Essays

Sola Gratia (2/2): Gottes übernatürliches Eingreifen – Errettung aus Gnade (Epheser 2,1-10)

In dem letzten Teil dieser Textbetrachtung, analysierten wir die desolate Situation unter der Macht des Bösen, in der sich jeder Mensch ohne Gott und ohne seine Gnade befindet. Nun, nach dieser unbeschreiblichen Hoffnungslosigkeit, die in den Versen 1-3 folgt dieses „ABER“. In den Versen 4-6 werden nun die Taten Gottes in der Errettung beschrieben.

2. Gottes übernatürliches Eingreifen – Errettung aus Gnade

2.1 Gottes große Liebe (V.4)

V.4: Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, hat um seiner vielen Liebe willen, womit er uns geliebt hat, …

Am Anfang der Errettung steht Gottes herzliches Mitleid mit dem Sünder. Es ist nicht nur das Mitleid sondern echte Liebe (Joh 3,16: So sehr hat Gott die Welt geliebt …). Gott ist als Person total herzlich, liebevoll, gnädig, geduldig. Aus diesem Grund rettet er überhaupt Menschen. Achten wir auf die beiden Adjektive im Text „reich“ und „viel“. Gottes Barmherzigkeit und Liebe ist in Fülle vorhanden. Des Schöpfers herzliches Mitleid ist gepaart mit der herzlichen persönlichen Liebe für diese sündigen, feindlich- rebellischen und verhassten Sünder. Gottes unvorstellbar reiche Barmherzigkeit und seine Feindesliebe überwindet die Feindschaft und Rebellion des Sünders gegen den der ihn gemacht hat.

Bedenken wir sorgfältig, dass Gottes Liebe ist nicht die Antwort auf meine Suche ist. Gott Liebe ist seine Rettungsinitiative zur Rettung von völlig Hilflosen. Das ist sola gratia, die unverdiente Zuwendung Gottes. Gottes Liebe bewegt und überwindet das sündige, trotzige und eigenwillige Herz ihn zu suchen, nach ihm zu verlangen. Das Evangelium ist die Botschaft von Gottes Liebesmacht: Der einzigartige und allmächtige Gott-Schöpfer, der heilige Richter der ganzen Welt ist in Jesus Christus Mensch geworden, um zu suchen und zu retten was verloren ist. Er ist der große Initiator bzw. Urheber unseres Heils, der die Macht hat, geistlich Tote zum Leben erwecken.

2.2 Gott hat uns lebendig gemacht

V.5: … auch uns, die wir in den Vergehungen tot waren, mit dem Christus lebendig gemacht – durch Gnade seid ihr errettet!

Der Glaube ist nur durch die Auferstehungskraft Gottes möglich. Dieses übernatürliche göttliche Eingreifen in unsere aussichtslose Wirklichkeit der Welt des Todes ist die Ursache für die Rettung. Darum steht hier: “lebendig gemacht”! Regungslose Tote – oder noch drastischer ausgedrückt: verweste stinkende Leichen – bekommen neues Leben eingehaucht. Das ist die Lehre von der Wiedergeburt.

Johannes 1,12-13: „… so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; die nicht aus Geblüt, auch nicht aus dem Willen des Fleisches, auch nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.“

Die Neugeburt ist sola gratia – allein aus Gnade. Wir werden nicht aus eigenem Wollen oder durch eine sinnvolle Entscheidung  von neuem geboren. Die übernatürliche Neugeburt findet statt, wenn Gott Sünder durch die Predigt des Evangeliums zur Umkehr ruft und ihnen den Glauben schenkt.

2.3 Gott hat uns mitsitzen lassen mit Christus in der Himmelswelt (V.6-7)

V.5-6: Er hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in der Himmelswelt in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeitaltern den überragenden Reichtum seiner Gnade in Güte an uns erwiese in Christus Jesus.

Wenn wir zum Glauben kommen, werden wir aus Satans Territorium befreit und zu Bürgern des Gottesreiches gemacht. Gott hat gleichzeitig für die Zukunft gesorgt. Wir kommen unter einen neuen Herrscher, den König Jesus. Sein Wille ist jetzt für uns Maßstab, seine Gesetze unsere Ordnung. Wird sind weiterhin auf der Erde, allerdings ist dort wo Christus in der himmlischen Welt zu Hause ist, auch unser rechtmäßiges Zuhause. Wir haben eine unsterbliche Seele, die nach dem Tod in den Himmel zu ihm kommt. Jesus selbst hat dort Wohnungen für uns errichtet. Dennoch sind wir jetzt gerne hier in dieser Welt. Wir sind pflichtbewusst in unseren Aufgaben, wir halten uns an sein Wort und respektieren seine Ordnungen für dieses Leben. Wir machen ihn bekannt, scheuen Konflikte nicht, erdulden Benachteiligung und Verfolgung und haben im Leben  unserem Erlöser und Herrn als Vorbild.

3.   Leben aus der Gnade  (V. 8-10)

V.8-10: Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.

3.1 Sola Gratia: „Aus Gnade durch Glauben“

Die Rettung geschieht also allein aus Gottes Gnade. Eigene Werke sind nicht nur zu 100% ausgeschlossen, sie sind auch zu 100% unmöglich. Die Gnade ist offensichtlich Gottes Initiative und seine wirksame. Die Fähigkeit zu glauben ist nur mit diesem initiativen vorlaufenden Wirken des Heiligen Geistes möglich. Alles ist dem wieder auferweckten Toten geschenkt – auch der Glaube, damit niemand sich rühme. Ein “geistlich Toter” und der menschliche verdorbene Wille kann, das verstehen wir jetzt, nichts bewirken. 1. Korinther 1,30 bringt es auf den Punkt:

„Aus ihm aber kommt es, daß ihr in Christus Jesus seid, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung; …“

Allein aus Gnade bedeutet, dass alle Ehre und Dankbarkeit Gott gehört. In diesem Licht sollten wir Psalm 103 verstehen:

Psalm 103,1-4: „Preise den HERRN, meine Seele, und all mein Inneres seinen heiligen Namen… und vergiss nicht alle seine Wohltaten! Der da vergibt alle deine Sünde … Der dein Leben erlöst aus der Grube, der dich krönt mit Gnade und Erbarmen.“

3.2 Gottes Werk („Gebilde“)

Römer 8,29: „Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein.“

Der Erneuerungsprozess des Bildes Gottes im Menschen beginnt mit der Neugeburt. Damit wird der Mensch zu der Bestimmung geführt, die Gott für ihn vorgesehen hat: Das Umgestaltetwerden in das Ebenbild Christi. Eine neue Menschheit des Glaubens entsteht. Schon hier auf der Erde soll das durch ein verändertes Leben dieser Glaubenden sichtbar werden. Nur die Nachfolger von Jesus gehören zur Kirche. Christus ist der Herr, das Haupt und der König. Sein erwähltes Gottesvolk besteht aus Juden und Nationen. Und jetzt verstehen wir, dass die Prädestination vor aller Zeit und die Errettung aus Gnaden in dieser Zeit ein Ziel haben und zusammengehören: Soli deo gloria, allein zur Ehre Gottes, und das schon jetzt und hier