Andachten

Merkmale eines gesunden Christen: Kenntnis (9/10)

Denn ihr selbst kennt, Brüder, unseren Eingang bei euch, dass er nicht vergeblich war; sondern nachdem wir in Philippi zuvor gelitten hatten und misshandelt worden waren, wie ihr wisst, waren wir freimütig in unserem Gott, das Evangelium zu euch zu reden unter großem Kampf. (1. Thes 2,1-2)

Es gibt für mich kaum eine nervigere Frage als diejenige: „Na, wie geht’s?“
Meist zeugt sie von Oberflächlichkeit oder von wenigen Berührungspunkten zwischen dem Fragenden und dem Befragten, da sie so allgemein und umfangreich gehalten ist, dass man häufig gar nicht weiß wo anzusetzen. Zu breit ist das Spekturm der Antwortmöglichkeiten. Im Job kanns zwar super laufen, in der Ehe nicht. Mit den Freunden klappt es ausgezeichnet, gesundheitlich hat man jedoch Bedenken. Ebenso kann man in der Gemeinde gesegnete und langfristig warme Zeiten verspüren, jedoch macht man sich finanziell große Gedanken.
Kurzum: Die Frage „wie geht’s?“ ist grundsätzlich nie 100%ig sauber in der Kürze zu beantworten, wie sie selbst gestellt wird. Deswegen ein allgemein guter, liebevoller Ratschlag: Sparen wir uns diese Frage, es sei denn, wir haben situative Kenntnis und können gezielt unser Interesse bekunden.

Die Thessaloniocher mussten diese Frage ebenso nicht stellen.

Paulus betont in den heutigen Versen die Vertrautheit und die gegenseitige Kenntnisnahme zu den Gläubigen. Es ist gut vorstellbar, welchen Trost und welche Stärkung er erfahren haben muss, da dieses Bewusstsein über die Umstände bei den Thessalonichern vorlag.
Aber wovon hatten die Thessalonicher denn Kenntnis?
Zwei Dinge sind bemerkenswert in den heutigen beiden Versen:

1. Die Thessalonicher hatten Kenntnis aus erlebter Erfahrung des Dienstes von Paulus und Timotheus. Sie wussten, dass der missionarische Eifer sich gelohnt hat und ewiges Leben aus Gott in Thessalonich gewirkt wurde.
2. Die Thessalonicher hatten Kenntnis an den notleidenden Situationen in denen Paulus und Timotheus steckten. Sie nahmen Teil an der Verfolgung und waren gut informiert über den Zustand der beiden Missionare.

Es ist ein ausgesprochen wichtiges Merkmal in der Gemeinde Gottes, dass Gläubige Kenntnis voneinander haben. Ein Christ ist nie nur allein für sich Gemeindemitglied, sondern immer Teil einer Gemeinschaft! Es ist ihm nicht egal, wenn jemand leidet und auch die Freude, die jemand verspürt, lässt einen nicht kalt. Damit dieses funktioniert müssen wiederum zwei aktive Voraussetzungen gegeben sein:

1. Man teilt sich selbst aktiv mit! Man gibt Erfahrungen, Freud und Leid weiter, man lässt andere Geschwister an den eigenen Umständen teilhaben.
2. Man erkundigt sich aktiv! Gezieltes Interesse, stetiges In-Verbindung-Bleiben sowie  die bewusste Nachfrage am Wohl des Nächsten.

Es ist etwas schönes sich Geschwistern mitteilen zu dürfen und gleichzeitig Interesse an Geschwistern zu haben. Natürlich geht es nicht mit allen 500 Leuten der Gemeinde, aber jeder von uns hat Gläubige im Umfeld, wo wir dringend aufgefordert sind: nimm Kenntnis an ihrem Leben, Leiden und Umständen! Erkundige dich! Teile dich aber auch mit!

Vielleicht fällt dir heute jemand ein, um dessen Wohl und Umstand du dich länger schon nicht mehr geschert hast. Spreche ihn an, oder bete zumindest für die dir bereits bekannte Situation seines Lebens.

Eine wichtige und vielleicht unangenehme Frage möchte uns noch beschäftigen:
Kennst du die Situation, dass dich Leid, Trauer und unglückliche Umstände deines Bruders nicht wirklich tangieren oder nicht so sehr bewegen? Oder: Kennst du das, dass die Freude und das große Glück deiner Geschwister dich nicht wirklich erfreuen?
Dies ist schwerlich auf die ungesunde und sündige Natur zurückzuführen!
Paulus schieb einst die Aufforderung: Freut euch mit den sich Freuenden, weint mit den Weinenden! (Röm 12,15)
Wenn wir Kenntnis am anderen haben, so nehmen wir Teil an seinem Leben! Dies äußert sich zwangsläufig in unserem Empfinden!

Aber den Hauptgrund, weswegen wir als gesunde Christen voneinander Notiz nehmen sollen, zeigt uns der lebendige, heilige große Gott selbst auf:
HERR, was ist der Mensch, dass du Kenntnis von ihm nimmst, der Sohn des Menschen, dass du ihn beachtest? (Ps 144,3)

Der Psalmist staunt darüber, dass Gott sich um den Menschen schert! Er bewundert hierin Gottes Kenntnisnahme am Zustand und Ergehen des Menschen.
Wenn Gott dieses Attribut uns kleinen armseligen Menschen gegenüber an den Tag legt – wieviel mehr sollten doch wir an den Umständen und den Situationen unser Glaubensgeschwister teilnehmen!

Gott schenke uns heute mehr und mehr Interesse am Nächsten.