Andachten

Merkmale eines Gesunden Christen: Belehrbarkeit (3/10)

Denn unser Evangelium war nicht bei euch im Wort allein, sondern auch in Kraft und im heiligen Geist und in großer Gewissheit, wie ihr wisst, was für welche unter euch waren um euretwillen. (1. Thes 1,5)

Die Thessalonicher waren es ähnlich wie wir heutzutage gewohnt, von redegewandten und intellektuellen Menschen umgeben zu sein. Bereits letztes Mal lasen wir davon (2/10), dass Philosophen und Denker der damaligen Zeit die Gesellschaft prägten.
Auch in Titus 1,12 wird ohne Namentliche Erwähnung auf ein Zitat von Epimenides (ein Seher und Vorsokratiker von Kreta) Bezug genommen, mit welchem die Empfänger des Briefes etwas anfangen konnten. Paulus jedoch war anders. Er war ein Mann, der keine besondere Rhetorik aufweisen konnte. Dies bestätigte er auch den Korinthern, denen er schrieb:

Denn das Reich Gottes besteht nicht im Wort, sondern in Kraft. (1. Kor 4,20)

Weiter erwähnt der Arzt Lukas ebenso einen neutestementlichen Christen und Lehrer, der durch seine Belesenheit und seine Artikulation Einklang bei den Menschen fand:

Ein Jude aber mit Namen Apollos, aus Alexandria gebürtig, ein beredter Mann, der mächtig war in den Schriften, […] (Apg 18,24)

Somit war es für Paulus erstaunlich und lobenswert, dass er, ein Mann ohne sonderliche Rhetorik, plötzlich Gehör von der jungen Gemeinde in Thessalonich bekam!
Es erfreute ihn zu sehen, dass die Kraft des Wortes Gottes die Menschen in der Gemeinde veränderte und sie bereitwillig belehrbar waren – ohne gesteigerten Wert auf rhetorische und liturgisch versierte Künste zu setzen.

Das dürfen wir gleichermaßen von den Christen aus Thessalonich lernen und übernehmen!
Ein gesunder Christ ist jemand, der sich belehren lässt. Die Annahme von Belehrung ist hierbei nicht von der Qualität und Rhetorik abhängig, sondern allein vom kraftvollen Inhalt, losgelöst von der Persönlichkeit.

Sicherlich hast du dies auch mal erlebt:
Du wirst für eine Sache von jemandem ermahnt oder zurechtgewiesen. Leider jedoch geschah dies durch den Mund einer Person, welche dir nicht unbedingt zusagt bzw. durch jemanden, wo genügend Material vorhanden wäre, um gleichermaßen zu kontern! Wie sehr dies doch einem den Hals verschnürt, wie abneigend sich doch in einem die Sinne sträuben! Die Belehrung schmerzt, weil sie unweigerlich mit der Person verbunden wird und nicht losgelöst als solche betrachtet wird.
Doch genau das ist der Punkt: Die Wahrheit ist unabhängig von dem, der sie sagt! Genau hier zeigt sich die Belehrbarkeit, ohne auf Person, Stilmittel und Umstand zu achten.
Der geistliche Weg ist es, dies als Belehrung anzunehmen – und Gott dahinter zu sehen! David lebte dies vor, indem er Gott hinter dem Fluchen Schimis sah (2. Sam 16,11) und sonst niemand anderen. Er war belehrbar und sah einen Sinn dahinter!

Ähnlich gehts uns auch im Gottesdienst, wo wir häufig gedankenverloren nur physisch anwesend sind, da die „homiletische Begabung“ des Predigers gänzlich zu wünschen übrig lässt. Zugegeben, es ist schwierig einem unbegabten Prediger konzentriert zu folgen, nichtsdestotrotz sind belehrbare Kinder Gottes gerade auch in solchen Situationen herausgefordert, Belehrbarkeit und Annahme an den Tag zu legen, da Gott auch hierin vermag Sein Wort uns zuteil werden zu lassen!

Dabei sollte auch niemals vergessen werden: Man ist niemals zu alt oder geistlich so gereift, als dass man keine Belehrung mehr nötig hätte!
Jesaja schreibt dies im Vorfeld ausdrücklich ca. 100 Jahre vor der Diaspora des Volkes Israels:

Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte, die Lämmer wird er in seinen Arm nehmen und in seinem Gewandbausch tragen, die säugenden Muttertiere wird er fürsorglich leiten.
(Jes 40,11)
Wir sehen also: Sowohl die kleinen Lämmer (symbolisch für die jüngeren Israeliten) als auch die säugenden Mutterschafe (also die älteren, welche Fürsorge tragen) benötigen stets Korrektur und Belehrung!

Nur ein belehrbarer Christ ist ein biegsames Werkzeug in Gottes Hand, welches in der Kraft des Heiligen Geistes nachhaltig brauchbar ist und im Schmelzofen des Wortes Gottes formbar bleibt.