Andachten

Psalm 130 (3/8)

Wenn du, HERR, die Sünden anrechnen willst – wer kann dann noch vor dir bestehen, o Herr? (Psalm 130,3)

Wir sind nun beim zweiten Gliederungspunkt des Psalms 130. Der Psalmist denkt (V. 3-4). Er denkt über diesen heiligen Gott nach und fragt sich, wer denn vor Ihm bestehen könnte. Aber wenn wir genau hinschauen, ist das eigentlich keine echte Frage, die er beantwortet haben will, sondern vielmehr ein Bekenntnis. Möchte der Psalmist nicht ausdrücken: Ich könnte niemals vor diesem Gott bestehen! In Anbetracht der Tatsache, dass Gott heilig ist, dass er allwissend ist und dass er die Taten abwägt (2. Sam 2,3), ist der Psalmist einer Sache gewiss: Vor diesem Gott bin ich schuldig im Sinne der Anklage!

Überlege dir das mal: Gott ist allwissend, er kennt deine unbekanntesten Gedanken und kann Übertretungen nicht mal ansehen. Falls du mal in deinem Zimmer alleine warst und Gedanken des Zornes oder auch der Lust gehegt hast – Gott hat Kenntnis davon genommen. Falls du mal während einer Predigt überhebliche Gedanken über den Prediger gehabt hast – Gott hat deinen ekelerregenden Stolz bemerkt. Und falls du auch nur ein bisschen neidisch auf das warst, was dein Arbeitskollege/Bruder/Freund besitzt und dadurch ein kleines Maß an Unzufriedenheit gezeigt hast – Lass dich nicht täuschen, der absolut sündenintolerante Gott hat es wahrgenommen und er wägt deine Taten ab.

Und wenn er deine Taten abwägt, so legt er keinen geringeren Maßstab an, als sein heiliges Gesetz. Und das verlangt von dir beispielsweise, dass du Gott, den HERRN, liebst, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft (5. Mo 6,5). Schon allein anhand dieses Gebotes muss dir zwangsläufig der Stempel aufgedrückt werden: Schuldig im Sinne der Anklage!

Diese Wahrheit wird heutzutage nur zu gerne verschwiegen. Gott wird in unserer säkularisierten Gesellschaft allzu häufig als ein Gedanke angesehen, ein Gegenstand philosophischer Diskussionen, bestenfalls noch als eine Kraft, die einem durchs Leben hilft. Wenn man so über Gott denkt – was macht es da schon, wenn ich Sein Gesetz übertrete? Und da liegt der Hund begraben; was denkst du über Gott? Wer ist er für dich? Was für eine Sicht hast du von Ihm? Ist er nichts weiter als eine größere Macht, die im Hintergrund irgendwelche Fäden zieht, so ist die Frage nach Sünde beinahe irrelevant.

Da aber Gott der dreimal heilige, gerechte und zornige Gott ist – und eben nicht nur der liebende, gnädige und barmherzige Gott – und da er ein verzehrendes Feuer ist, so ist die Frage danach, wie wir vor diesem heiligen Gott bestehen können, eine Frage, welche an Wichtigkeit keine einzige weitere Frage übersteigen kann. Die Frage zu beantworten, bedeutet, die Frage nach der ewigen Zukunft zu beantworten. Es entscheidet über Leben oder Tod über Himmel oder Hölle.

Nimm diese Frage heute mit: Wenn du, HERR, die Sünden anrechnen willst – wer kann dann noch vor dir bestehen, o Herr? Glücklicherweise gibt es eine wunderbare Lösung für dieses Problem. Dazu nächste Woche mehr.