Andachten

Psalm 130 (1/8)

Wenn mich in letzter Zeit ein Psalm maßgeblich beeinflusst und geprägt hat, so ist es der Psalm 130. Es ist einer der wenigen, den ich komplett auswendig gelernt habe, da ich davon überzeugt bin, dass in ihm eine so große Fülle an tiefgreifenden und schönen Wahrheiten drin steckt.

Zunächst möchte ich einige einführende Worte zu diesem Psalm schreiben, bevor ich dann in den folgenden Wochen Vers für Vers durch diesen Psalm durchgehen möchte.

Nicht nur für mich ist dieser Psalm ein sehr wertvolles Kleinod an biblischer Lektüre. Für Gottesmänner wie Augustinus, Calvin und John Bunyan war dieser Psalm der Lieblingspsalm schlechthin. Auch Luther war sehr begeistert von diesem Psalm, sodass er gar ein Lied darüber schrieb. Er hat ihn bezeichnenderweise einen paulinischen (zu Paulus gehörigen) Psalm genannt. Nun ist uns bekannt, dass Paulus selbst keine Psalmen gedichtet hat, allerdings steckt in dem Psalm die Wahrheit der Vergebung allein aus Gnade drin, sodass Luther ihn als einen paulinischen Psalm bezeichnete.

Für John Wesley war dieser Psalm, vor allem Vers 3, die entscheidende Botschaft, die zu seiner Bekehrung führte. Und so hatte dieser Psalm einen gewaltigen historischen Einfluss auf einige der größten Gottesmänner der Geschichte. Ich hoffe wir können in den folgenden Wochen den Reichtum an Gottes wunderbaren Wahrheiten entdecken und ich bete, dass er einen ebenso großen Einfluss auf unser Leben haben möge, wie bei vorher genannten Persönlichkeiten.

Zunächst einige wichtige Hinweise zu diesem Psalm. Es ist ein sogenannter Wallfahrtspsalm. Er gehört zu einer Gruppe von 15 aufeinanderfolgenden Wallfahrtspsalmen (Ps 120-134). Das bedeutet, dass dieser Psalm an wichtigen Feiertagen gesungen wurde, als viele Juden nach Jerusalem zum Tempel pilgerten. Mit Sicherheit hat auch Jesus mit seinen Jüngern diesen Psalm gesungen.

Ferner ist dieser Psalm ein Bekenntnispsalm (der sechste von sieben in den Psalmen vorkommenden Bekenntnispsalmen). Das bedeutet, dass er uns den Psalmisten vor Augen führt, wie er reuevoll seiner Sünden eingedenk wird und sie vor Gott bringt und auf Seine Barmherzigkeit hofft. Dieses Bekenntnis habe ich immer wieder nötig und daher erkenne ich diesen Psalm als sehr reichen Schatz an, der in Zeiten, an denen ich mich so überaus sündig und schuldig fühle, eine unheimliche Ermutigung für mich ist.

Es folgt nun abschließend der Text des Psalms, den ich aus einem Andachtsbuch von Timothy Keller über die Psalmen entnommen habe:

Ein Wallfahrtslied, gesungen auf dem Weg hinauf nach Jerusalem.

Aus der Tiefe schreie ich zu dir, HERR! HERR, höre meine Stimme, schenk meinem lauten Flehen ein offenes Ohr! 

Wenn du, HERR, die Sünden anrechnen willst – wer kann dann noch vor dir bestehen, o HERR? 

Doch bei dir gibt es Vergebung, damit die Menschen dir in Ehrfurcht begegnen.                       

Ich hoffe auf den HERRN, ja, aus tiefster Seele hoffe ich auf ihn. Ich warte auf sein rettendes Wort. 

Von ganzem Herzen sehne ich mich nach dem Herrn – mehr als die Wächter nach dem Morgen, ja, mehr als die Wächter nach dem Morgen!

Israel, hoffe auf den HERRN! Denn der HERR ist voll Gnade und immer wieder bereit, uns zu erlösen. Er allein wird Israel erlösen von allein seinen Sünden.