arme greifen, wenn der Andere eine schwere Zeit durchmacht. Wir stehen im Dienst des besten Herrn. Egal wie unsere Umstände derzeit sind, Gott wird sowohl Kraft als auch Gnade geben zum Ertragen. Manchmal wird er auch Menschen schicken, die uns entlasten. Auf jeden Fall wird er handeln wenn wir nicht mehr können, denn wo unser Vermögen am Ende ist, fangen Gottes Pläne häufig erst richtig an.