Gelesen

Buchbesprechung: Streben nach Gottseligkeit

Autor

Jerry Bridges war ein sehr erfolgreicher Autor und Konferenzsprecher. Er war über 50 Jahre lang bei den Navigators, einem internationalen Netzwerk, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Evangelium durch Jüngerschaft zu verbreiten, als Vizepräsident tätig und kam über dieses Netzwerk mit der US Navy in Kontakt, wo er einige Jahre das Evangelium verkündete. Er war außerdem ein treuer Diener im Reich Gottes. Gott formte ihn durch schwere Schicksalsschläge, wie z.B. den Tod seiner Ehefrau, zu einem gottseligen Menschen.

Inhalt

Das Thema dieses Buches ist das Anziehen des neuen Menschen, während es in Bridges’ vorigem Buch (Streben nach Heiligung) um das Ausziehen des alten Menschen geht. Somit versteht sich dieses Werk als weiterführendes Buch, es lässt sich aber auch sehr gut isoliert lesen. In 18 Kapiteln werden zunächst grundlegende Fragen zum Thema Gottseligkeit (Bedeutung und Wesen der Gottseligkeit und Hingabe) geklärt und dann der Reihe nach die Früchte des Geistes und andere christliche Charaktereigenschaften (Demut, Genügsamkeit, Dankbarkeit und Heiligkeit) behandelt.

Im dritten Kapitel z.B. legt der Autor die Aufforderung aus 1. Timotheus 4,7 aus: “… übe dich aber in Gottseligkeit.” Er zeigt auf, dass der Veränderungsprozess unseres Charakters zwar von Gott gewirkt wird, dass dies aber kein Grund zum Zurücklehnen ist. Vielmehr erfordert dieses Streben eine Disziplin zum Training, wie bei einem sportlichen Wettkampf und auch eine professionelle Trainerbetreuung, den Heiligen Geist. “Das Wort trainieren legt eine dauernde, unermüdliche, schonungslose Anstrengung nahe.” (S. 34) Auf den Seiten 37-45 legt er dar, wie man mit dem Wort Gottes, das eine sehr zentrale Rolle in unserem geistlichen Wachstum spielt, umgehen soll. Er erklärt dabei fünf Methoden: Hören, Lesen, Studieren, Auswendig lernen und Nachsinnen.

Im nächsten Kapitel kommt der Autor auf die praktischen Elemente echter Hingabe zu sprechen: Gebet um Wachstum, Nachsinnen über Gottes Wesen (z.B. über seine Heiligkeit anhand von Jesaja 6), die Anbetung (gemeint ist der Lobpreis), Gemeinschaft mit Gott und Gehorsam. Letzteres ist für ihn die Nagelprobe für Hingabe. Ein Gott hingegebener Mensch lebt in dem Bestreben, Gott in allem zu gehorchen. Dies alles lässt die Sehnsucht nach Gott immer tiefer werden (vgl. Jes 26,9). Bridges gibt neben der Erklärung dieser Elemente auch sehr praktische Hinweise aus seiner eigenen Erfahrung weiter und beschreibt z.B. wie er seine Stille Zeit gestaltet und wie diese Elemente darin Anwendung finden.

Er stellt im fünften Kapitel (Das Wesen Gottes kennenlernen) auch das rechte Motiv, eine gottzentrierte Hingabe, falsche Motiven, wie ein siegreiches Leben zur Selbstbestätigung oder Rechtfertigung vor anderen, gegenüber. Die Befähigung zu einem gottgefälligen Leben kommt vom auferstandenen Christus. Auf eine gut verständliche und praktische Art und Weise behandelt der Autor auch die Ausgewogenheit zwischen Ablegen und Anziehen und zwischen persönlicher Verantwortung und völliger Abhängigkeit.

Im achten Kapitel spricht der Autor die Zentralität des Themas Dankbarkeit an und die menschliche Neigung zur Undankbarkeit. Die Natur des Menschen ist die, das er lediglich nimmt aber nicht für das Empfangene dankt. (S. 112) Nachdem er ausgeführt hat, welchen Zweck die Dankbarkeit hat und wie ein dankbares Herz kultiviert werden kann, gibt er erneut einige praktische und nützliche Hinweise aus seinem Leben weiter.

Besonders angesprochen hat mich das elfte Kapitel über die Selbstbeherrschung. Der Leitvers dazu vergleicht den Mann ohne Selbstbeherrschung mit einer aufgebrochenen Stadt ohne Mauer (Spr 25,28). Selbstbeherrschung, die sowohl in der Gedanken-, in der Handlungs- und Gefühlswelt erforderlich ist, umfasst zwei Bereiche: Enthaltsamkeit (oder „innere Kraft“) und Besonnenheit (oder „gesundes Urteilsvermögen“). Mit letzterem fängt die Selbstbeherrschung an. Ohne vernünftig urteilen zu können was gut und was böse, was erbauend und was zerstörend ist, kann man nicht selbstbeherrscht leben. Doch ohne die „inner Kraft“ der Enthaltsamkeit, um die wir Gott anhaltend bitten müssen, nützt uns auch die Besonnenheit nichts.

Im siebzehnten Kapitel geht es um die Königsdisziplin des christlichen Charakters. Wie bei allen anderen Kapiteln arbeitet sich der Autor sauber an biblischen Texten vor, legt diese solide und treu aus, und schmückt das Kapitel mit Beispielen aus seinem eigenen Leben. Er erklärt auch die besondere Relevanz der Liebe, die sich darauf gründet, dass Gott in seinem Wesen Liebe ist (vgl. 1. Joh 4,8) und wir seine Nachahmer sein sollen. Die Liebe Gottes ist uns in vielerlei Hinsicht ein Vorbild, denn sie zeigt uns bedingungslose Vergebung, indem Gott seinen Sohn Jesus Christus an unserer Stelle strafte. Außerdem ist die Liebe aktiv, nicht nur passiv. Sie erduldet nicht nur, sondern handelt. “Biblische Liebe ist mehr als ein Gefühl, sie ist eine Herzenshaltung und eine Handlungsweise zum Allgemeinwohl, ob die Gefühle dabei mitspielen oder nicht.” (S. 235)

Das Buch schließt mit dem Thema: Das Ziel erreichen. Dabei geht es um die Frage der Motivation. Bridges führt einen Vers 7 aus 2. Timotheus 4 an: “Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt.” Anhand verschiedener anderer Schriftstellen zeigt er auf, dass es zum einen die rechte Motivation ist, die uns auf dem Weg des Strebens nach Gottseligkeit vorantreibt, und zum anderen die Verheißung einer himmlischen Belohnung. Die rechte Motivation erklärt Bridges anhand von Philipper 3,12-14. Paulus jagte danach, das zu ergreifen, wovon er durch Christus ergriffen war: Vollkommenheit. Er scheute keine Anstrengungen und Opfer, um auf dieses Ziel hinzuleben, wie ein Olympiaathlet. Dies soll das Ziel eines jeden Christen sein: Um des Namens Gottes willen, sein Bestes zu geben und der Gottseligkeit nachzustreben, die “zu allen Dingen nütze” ist.

Verschlagwortet mit