Andachten

Merkmale eines gesunden Christen: Vorbild sein (5/10)

… so dass ihr allen Gläubigen in Mazedonien und in Achaja zu Vorbildern geworden seid.

(1. Thess 1,7)

Der englische Dichter und Übersetzer Alexander Pope (1688-1744) schrieb einst:
Die Geschichte kennt mehr Vorbilder von treuen Hunden als von treuen Menschen.
Man muss Pope keineswegs idealisieren oder seine weiteren Werke glorifizieren, jedoch hat er hier den Nagel auf den Kopf getroffen.
Auch ein Theologe aus Wuppertal sagte mal zur Dringlichkeit von Vorbildern:
Es fliegen heute keine Adler mehr durch den Kirchenhimmel und deswegen mangelt es dem kleinen Geflügel an einem Maßstab für ihre Größe.

Ganz anders waren die Thessalonicher. Sie werden erneut von Paulus und Timotheus geadelt, indem ihre Vorbildfunktion eindrücklich unterstrichen wird. Sie waren „Adler“ an welchen sich das kleinere Federvieh was abschauen konnte!

Dies ist die vielleicht größte Auszeichnung im gesamten Text! Sie sind nämlich Vorbilder gewesen. Der Kontext gibt vor, dass sie Vorbilder von Christus sind (V. 3).
Was heißt denn Vorbild? Wörtlich heißt es hier typos (Abdruck). Je stärker z.B. das Profil von Schuhsohlen ist oder fettiger die Finger sind, desto heftiger sind die hinterlassenen Abdrücke! So wie Jesus Christus der Abdruck Gottes ist (Joh 10,30) so sind die Christen in Thessalonich Abdrücke Jesu gewesen über die Grenzen Thessalonichs hinaus, bis nach Achaja.
Alles was sie sagten und taten, hätte auch von Jesus kommen können. Ein Prädikat, dem wir nahezu nicht nachkommen und deswegen vielleicht auch zu resignieren scheinen.
Aber die Bibel ermuntert uns, Vorbilder anzuschauen und von ihnen zu lernen:

Gedenkt eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben! Schaut den Ausgang ihres Wandels an, und ahmt ihren Glauben nach! (Heb 13,7)

Seid miteinander meine Nachahmer, Brüder, und seht auf die, welche so wandeln, wie ihr uns zum Vorbild habt! (Phil 3,17)

Wir brauchen Vorbilder! Die Bibel ist voll davon und ermuntert uns auf diese zu blicken. Hierbei ist das Alter und die geistliche Erfahrung nur zweitrangig. Jeder braucht Vorbilder!
Der bekannte und sehr geschätzte christliche Autor William MacDonald (1917-2007) befand sich am weltweit eingeprägten Datum – es war der 11. September 2001 – in Bad Reichenhall. Er wurde neben einer Konferenz interviewt, wobei die Frage auch aufkam: „Welche Bücher liest du neben der Bibel am liebsten?“ Die Antwort von MacDonald kam prompt: „Biografien.“
Die zweite Frage ging in ähnliche Richtung: „Welche Bücher neben der Bibel würdest du jungen Lesern besonders ans Herz legen?“ Auch hier kam die Antwort schlagartig: „Biografien!“ Dabei nannte er einige, u.a. die von Charles Studd und Hudson Taylor.

Ein viel belesener Mann, der über 110 christliche Bücher verfasste und zahlreiche Gemeinden durch seine Auslegungen und Kommentare prägte, schaute zu Vorbildern hinauf, welche Abdrücke durch ihr Leben hinterließen und ihn selbst zum „Vorbild-Sein“ verhalfen.

Vielleicht können wir aber heute durch unser Auftreten ein Abdruck von Jesus sein, der uns Gläubigen soviel Profil gegeben hat, dass wir unmöglich keine Spuren hinterlassen können!

Hast du Vorbilder? Dann hinterlasse doch heute Fuß- und Fingerabdrücke wie diese!

Bedenke: Manchmal müssen aber auch die Rillen der Schuhsohle gereinigt werden, um wieder kräftige Abdrücke hinterlassen zu können…