Andachten

Der Anfang der Erkenntnis

Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis. Weisheit und Zucht verachten nur die Narren. Gehorche, mein Sohn, der Zucht deines Vaters und verwirf nicht die Weisung deiner Mutter!  Denn ein anmutiger Kranz für dein Haupt sind sie und eine Kette für deinen Hals. (Sprüche 1,7-9)

Ein Grundansatz in der Lehre über die Weisheit findet sich in diesem bekannten Abschnitt: “Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis.” Das Wort “Anfang” (hebr. r’eschit) umfasst zwei Dinge: den Anfangspunkt aber auch das Wesen (der Erkenntnis). Alle Weisheit, alle Erkenntnis, das ganze Verständnis, das für ein gelungenes, sinnvolles Leben notwendig ist, kann nicht ohne die Erkenntnis und die Furcht des Herrn angeeignet werden. Das Suchen nach Weisheit und alles “Lebenslernen” muss diese Grundhaltung haben: eine aufrichtige Furcht Gottes, Gott als den zu sehen, der er ist: herrlich, allmächtig, heilig, würdig zu loben. Unser ganzes Lernen und Lesen, das Bibelstudium, das Herausfinden geistlicher Wahrheiten und das Aneignen von Grundsätzen der Lebensführung muss Gott und die seine Furcht im Zentrum haben. In Hiob 28 wird das Aneignen von Weisheit und das Bergen von irdischen Schätzen gegenübergestellt. Letzteres erfolgt auf natürliche Weise – Silber hat seinen Fundort und Eisen wird aus dem Erdreich hervorgeholt – doch mit der Aneignung von Weisheit verhält es sich anders: “Siehe, die Furcht des Herrn, sie ist Weisheit, und vom Bösen weichen, das ist Einsicht” (Hi 28,28)

Was ist deine Sicht von Gott? Wie beeinflusst deine Gotteserkenntnis dein Denken und Handeln? Führst du dein Leben weise, zielgerichtet und Gott verherrlichend? Die Beantwortung dieser Fragen hängt direkt damit zusammen, wie es um deine Gottesfurcht bestellt ist.

Im zweiten Teil des Abschnitts werden Kinder und junge Menschen angesprochen, die noch unter der Autorität und in der Erziehung der Eltern stehen. Sie sollen auf ihre Gebote hören, oder ihnen gehorchen. Die Weisung (hebr. tora) ist mit einem Wegweiser zu vergleichen. Normalerweise stellen nur Menschen, die ein Gebiet kennen, Wegweiser auf. So sollte es normal sein, dass Eltern die Wege des Lebens durch ihre Erfahrung bereits kennen und ihre Kinder belehren und vor möglichen Gefahren warnen (wie es in den nachfolgenden Versen der Fall ist). Hier wird insb. auf 5. Mose Bezug genommen, wo Gott sich an die Eltern in seinem Volk wendet und ihnen sagt: “Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen in deinem Herzen sein. Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen, und du sollst davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt und wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst.” (5. Mo 6,6.7) Das ist die natürliche Voraussetzung, unter der Kinder der Weisung ihrer Eltern folgen sollen: Sie muss mit Gottes offenbartem Willen übereinstimmen. Das bringt zum einen die Herausforderung für Eltern mit sich, Gottes Wort besonders gut zu studieren und zu kennen, damit sie Wegweiser für ihre Kinder sein können, die in die richtige Richtung zeigen. Zum anderen fordert es Kinder und Unmündige heraus, ihren Eltern mehr zu vertrauen als sich selbst, da diese normalerweise schon mehr Lebenserfahrung haben und das Wort Gottes besser kennen.

Wir finden also zwei Voraussetzungen für den Erwerb von Weisheit: Gottesfurcht und Belehrbarkeit. Die Folge ist, dass sie, die Weisung der Eltern, ein anmutiger Kranz für unser Haupt sein wird. Sie wird unseren Charakter schmücken, wie der Lorbeerkranz einen Sieger schmückt und dessen Ehre und Erfolg proklamiert. Doch letztlich wird selbst diese Ehre, die uns möglicherweise in diesem Leben zuteil wird, wenn wir wirklich weise Leben, wird von einem gottesfürchtigen Menschen an Gott weitergegeben und reflektiert, da Gott selbst der allein weise Gott ist und von ihm alle Weisheit und Erkenntnis kommt. Dank und Lob sei ihm dafür!

Die Sprüche (2/100)