Andachten

Verführte Verführer

Böse Menschen und Betrüger aber werden zu Schlimmerem fortschreiten, indem sie verführen und verführt werden. 2. Timotheus 3,13

 

Wen meint Paulus hier, wenn er Timotheus von bösen Menschen und Betrügern schreibt? Am Anfang des dritten Kapitels seines Briefes beschreibt Paulus die Menschen der letzten Tage (die Zeit bevor Jesus wiederkommt, um die ganze Welt und jeden Menschen zu richten). Im Unterschied dazu führt er Timotheus erneut sein eigenes Vorbild vor Augen: Paulus erduldete schwerstes Leid von vielen bösen Menschen und erklärt, dass jeder der gottesfürchtig leben will, verfolgt werden wird. Er ermahnt Timotheus standhaft zu bleiben und seinen anvertrauten Dienst treu auszuüben.

Doch nun zurück zu den Menschen der letzten Zeit. Es ist eine Zeit in der böse Menschen und Betrüger in Massen vorhanden sind. Sie verführen Andere und sind selbst verführt (welche Ironie). Paulus spricht davon, dass die Menschen der letzten Zeit noch zu Schlimmerem fortschreiten werden und nicht „nur“ bei dem bleiben werden, was er von ihnen erdulden musste. Ein erstaunliches Merkmal unserer Tage ist, das alles in Ordnung ist, was nichts mit dem christlichen Glauben zu tun hat. Jede Perversion der Gesetze Gottes, wie Homosexualität, Inzest und Abtreibung (um nur einige zu nennen) sind entweder schon legal, oder es wird offen über eine Legalisierung debattiert. Die Meinungsbildner an Universitäten, in der Politik und den Medien treiben die „Vergottlosung“ unserer Gesellschaft voran. Man ist bestrebt, weitere Formen der Rebellion gegen Gott zu erdenken, in Schulen, im zwischenmenschlichen Zusammenleben und anderen Gebieten. Es gibt nichts mehr, was den Menschen dieser Zeit „heilig“ ist. Bestenfalls wird dieses Wort als Schimpfwort verwendet. Die Menschen beeinflussen sich gegenseitig zur Perfektionierung ihrer Rebellion gegen Gott (sie verführen einander unter dem Deckmantel der Freiheit).

Das tragische dabei ist, dass sich diese Menschen oft nicht einmal bewusst sind, dass sie selbst verführt sind. Verblendet von Meinungsbildnern unserer Gesellschaft, in ständiger Unterdrückung des eigenen Gewissens, stumpfen sie immer mehr ab für eine Wahrheit, die wie ein Damoklesschwert über ihnen schwebt: es sind die letzten Tage! Jesus Christus wird wiederkommen um diese Welt zu richten. Jede Rebellion – und mit ihr die Rebellen – wird vergehen und wird hart bestraft werden von einem Gott, der niemals die Maßstäbe unserer Gesellschaft in seinem gerechten Gericht als Messlatte heranziehen wird.

Wenn wir über diese Dinge nachdenken, könnten wir leicht entmutigt werden. Einige Christen würden es vorziehen, sich vollkommen aus dieser Gesellschaft zurückzuziehen. Doch dies ist nicht unser Weg. Paulus gibt Timotheus neben anderen höchst nützlichen Anweisungen eine Aufforderung mit auf den Weg:

Du aber sei nüchtern in allem, ertrage Leid, tu das Werk eines Evangelisten, vollbringe deinen Dienst! (2. Tim 4,6)

Wir haben in dieser dunklen Zeit eine große Aufgabe: Unseren Dienst zu versehen, der uns von Gott gegeben wurde. Wir sollen evangelistisch tätig sein und Leid erdulden, aber gleichzeitig nüchtern sein um uns nicht ebenfalls in eine Verirrung dieser Welt zu verstricken. Als Christen sind wir die einzigen, die einer relativistischen Gesellschaft wie der unseren noch einen verbindlichen Maßstab vor Augen halten können: den Maßstab Gottes. Wenn wir das nicht tun, dann tut es keiner. Möge Gott uns zu dieser schwierigen Aufgabe neu ausrüsten und stärken, damit wir nicht verzweifeln, sondern trotz der Dunkelheit in dieser Welt unseren Dienst mit Freude versehen, denn: Unser Herr kommt bald!