Andachten

Psalm 130 (2/8)

Vor einer Woche haben wir eine Reihe über den Psalm 130 begonnen. Wir haben gesehen, dass dieser Psalm einen immensen Einfluss auf das Leben einiger der größten Gottesmänner der Geschichte hatte. Meine Hoffnung und mein Gebet ist, dass uns dieser Psalm ebenso beeinflussen möge. Es ist Gottes mächtiges Wort, das unser Leben grundlegend verändert.

Ich möchte nun fortfahren, indem ich eine kleine Gliederung über diesen Psalm erstelle: In den ersten beiden Versen hören wir den Psalmisten schreien (Verse 1-2). In den beiden darauffolgenden Versen sehen wir den Psalmisten denken (Verse 3-4). In den Versen 5-6 sehen wir den Psalmisten warten und schließlich sehen wir ihn in den letzten beiden Versen predigen (Verse 7-8).

Heute möchten wir darauf hören, wie der Psalmist schreit.

Aus der Tiefe schreie ich zu dir, HERR!                                                                                    HERR, höre meine Stimme,                                                                                                                    schenk meinem Flehen ein offenes Ohr! (Psalm 130,1-2)

Der Psalmist beginnt damit, dem HERRN seine Position bekannt zu geben und bittet Ihn, ihm zu helfen. Hier möchte ich direkt schon eine Frage stellen, die gleichzeitig zu unserer ersten Anwendung führen soll: Zu wem schreist du, wenn es dir miserabel geht? Rufst du die 112 an? Rufst du deine Mutter an? Bringst du deine Klage zu deiner Frau/deinem Mann, deinen besten Freunden? In verschiedenen Situationen sind diese „Ansprechpartner“ ja durchaus alle berechtigt. Doch die Frage ist, ob deine erste Anrede, dein erster Schrei zu dem HERRN geht, der allwissend, gut und die Liebe selbst ist. Ist er die erste Anlaufstelle in deinem Leben, wenn du nicht mehr weiter kannst? Wenn wir ehrlich sind, wissen wir ganz genau, dass das so sein sollte, aber viel zu oft nicht so ist.

Lernen wir heute vom Psalmisten, dass Gott die primäre „Ansprechperson“ sein sollte, wenn wir Probleme haben.

Eine weitere wichtige Beobachtung ist die Beschreibung der eigenen Position des Psalmisten. Er sagt, er befindet sich in der Tiefe. Die Tiefe meint eigentlich immer die Tiefe des Wassers. Man kann sich den Psalmisten in einer dunklen Zisterne vorstellen, aus der er sich alleine niemals mehr selbst heraushelfen kann. Das steckt hinter diesem Wort. Damit will er zum Ausdruck bringen, in was für einer misslichen Lage er sich befindet. Er befindet sich in keiner besseren Lage, als sich damals Jona befunden hatte, nachdem er von der Schiffsmannschaft über Bord geworfen wurde. Keine Aussicht auf Rettung.

Das ist die richtige Positionsbeschreibung für uns, die wir überaus sündig sind (Beachte: In Vers 3 lässt sich erkennen, dass sein Problem, seine Tiefe seine eigene Sündenschuld ist). Wir befinden uns in einer Tiefe, aus der wir uns nicht selbst retten können. Diese Erkenntnis ist goldwert, denn nur so können wir uns an den wenden, der Wind und Wellen gebietet: Schweig, sei still! (Mk 4,39). Es gibt für unser Sündenproblem einen Ausweg und das ist Gott selbst. Dazu allerdings in den beiden folgenden Andachten mehr.

Nehme heute diese beiden Gedanken mit: Erkenne immer mehr deine missliche Lage, in der du dich aufgrund der Sünde befindest und positioniere dich recht vor Gott. Renne damit zu deinem Herrn und bringe deine Klage, dein Schreien vor ihn, der allein dein Problem lösen kann.