Andachten

Die Eigenschaften Gottes: (17) Der souveräne Gott

Letzte Woche haben wir uns Gottes Freiheit angeschaut und festgestellt, dass niemand Gott irgendwie in Seinen Entscheidungen beschränken kann. Er darf tun, was er will.

Seine Souveränität legt nun die Betonung darauf, dass Er Macht hat, alles zu tun, was Er tun will und auch tut. Sie drückt aus, dass Gott über absolut alles in dieser Welt regiert. Gott ist der Herrscher über die ganze Schöpfung, die Hölle mit eingeschlossen, über die Geschichte der Menschen und Nationen und er steuert alles bis ins kleinste Detail. Rein gar nichts befindet sich außerhalb seines Herrschaftsbereichs – kein König, kein Grashalm, keine Spinne und kein Atom.

Die Souveränität Gottes wird – auch wenn dieses Wort selbst nicht in der Bibel vorkommt – in der Schrift durchweg bestätigt und ausdrücklich betont.

„der HERR, der Starke und Mächtige, der HERR, der Held im Streit!“ (Ps 24,8)

„Sollte denn dem HERRN etwas zu wunderbar sein?“ (1. Mo 18,14)

„Dir ist nichts unmöglich“ (Jer 32,17)

„Der HERR regiert als König“ (1. Chr 16,31; Ps 93,1; 96,10; 97,1; 99,1; beachte, dass das 5 Stellen sind!)

„Bei Gott sind alle Dinge möglich“ (Mt 19,26)

„Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken!“ (Mt 3,9)

Und so gibt es unzählige Stellen, in denen die Herrschaft Gottes betont wird. Steven J Lawson nannte diese Eigenschaft einmal „Gottes Lieblingseigenschaft“. Und es ist wunderbar, an einen Gott zu glauben, dem alles unterworfen ist und dem niemals etwas außer Kontrolle geraten wird.

Diese Eigenschaft ist viel zu groß und wichtig, als dass sie in einer kleinen Andacht abgehandelt werden könnte. Ganze Bücher wurden darüber geschrieben, die alle nur ansatzweise beschreiben können, was Gottes Souveränität bedeutet.

Einer Frage, die mich in Bezug auf die Souveränität Gottes länger beschäftigt hat, möchte ich hier allerdings kurz anreißen.

Wenn Gott über alles regiert – bin ich ein Roboter? Macht mich das zur Marionette? Habe ich keine Verantwortung? Ich bin gewiss, Paulus würde hierauf mit „Das sei ferne!“ antworten. Mit Sicherheit würde er beiden Wahrheiten zustimmen, nämlich, dass sowohl Gott souverän ist, als auch, dass wir Menschen verantwortlich sind. Es sind keine widersprüchlichen, sondern nebengeordnete Wahrheiten.

Es gibt zahlreiche Beispiele in der Bibel, die genau das veranschaulichen. Schauen wir uns zum Beispiel die Brüder Josephs an. Sie konnten Joseph nicht ertragen, hassten ihn, waren sehr unfreundlich zu ihm und verkauften ihn schließlich an midianitische Kaufleute. Dafür waren sie eindeutig vollkommen verantwortlich. Sie gedachten ihm Böses zu tun. Das war ihre freie Entscheidung. Und gleichzeitig lehrt uns 1. Mo 50,20, dass Gott ebenfalls gedachte es gut zu machen, mit dem Ziel ein zahlreiches Volk am Leben zu erhalten. Dasselbe Wort wie bei den Brüdern wird hier für Gott verwendet. Er benutzte die Brüder nicht einfach nur, sondern er plante, er wollte, dass genau das geschieht, was die Brüder wollten und wofür sie verantwortlich sind.

Ein weiteres Beispiel möchte ich nur zitieren um des Platzes willen: „diesen (Jesus), der nach Gottes festgesetztem Ratschluss und Vorsehung dahingegeben worden war, habt ihr genommen und durch die Hände der Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und getötet.“ Moment mal, waren jetzt die Juden Schuld, dass Jesus gekreuzigt wurde, oder Gott, der ihn nach Seinem festgesetzten Ratschluss und Seiner Vorsehung dahingegeben hat? Es gilt beides. Gott hat das geplant, diktiert, gesteuert, gewirkt und gleichzeitig waren es die bösartigen Menschen, die Jesu Tod wollten, weswegen sie völlig verantwortlich dafür sind.

Es gäbe noch einige Beispiele, die zu erwähnen wären. Denkt nur einmal an Judas, der das „Los dieses Dienstes“ (Apg 1,17) empfangen hatte. Er war trotzdem schuldig, weil er Jesus verriet. Oder auch die Geschichte von dem Propheten Micha und Ahab in 1. Kö 22 (sehr lesenswert) oder auch von Paulus und dem Schiff, dass unterzugehen drohte aus Apg 27,14-38. All diese Geschichten schildern stillschweigend wie gleichzeitig die Souveränität Gottes und die Verantwortung des Menschen gelten, ohne uns zu erklären wie das funktioniert.

Spurgeon verglich diese beiden Wahrheiten einmal mit zwei Gleisen, die parallel nebeneinander her laufen und sich eigentlich nie treffen können. Aber wenn man sich einen Lockführer vorstellt, wie er in die Ferne sieht, so scheint es, dass irgendwann, in weiter Entfernung die beiden Gleise zusammenführen. So wollen wir glauben und darauf vertrauen, dass beide Wahrheiten stimmen und hoffen, sie einmal in der Ewigkeit vollkommen begreifen zu können.