Andachten

Die Herrlichkeit des Christus (3): Voller Gnade und Wahrheit

​Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Johannes 1,14)

Die Herrlichkeit des fleischgewordenen Wortes, Jesus Christus, besteht zum einen in seiner Gnade, aber auch in seiner Wahrheit. Jesus trägt alle göttlichen Eigenschaften, über die die Bibel spricht – er hat sie nicht einfach verloren, als er Mensch geworden ist. Die Gottgleichheit, die er gemäß Philipper 2,6 aufgegeben hat, bezieht sich auf seine himmlische Herrlichkeit, deren Anblick etwa einen Apostel Johannes “wie tot” umfallen ließ (vgl. Offb. 1,17). Somit lässt sich über den Charakter Jesu auch folgendes sagen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. (1. Joh 1,5); Alle Reden Gottes sind geläutert; er ist ein Schild denen, die ihm vertrauen. (Spr 30,5) Er ist der „Gott, der nicht lügen kann.“ (vgl. Tit 1,2).

Jesus Christus war in seinem Leben auf der Erde und ist auch noch völlig wahrhaftig und rechtschaffen. Er hat niemals eine Sünde einfach entschuldigt oder über das Böse hinweggesehen. Das wird an vielen Schlüsselstellen deutlich, wo Jesus sündigen Menschen begegnet, z.B. der Ehebrecherin in Johannes 8. Er zeigt unverdiente Gnade (gemäß dem mosaischen Gesetz hätte sie für ihren Ehebruch gesteinigt werden sollen). Eine wunderbare Sache, diese Gnade – manche Menschen missbrauchen diese Schriftstelle um darzulegen, dass es Jesus nicht so sehr auf die Sünde ankomme, sondern vielmehr darauf, dass wir den Nächsten nicht verurteilen sollen. Doch was passiert nachdem er die Frau von ihren Anklägern gerettet hat? Er sagt zu ihr: “Geh hin und sündige nicht mehr!” (Joh 8,11). Und auch die Ankläger gehen, von ihrer eigenen Sündhaftigkeit überführt, vom Ältesten bis zum Jüngsten, davon.

Jesus zeigt Gnade, indem er die Wahrheit sagt. Die Wahrheit ist schmerzhaft, sie enthüllt demütigende Bereiche unseres Lebens, sie zwingt uns in die Knie und zeigt, dass wir als sündige Menschen vor dem heiligen Gott nicht bestehen können. Die Wahrheit ist nicht beliebt; sie ist wie ein Schwert, das Menschen entzweit (vgl. Mt 10,34). Jedoch zeigt sich wahre Gnade und Liebe daran, dass man den Menschen die Wahrheit sagt. Denn schlussendlich führt der Weg der Wahrheit, wenn auch über einen schmerzhaften Weg, zum Guten. Dieser Weg, durch den Jesus Christus die Gnade mit der Wahrheit verband, ist ausgesprochen herrlich und wert, betrachtet und gepriesen zu werden.

Anwendung

Wir müssen in Anbetracht der Herrlichkeit Christi in diesem Aspekt zu dem Schluss kommen, dass es uns an einem aufrichtiger Umgang mit uns selbst (mit eigenen Sünden) aber besonders auch mit unseren Mitmenschen fehlt. Doch wir dürfen, indem wir auf ihn blicken, verändert werden und uns ebenfalls von Gnade und Wahrheit durchdringen lassen, denn diese beiden Dinge braucht eine verlorene Welt, wie auch unser Umfeld, in welches Gott uns hineingestellt hat.

Wo verschweigen wir Dinge gegenüber Mitmenschen (sei es das Evangelium oder unangenehme Dinge wie Schuld, Ermahnungen, etc.), die sie hören müssten? Räumen wir mit dem Trugschluss auf, es sei Liebe, die uns dazu treibt, die Wahrheit zu verschweigen oder zu kürzen.