Andachten

Dein König kommt … (12/24)

…denn aus dir wird ein Herrscher hervorgehen, der mein Volk Israel weiden soll.“ (2,6b)

Heute soll es speziell um den Begriff des „weidens“ gehen.

Der Gedanke, dass Gottes Volk geweidet werden soll, ist tief im Alten Testament verwurzelt. Einige Stellen sollen genau das zeigen:

Angefangen bei Mose, der 40 Jahre Zeit hatte, die Schafe seines Schwiegervaters zu weiden, um darauf vorbereitet zu werden ein halsstarriges Volk zu leiten. Mose kam unseres Erachtens eigentlich recht nah an einen idealen Hirten heran, jedoch verfehlte er sich in der Wüste, sodass er selbst nicht einmal das heilige Land betreten durfte, in welches er die „Herde“ führen sollte.

Weitere „Hirten“ finden wir bei Josua, bei den Richtern über Samuel bis hin zu David. David fing bekanntlich als kleiner Hirtenjunge an und wurde dann von Gott gerufen: „So sprich nun zu meinem Knecht David: So spricht der Herr der Heerscharen: Ich habe dich von der Weide hinter den Schafen weggenommen, damit du Fürst würdest über mein Volk, über Israel“ (2. Sam 7,8). Aber auch David disqualifiziert sich tragischer Weise vom „perfekten Hirtendienst“.

Darauf folgt eine recht düstere Zeit, die sehr klar und deutlich in Hesekiel 34 beschrieben wird. Hier ein kurzer Auszug: „So spricht Gott, der Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? Das Fette verzehrt ihr, aber die Herde weidet ihr nicht!“ (Hes 34,2-3).

So viele durch und durch schlechte wie auch mangelhafte Hirten Israels schreien schließlich nach einer Verheißung eines geeigneten, perfekten, fähigen, vollkommenen Hirten, der sie weiden soll. Diese gibt Gott dann auch: „Ich will ihnen einen einzigen Hirten erwecken, der sie weiden soll, nämlich meinen Knecht David; der soll sie weiden, und der soll ihr Hirte sein“ (Hes 34,23).

Eigentlich müsste das Volk nun in gespannter Erwartung auf den Messias-König sein, der sein Volk endlich recht weiden wird! Und dann ist es so weit: der Herrscher ist da, der Israel weiden soll (Mt 2,6), der gute Hirte wird geboren (Joh 10,11), der Oberhirte ist da (1. Petr 5,4)!

Die Reaktion des Volkes? Nichts. Keine Freude, kein Enthusiasmus, keine Hoffnung, dass nun endlich die Verheißung vom perfekten Hirten in Erfüllung gehen könnte. Wie traurig! Zum heulen diese Ablehnung!

Lasst uns als Reaktion das komplette Gegenteil tun. Wir wollen unseren guten Hirten, der sein Leben für die Schafe lässt, ehren mit jedem Atemzug und Wimpernschlag. Er ist unglaublich erhoben und hoch zu loben. Wie könnten wir ihn jemals genug preisen?

Erkennt, dass der HERR Gott ist! Er hat uns gemacht und nicht wir selbst – sein Volk und die Herde seiner Weide. (Ps 100,3)