Essays

Eine Bewertung der Einwände gegen das Lehrverbot für Frauen

Kürzlich hatte ich folgende Ausarbeitung für den Unterricht des ersten Timotheusbriefes zu erledigen, deren Erträge ich hiermit teilen möchte.

 

Frauenordination ist in unseren Tagen schon längst keine Besonderheit mehr. Zahlreiche Pastorinnen, weibliche Bischöfe, Frauen in der Position eines Ältesten leiten heutzutage viele Kirchen und Gemeinden. Immer häufiger bekommt man im Fernsehen und anderen Medien wie YouTube Predigten von talentierten Predigerinnen zu sehen und die große Masse ist zufrieden und glücklich damit. Es ist auch in einer Gesellschaft, in welcher Gleichberechtigung an die große Glocke gehängt wird undenkbar, dass Frauen von einem solchen Dienst oder von einer solchen Berufung ausgeschlossen werden sollten. Viele konservative Theologen würden behaupten, dass diese Entwicklung völlig unvereinbar mit der Bibel ist und jede Pastorin in starkem Konflikt mit dem Zeugnis der Heiligen Schrift stehen muss. Ein augenscheinlich ziemlich deutlicher Text, der gegen jegliche Art von Frauenordination spricht ist 1. Tim 2,11-15. Im Folgenden sollen nun häufige Einwände, die gegen das Lehrverbot der Frauen erhoben werden, dargelegt und bewertet werden.

 

Eine Frau lerne in der Stille in aller Unterordnung. Ich erlaube aber einer Frau nicht zu lehren, auch nicht über den Mann zu herrschen, sondern ich will, dass sie sich in der Stille halte, denn Adam wurde zuerst gebildet, danach Eva; und Adam wurde nicht betrogen, die Frau aber wurde betrogen und fiel in Übertretung. Sie wird aber durch das Kindergebären hindurch gerettet werden, wenn sie bleiben in Glauben und Liebe und Heiligkeit mit Sittsamkeit. (1. Tim 2,11-15)

 

Der erste Einwand, der hier betrachtet und bewertet werden soll ist bibelkritischer Art. Es wird schlicht unterstellt, dass die Pastoralbriefe und somit auch der erste Timotheusbrief nicht von Paulus stammen. Dieser Brief sei von einem „Pseudo-Paulus“ geschrieben worden[1], welcher zwar Paulus schätzte, ihm jedoch zugleich widersprach. Somit wird das Lehrverbot für Frauen durch das Absprechen der paulinischen Verfasserschaft dieses Briefes ausgehebelt. Diesem Einwand sei das Selbstzeugnis des 1. Tim über seine Verfasserschaft entgegengehalten (1. Tim 1,1), sowie die Tatsache, „dass Pseudepigraphie in der Antike allgemein, vor allem aber im frühen Christentum mit seinem hohen Wahrheitsethos ans unakzeptabel galt“[2].

Ferner möchten einige auf Gal 3,28 verweisen, da dort Paulus scheinbar deutlich macht, dass jegliche Unterschiede zwischen Mann und Frau aufgehoben seien. Daher müsse das Lehrverbot für Frauen für ungültig erklärt werden. Doch hier sei angemerkt, dass es hier nicht darum geht, dass Männer und Frauen nun die gleichen Aufgaben zuteilwerden sollten. Es geht in diesem Vers um die Rechtfertigung des Sünders und hierbei ist weder Mann noch Frau, weder Knecht noch Freier ausgenommen – alle werden aufgrund von Gnade durch den Glauben gleichermaßen gerechtfertigt.[3]

Ein dritter Einwand, der erhoben wird ist die Behauptung, dass das Lehrverbot von Paulus kontextuell auf die spezielle Situation in der Gemeinde zu Ephesus erteilt wurde. Um zu vermeiden, dass gewisse Frauen öffentlich Irrlehren verbreiteten, was scheinbar eine Gefahr in der Gemeinde in Ephesus war, verbot Paulus speziell diesen Frauen in dieser Gemeinde das Lehren, hatte aber eigentlich nie im Sinn ein allgemeines, zu allen Zeiten gültiges Lehr- und Leitverbot der Frauen im Sinn. Hierauf ist zu erwidern, dass es im ersten Timotheusbrief selbst keinen klaren Hinweis darauf gibt, dass Frauen tatsächlich falsche Lehren gelehrt hätten.[4] Überdies spricht Paulus nicht bestimmte Frauen an, sondern sagt klar und deutlich: „Ich erlaube aber einer Frau nicht, zu lehren, auch nicht, dass sie über den Mann herrscht. Und schließlich ist die Begründung, die Paulus für das Lehrverbot anführt, nicht die, dass falschen Lehren durch Frauen in der Gemeinde Einhalt geboten werden soll, sondern Paulus begründet sein Verbot mit der Schöpfung und dem Sündenfall (V. 13-14). Diese Gründe sind weiterhin gültig.

Des Weiteren wird die Behauptung aufgestellt, die Frauen seien im ersten Jahrhundert nicht gebildet genug gewesen und folglich stellte Paulus das Lehrverbot für Frauen aufgrund mangelnder Qualifikation der Frauen von damals auf. Hier ist dasselbe zu entgegnen, was schon dem vorigen Einwand entgegengehalten wurde, nämlich, dass diese Begründung nicht im Text zu finden ist, sondern eine ganz andere: der Hinweis auf die Schöpfung (1. Tim 2,13-14). Wir dürfen nicht einfach ein Argument auf dem Grund basieren lassen, „den Paulus nicht angab, anstatt auf dem Grund, den er angab“.[5] Zudem finden wir im Neuen Testament keinen Hinweis darauf, dass eine spezielle Ausbildung von Lehrern in der Gemeinde gefordert wurde, was diesen Einwand ebenfalls hinfällig werden lässt.

Ein fünfter Einwand möchte geltend machen, dass der Nachdruck des Neuen Testaments viel weniger auf der Frage nach der Autorität der Leiterschaft liegt, als auf der Frage nach der Dienstbereitschaft. Dass auf Autoritätsstrukturen Wert gelegt wird, sei eher ein heidnisches Anliegen.[6] Als Antwort darauf kann man auf Jesus verweisen, welcher zwar der Diener schlechthin ist, der allerdings auch eine hohe Autorität innehat. Er ist das Haupt der Gemeinde (Eph 5,23) und der Oberhirte (1. Petr 5,4). Gleichermaßen hatten auch die Apostel eine gewichtige Autorität und Paulus lehrte schließlich, dass es Älteste und Hirten in einer Gemeinde geben soll, die eine gewisse Autorität in der Gemeinde ausüben sollen.

Sechstens wird versucht anhand von Römer 16,7 zu beweisen, dass es eine weibliche Person unter den Aposteln gegeben habe. Dort fordert Paulus die Gemeinde auf, Grüße an Junia zu übermitteln, die „unter den Aposteln angesehen“ ist (Röm 16,7). Wenn es also eine weibliche Apostelin gab, so müsse das Lehr- und Leitverbot für Frauen abgelehnt werden. Dass dieses Argument völlig unzureichend ist, sollen die folgenden zwei Bemerkungen zeigen. Zunächst ist es nicht einmal gesichert, ob in diesem Vers tatsächlich eine weibliche Person angesprochen wird und nicht etwa eine männliche Person namens Junias. Diese Möglichkeit besteht durchaus und wird auch in einigen Bibelübersetzungen so wiedergegeben (Schl 2000, Elb). Des Weiteren geht aus der Formulierung nicht eindeutig hervor, dass Junia(s) wirklich eine(r) von den Aposteln war. Der Satz kann genauso gut bedeuten, dass Junia(s) gewisses Ansehen im Apostelkreis genießt, aber selbst nicht zum Apostelkreis gehört. Dieses Argument bietet einen viel zu wackeligen Boden, um darauf die Meinung aufzubauen, dass das Lehrverbot für Frauen nicht (mehr) gelte.

Siebtens behaupten feministische Ausleger häufig, dass das griechische Verb „authenteo“, welches in den meisten Bibeln mit „herrschen“ wiedergegeben wird eigentlich „Gewalt anfachen“, „überheblich sein“ oder „Autorität an sich reißen“ bedeutet.[7] Paulus‘ Verbot richtet sich folglich nur gegen die herrschsüchtigen Frauen, die Macht missbrauchen wollen und sich über andere männlichen Lehrer erheben wollen und nicht gegen das Lehren bzw. Ausüben von Autorität an sich. Dass dieses Wort so übersetzt werden sollte, ist jedoch nicht korrekt. Verschiedene Sprachwissenschaftler konnten bestätigen, dass authenteo mit „Autorität ausüben“ übersetzt werden muss, da es sonst nicht in den grammatikalischen Zusammenhang und den gesamten Kontext passen würde.[8]

Schließlich verweisen noch einige auf eine gewisse biblische Person namens Priscilla, welche scheinbar auch die Tätigkeit des Lehrens ausübte. In Apg 18,26 erfahren wir, dass Priscilla zusammen mit ihrem Mann Aquila einem gewissen Apollos „den Weg Gottes“ genauer auslegten. Dass man allerdings ausgehend von dieser Stelle zu dem Schluss kommt, dass Frauen gleichsam berechtigt sind Lehrautorität in der Gemeinde auszuüben ist unzulässig. Frauen haben zwar offensichtlich einige Bereiche, in denen sie die ihre Begabung des Lehrens einsetzen können wie z.B. bei anderen Frauen (Tit 2,4) oder auch bei der Kindererziehung. Und es ist offensichtlich in Ordnung, dass Frauen in privaten Gesprächen mit anderen, auch mit Männern, gewissermaßen eine Lehrfunktion einnehmen können. Doch ist das noch längst kein Grund, um das Lehr- und Leitverbot für Frauen aus 1. Tim 2,11-15 auszuhebeln.

 

Wir können abschließend festhalten, dass die Einwände, die gegen das Lehrverbot der Frauen erhoben werden schlicht und ergreifend unzureichend sind. Jeglicher Versuch dieses Gebot als kulturell bedingt abzutun widerspricht dem biblischen Text. Paulus begründet seine Anordnung, die er der Gemeinde erteilt, mit der Schöpfung und dem Sündenfall und bekräftigt dadurch, dass dieses Gebot zeitlos ist und universell gilt. Es scheint, dass jegliche Einwände, die erhoben werden, nur aus dem Grund vorgebracht werden, weil es den eigenen Vorstellungen nicht entspricht. Es ist wohl für viele an der Zeit, sich die Frage zu stellen, ob man selbst bereit ist, seine Vorstellungen aufzugeben und der Bibel anzupassen, oder ob man die Bibel in sein Weltbild und seine eigenen Sichtweisen hineinpresst. Die Bibel scheint hier deutlich, hell und klar zu sein und wir täten gut daran, es dabei zu belassen und uns immer wieder unter ihre Wahrheit zu beugen.

 

 

Literaturverzeichnis

Grudem, Wayne. 2013. Biblische Dogmatik: eine Einführung in die systematische Theologie. Dt. Ausg. Theologisches Lehr- und Studienmaterial des Martin Bucer Seminars 29. Hamburg: Arche-Medien, Verl. des Gemeinde und Missionswerkes Arche.

Piper, John, Hrsg. 2008. Die Rolle von Mann und Frau in der Bibel: zweimal einmalig – eine biblische Studie. 3L – Lesen, Lernen, Leben. Friedberg: 3L-Verl.

Stadelmann, Helge. 2006. Evangelikales Schriftverständnis – Die Bibel verstehen – Der Bibel vertrauen. 2. Auflage. Hammerbrücke: jota Publikationen GmbH.

Strauch, Alexander. 2001. Die Revolution der Geschlechter: Gottes Plan für Mann und Frau. 1. Aufl. Bielefeld: CLV, Christliche Literatur-Verbreitung.

 

[1] (Piper 2008, 222)

[2] (Stadelmann 2006, 352)

[3] (Stadelmann 2006, 346)

[4] (Grudem 2013, 1041)

[5] (Grudem 2013, 1041)

[6] (Grudem 2013, 1046)

[7] (Strauch 2001, 97)

[8] (Strauch 2001, 98)