Andachten

Wenn Gott Sünden anrechnen würde

Wenn du, Jah, auf die Ungerechtigkeiten achtest: Herr, wer wird bestehen? (Psalm 130,3)

Psalm 130 ist ein ganz besonderer Psalm. Nicht nur weil es der Lieblingspsalm Calvins, Bunyans, Owens und vieler weiterer bedeutender Männer Gottes war, sondern weil er am Höhepunkt die wahrscheinlich bedeutendste Frage der Weltgeschichte aufwirft.

Er stellt die rhetorische Frage, wer denn von allen Menschenkindern, die je ihren Fuß auf diese Erde gesetzt hatten, vor Gott bestehen könnte, wenn dieser unsere Sünden anrechnen würde. Durch diese rhetorische Frage will er geradezu schreien: Niemand! Kein Jesaja (welcher über sich sagt, dass er unreine Lippen hat s. Jes 6,5), kein Mose (der Gott ungehorsam war in der Wüste), kein Nehemia (der sagt: wir haben gottlos gehandelt), kein David (der sagt, dass seine Ungerechtigkeiten zu schwer für ihn sind s. Ps 38,5) etc.

Der Anfang des Psalmes lässt vermuten, dass der Psalmist in einer verzweifelten Lage war: „Aus den Tiefen rufe ich, HERR, zu dir!“ (Ps 130,1). Er befindet sich in den Tiefen, was in den Psalmen meist eine Grube oder eine Zisterne meint. Dadurch will er seine Lage beschreiben. Er ist wahrscheinlich niedergeschmettert wegen seiner eigenen Sünde. Und er fordert uns heute heraus mit ihm diesen verzweifelten Ausruf zu tätigen: O Gott, wenn du die Sünden anrechnest, wer wird denn je vor dir bestehen können? Wirst du nicht auf ewig alle verdammen müssen?

Und die Antwort ist ganz klar: Ja, der dreimal heilige Gott, das verzehrende Feuer müsste in der Tat jeden verdammen und niemand könnte je vor Ihm bestehen. Aber im nächsten Satz dieses Psalms schreibt der Dichter einen Satz dessen Wahrheit uns neu auf die Knie trieben sollte. Die Schönheit der Wahrheit des nächsten Satzes sollte meilenweit alles übersteigen, was wir an schönen, anmutigen und ästhetischen Dingen kennen: Bei Gott ist die Vergebung, damit man Ihn fürchte (Ps 130,4). Dieser Gott vergibt, obwohl er das volle Recht dazu hätte uns zurecht zu verdammen. Ja, der Psalmist schreibt davon, dass bei Gott viel Erlösung ist (Vers 7). Wie wunderschön. Gott vergibt mir und dir, wenn du an ihn als Retter und Herrn glaubst und dein Vertrauen auf Ihn wirfst.

Jesus sorgt dafür, dass wir vor Gott bestehen können. Er tut das dadurch, dass er selbst für unsere Sünden die volle Strafe auf sich nimmt und für alles büßt, für was wir selbst hätten büßen müssen. Eigentlich sollte uns diese Wahrheit so tief treffen, dass wir gar nicht anders können als heute jede einzelne Handlung zu Seiner Ehre zu tun.