Andachten

Abba, Vater

Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, daß ihr euch wiederum fürchten müßtet, sondern ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater! (Rö 8,15)

Dies ist einer der Verse zu dem man eigentlich nichts mehr sagen müsste. Kein Kommentar ist notwendig, damit dieser Vers einen trifft.

Der Vers spricht über Adoption. Er spricht über unsere Gotteskindschaft. Er proklamiert feierlich unser Privileg „Abba, Vater!“ zu rufen. J.I. Packet meinte, dass zwar das Thema der Rechtfertigung die Lieblingswahrheit der Reformation war, jedoch übersteige die Adoption die Rechtfertigung noch um ein Vielfaches an Schönheit.

Das ist auch verständlich, wenn man begreift, wie revolutionär diese Wahrheit eigentlich ist. Im gesamten Alten Testament wird der dreimal heilige Gott niemals als Vater angeredet. Kein Prophet, kein König und auch kein Mann Gottes hat sich je so etwas angemaßt. Auch in der Zeit nachher bis zum Neuen Testament gab es nie einen Rabbi, Priester oder Herrscher, der es gewagt hätte Gott mit „Abba“ anzureden.

Allerdings gab es eine Ausnahme. Ein gewisser Rabbi hat sich getraut, Gott seinen Vater zu nennen. Um genau zu sein, hat er Ihn eigentlich nur ein einziges Mal nicht Vater genannt. Das wissen wir, weil wir relativ viel von diesem Rabbi aufgezeichnet haben: mehrere Gebete, Lehrreden und andere Worte.

Dieser besondere Rabbi ist jedem bekannt: Es ist Jesus Christus! Er, nur er allein hatte das Recht Gott, den Allmächtigen, Vater zu nennen und niemand anders! Er war der perfekte Sohn Gottes! Er war rechtmäßiger Erbe! Er war der Geliebte seines Vaters (Eph 1,6)!

Und was lesen wir hier? Wir dürfen ebenfalls „Abba, Vater“ sagen! Jesus schämt sich nicht, uns Brüder zu nennen (Hebr 2,11)! Wir wurden vorherbestimmt zur Sohnschaft (Eph 1,5)! Wie wunderbar ist doch diese Nachricht. O preist den, der es möglich gemacht hat, dass wir nun Kinder Gottes heißen dürfen. O jubelt dem zu, der uns als Seine Kinder angenommen hat.

Wie oft schleudern wir in unseren Gebeten den Namen Gottes nur so um uns. Wie selten sehen wir es doch als unfassbares Privileg an, „Vater“ sagen und zu ihm beten zu dürfen. Viel zu oft ist Gebet eine Last, obwohl es nichts gibt, was uns freudiger stimmen sollte.

Du darfst dir heute neu dieses wunderbaren Privilegs bewusst werden und deinem Vater für all Seine Gnade danken. Du hast die Möglichkeit jemanden Vater zu nennen, den du dein ganzes Leben lang bespuckt hast, gegen den du mit zügellosem Hass rebelliert hast und vor dem du nichts weiter als ein verdammungswürdiger Sünder sein solltest. Dieser Vater liebt doch trotz allem über alle Maßen. Er tut dies, weil er seinen eigenen geliebten Sohn für dich hingegeben hat und nun Ihn in dir sieht.

Was für Worte. Betet diesen unermesslich gnädigen Gott und Vater an! Preist Seinen Namen.