Gelesen

Predigen zur Ehre Gottes

Autor

Alistair Begg (*1952) ist Senior Pastor der Cleveland Parkside Church in Ohio und als Redner in christlichen Radiosendungen sowie Autor zahlreicher Bücher bekannt. Zudem belegte er kleine Filmrollen in Bobby Jones: Stroke of Genius (2004) und in The Calvinist von John Piper (2013).

Inhalt

James Montgomery Boice (1938-2000, ehem. Präsident der Alliance of Confessing Evangelicals) erklärt in seinem Vorwort, dass sich der heutige Evangelikalismus durch die Aufgabe seines evangelikalen Erbes der Wahrheit in eine falsche Richtung dreht.
Das Buch unterteilt sich in sechs Kapitel, wobei in jedem der Schwerpunkt auf einem anderen Vorteil der Auslegungspredigt beruht.

1. Kapitel: Die Finsternis über der Auslegungspredigt

Der Autor hält es mit J. I. Packer, welcher sagte: „Predigen bedeutet: den Text reden zu lassen.“ Dies geschieht bedauerlicherweise außerhalb der Fähigkeiten und des Willens der meisten gegenwärtigen Predigern. Zu häufig liegt die Finsernis darin, dass früher die Kanzeln für Prediger gebaut wurden, heutzutage jedoch werden Bühnen für Darsteller bevorzugt. Somit unterliegt man der Gefahr, eher Menschen zuzuhören statt Gott zu begegnen. Ziel eines jeden Zuhörers solle es dabei sein, ermahnt statt unterhalten zu werden.
Dieser Schatten der Finsternis liegt oft an folgenden sieben Karikaturen von Predigern:

  • Cheerleader, die an der Kanzel nach Beliebtheit und Akzeptanz gieren
  • Zauberkünstler, die aus allen Texten abstrus-abenteuerliches herausfiltern
  • Geschichtenerzähler, die nur von tollen Stories und Anekdoten leben
  • Unterhalter, der abstrakt zur Gemeinde steht und nur seinen Dienst betrachtet
  • Systematiker, die jede emotionale Bindung und Bezug zum Text missen lassen
  • Psychologen, die pragmatische Modelle zum erfolgreichen Leben basteln
  • Nackte Prediger, die meinen, ständig in ihrer „Demut“ von ihren schlechten Eigenschaften und Taten berichten zu müssen, um ja authentisch zu wirken.

2. Kapitel: Was ist aus der Auslegungspredigt geworden?

Begg geht in dieser Frage auf die Ergebnisse der verlorengegangenen Auslegungspredigt nach. Ein Grund hierfür ist das fehlende Vertrauen in die Autorität und Genügsamkeit der Schrift, was unweigerlich im „Sprungbrett“ für allerlei Vorträge und Lebenstipps mündet. Dabei nimmt er Prediger ins Visier, die sich lieber danach richten, was Menschen hören wollen und nicht danach, was Gott zu sagen und angeordnet hat.
Hierfür zitiert er Dick Lucas: „Die Kirchenbänke können nicht die Kanzel beherrschen. Wir können keine Predigten nach dem Verlangen der Leute halten, weil keiner das Evangelium verlangt.“
Unbegabte und schwerfällige Prediger arten zudem in langweiligen Versuchen aus, Gottes Wort in einem Ungeschick weiterzugeben, wie es der Sache unwürdig ist.
Anderseits trifft es auch auf die heutige Zeit zu, wie einst James S. Stewart kundtat: „Die Schwäche der modernen Predigt ist die Suche nach Beliebtheit.“

Der Autor plädiert dafür, dass auslegendes Predigen bedeutet, einen Text der Schrift auf eine Art und Weise zu entfalten, welche die Verbindung zu der Welt der Zuhörer herstellt und gleichzeitig Christus erhöht.
Geschehe dies nicht, so sind Verwirrung und Unterernährung die logische Konsequenz davon.

3. Kapitel: Das Wesen der auslegenden Predigt

Nun zeigt Alistair Begg auf, wie Auslegungspredigt praktisch aussieht. Hierfür zieht er das wohl passenste Beispiel der Bibel zu Rate, wo Esra die Schriften auftut und dem Volk abschnittsweise den Inhalt verständlich darlegte (Neh 8,1.3.7-8).
Dies führt den Autor dazu, drei Prinzipien davon abzuleiten:

1. Auslegendes Predigen fängt immer mit dem Text der Bibel an.
2. Auslegendes Predigen versucht, die zwei Horizonte von biblischem Text und der gegenwärtigen Welt zu verschmelzen.
3. Auslegendes Predigen bestärkt den Zuhörer darin, zu verstehen, warum ein Brief des ersten Jahrhunderts an die Gemeinde in Korinth eine Bedeutung für eine Gemeinde im 21. Jahrhundert hat, die z.B. in Berlin ansässig ist.
Gerade beim dritten Punkt zeigt der Autor zwei Gefahren auf:

  1. Die Botschaft ist bedeutungslos, weil ihr Ursprung in einer ganz anderen Zeit und Kultur liegt und somit anders verstanden werden muss.
  2. Die Botschaft ist von sofortiger Bedeutung und ist gerade an uns direkt geschrieben worden, wobei der nahe und ferne Kontext völlig außer Acht gelassen werden.

Als Richtlinie zur Unterstellung unter die Leitung der Schrift empfiehlt der Autor den Auszug aus Westminster Directory for Public Worship:

  1. Das, was wir predigen, sollte wahr sein – d.h. im Lichte der allgemeinen Lehre der Schrift.
  2. Die Wahrheit sollte in dem Text oder Abschnitt, den wir auslegen, enthalten sein.
  3. Die Wahrheit sollte unter der Leitung der gesamten Schrift gepredigt werden.

4. Kapitel: Die Vorteile der Auslegungspredigt

Nun untermauert der Autor den Sinn einer Auslegungspredigt eindrücklich. Hierfür hat er fünf immense Vorzüge parat, die einleuchtend bestärken, weswegen die Auslegungspredigt elementar wichtig für die heutige Gemeinde ist. Diese sollen in Kürze hier aufgeführt werden:

  • Die auslegende Predigt erfordert von dem Prediger selbst, ein Studierender des Wortes Gottes zu werden.
  • Durch auslegendes Predigen wird die Gemeinde in die Lage versetzt, auf die natürlichste und naheliegenste Art und Weise aus der Bibel zu lernen.
  • Das auslegende Predigen bewahrt den Prediger davor, schwierige Texte zu vermeiden oder nur bei seinen Lieblingstexten zu verweilen.
  • Auslegendes Predigen stellt sicher, dass sich eine Gemeinde einer ausgewogenen Ernährung aus Gottes Wort erfreuen kann.
  • Auslegendes Predigen befreit den Prediger am Samstagabend von dem Druck der Vorbereitung in letzter Minute

5. Kapitel: Praktische Hinweise

Nun gibt Alistair Begg noch ganz praktische und einleuchtende Hilfsmittel sowie Warnungen dem Prediger mit auf den Weg. Er empfielt, dass der Prediger belesen sein muss, sowohl was theologische Literatur zwingend betrifft aber auch die Tageszeitung oder anderweitige lebensnahe Printausgaben. Zudem soll der Prediger sich Notizen machen, seine Gedanken schriftlich festhalten, um nicht zu stammeln und den Zuhörer mit wirren Aussagen zu langweilen oder zu irritieren. Unausweichlich ist es, ein heißer Beter zu sein, um nicht wie ein kalter Eisklotz an der Kanzel zu wirken. Schlussendlich muss der Prediger eine authentische Persönlichkeit vorne abgeben, ohne dabei künstlich durch Gehabe und die Stimme jemanden zu imitieren der man gar nicht selbst von der eigenen Beschaffenheit her ist.

6. Kapitel: Wer ist einer solchen Aufgabe gewachsen?

Im letzten und kürzesten Kapitel appeliert der Autor an Männer, die voll von geistlicher Weisheit und Einsicht in Gottes Wort sind. Diese Männer sollen bereits Erfahrungen mit der Kraft der Wahrheit gemacht haben und voller Leidenschaft zur Ehre Gottes und mit Erbarmen für die Seelen der Menschen ausgerüstet sein, um brauchbare Diener am Worte Gottes zu sein.

Fazit

Dieses kurzatmige Buch eignet sich nicht nur für Bibelschüler und Prediger, sondern auch für Gemeindemitglieder, welche sich des Wertes der Auslegungspredigt bewusst werden wollen. Zudem lässt das Buch den Leser sich unweigerlich an zahlreiche Erfahrungen im Gottesdienst erinnern, wo eben außerhalb der Auslegungspredigt andere Künste dargestellt wurden, die sehr lebendig durch dieses Buch entzaubert wurden.
Abschließend sei gesagt, dass durch die Beherzigung des biblisch fundierten Inhalts Gemeinden wieder schriftgemäß ernährt und Prediger wieder neu justiert werden können!