Andachten

Die Gewinn- und Verlustrechnung des Paulus (Teil 1/2)

Wenn irgendein anderer meint, auf Fleisch vertrauen zu können – ich noch mehr: Beschnitten am achten Tag, vom Geschlecht Israel, vom Stamm Benjamin, Hebräer von Hebräern; dem Gesetz nach ein Pharisäer; dem Eifer nach ein Verfolger der Gemeinde; der Gerechtigkeit nach, die im Gesetz ist, untadelig geworden. (Philipper 3,4-6)

In diesem Abschnitt des Philipperbriefs gewährt uns Paulus einen tiefen und ehrlichen Einblick in seine persönliche Gewinn- und Verlustrechnung, die er aufstellt, um den Christen in Philippi zu verdeutlichen, dass sie keine anderen Voraussetzungen, wie z.B. die Beschneidung erfüllen müssen, um das ewige Leben zu erben, wie es offensichtlich von einigen Irrlehrern in der Gemeinde gepredigt wurde, sondern, dass es alleine auf den Glauben an Jesus Christus und die Erkenntnis seiner Herrlichkeit ankommt. Um den Gläubigen diese Tatsache vor Augen zu führen, benutzt Paulus eine Gegenüberstellung seines alten und neuen Lebens. Wie sah dieses alte Leben aus?

Das alte Leben – nichts als Dreck
In den Versen 5 und 6 listet Paulus die Dinge auf, dessen sich ein Jude zu der damaligen Zeit hätte rühmen können. Paulus wurde am achten Tag beschnitten – er war ein Jude von Geburt und nicht als Heide später zum Judentum konvertiert. Dazu kommt, dass Paulus vom Geschlecht Israels war und aus dem Stamm Benjamin kam – er gehörte zu dem Volk, das Gott sich auserwählt hatte und zu dem Stamm, aus dem der erste König Israels stammte. Paulus war ein Hebräer von Hebräern und dem Gesetz nach ein Pharisäer – er gehörte zu den Juden, die an ihrer Sprache, ihren Sitten und Gebräuchen festgehalten hatten und war in den Heiligen Schriften von Gamaliel unterrichtet worden, wie wir an anderer Stelle erfahren (vgl. Apg 22,3). Doch damit noch nicht genug, denn Paulus war der Gerechtigkeit nach, die im Gesetz ist, untadelig geworden – auch wenn das nicht bedeutet, dass Paulus nie eine Sünde tat, zeigt Paulus hier dennoch auf, dass er für seine Sünden die Opfer darbrachte, die das Gesetz von einem Juden verlangte und er somit dem Gesetz nichts schuldig blieb. An diesem Leben des Paulus war menschlich gesehen rein gar nichts auszusetzen. Doch wie wir nächste Woche sehen werden, kommt Paulus am Ende, nachdem er alles sorgfältig zusammengezählt hat, zu dem Ergebnis, dass diese Dinge keinen Wert haben, dass sie nichts als Dreck sind. Diese Dinge haben im Hinblick auf die Ewigkeit keine Bedeutung.

Was würde bei uns unter dem Strich stehen, wenn wir Bilanz ziehen würden? Von welchen Dingen erhoffen wir uns Sicherheit im Bezug auf die Ewigkeit? Ist es vielleicht wie bei Paulus unsere Herkunft, weil wir in einer Familie des „christlichen Abendlandes“ aufgewachsen sind, als kleines Kind getauft wurden und zu Weihnachten und Ostern in die Gemeinde oder Kirche gehen? Sind wir, wie Paulus der Meinung, dass Gott mit unserem Leben zufrieden sein muss, weil wir genügend Werke vorzuzeigen haben, wie z.B. Spenden für wohltätige Zwecke oder die Tatsache, dass man ja noch nie so eine schlimme Sünde getan hat, wie jemanden umzubringen? Fühlen wir uns darin zusätzlich bestätigt, weil wir von den Menschen als gut angesehen werden?
Zu welchem Urteil kommst du, wenn du dein Leben betrachtest und, was noch viel wichtiger ist, welches Urteil wird Gott einmal über dein Leben aussprechen?

Nächste Woche werden wir sehen, zu welchem Ergebnis Paulus kommt, wenn er auch sein neues Leben einer Prüfung unterziehen wird.