Andachten

Die Weisheit ruft

Die Weisheit ruft laut auf der Straße und lässt ihre Stimme hören auf den Plätzen. Sie ruft im lautesten Getümmel, am Eingang der Tore, sie redet ihre Worte in der Stadt: Wie lange wollt ihr Unverständigen unverständig sein und ihr Spötter Lust zu Spötterei haben und ihr Toren die Erkenntnis hassen? Kehrt euch zu meiner Zurechtweisung! Siehe, ich will über euch strömen lassen meinen Geist und euch meine Worte kundtun. (Sprüche 1,20-23)

In diesen Versen finden wir eine eindringliche Einladung an die Menschen, die Weisheit und die Zurechtbringung anzunehmen und sich von Torheit und Unverständigkeit abzuwenden. Der Ruf dieser personifizierten Weisheit erschallt im Getümmel (wörtl. “Spitze der Lärmenden”) der Stadt, mitten im Lärm der Gesellschaft, wo tausende andere Stimmen rufen und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen wie auf einem Marktplatz oder einem orientalischen Basar, wo die Marktschreier und Verkäufer ihre Waren anpreisen und die vorübergehenden Leute zum Kauf derselben bewegen wollen. Die Weisheit schreit – sie möchte das Denken und Handeln der Menschen für sich gewinnen, sie möchte, dass die Vorübergehenden zu weise handelnden Menschen werden. Alternativ dazu werben verschiedene andere Lebenskonzepte um Anhänger: Die Bewegung des positive Denkens, die “You only live once”-Mentalität, der Materialismus, der den Menschen zu verstehen gibt, ihr Leben hat dann Wert, wenn sie Karriere machen und viel Geld verdienen oder nach Macht greifen, um nur einige zu nennen. Das ist der Lärm um uns herum, der uns schnell davon abhält, nach einem weise geführten Leben zu streben. Es ist jedoch der Lärm, der einen Großteil der Menschheit dazu veranlasst, das Hören auf die Weisheit zu verweigern, obwohl man dadurch Verderben und Enttäuschung auf sich bringt. Das erinnert an die verschiedenen Propheten, die Gott sandte, um seinem Volk aufzuzeigen, wo es von dem ihm wohlgefälligen Weg abgeirrt ist. Sie riefen und wollten die Menschen für Gottes wichtige Botschaft zu gewinnen – doch oftmals blieben sie unbeachtet oder wurden sogar geschmäht und verfolgt.

Der Aufruf der Weisheit richtet sich an drei Gruppen: 1. Unverständige (moralisch neutral aber eigentlich zu bemitleiden, da sie für den Ruf der Weisheit gar nicht empfänglich sind), 2. Spötter (die schlimmsten Feinde der Weisheit, da sie arrogant, zynisch und provokativ sind), 3. Toren (Menschen, die das Wissen verachten, das sie vor dem Verderben retten könnte). Alle Menschen gehören von Natur aus in mind. eine dieser Gruppen. Menschen, die nicht wiedergeborenen sind, verachten die Weisheit, hassen Gott, weisen das Wissen zurück, durch das sie gerettet werden können, haben im Allgemeinen eine kritische Einstellung zu Erkenntnis und Wahrheit und sind unempfindlich für moralische Werte. Natürlich finden sich diese negativen Eigenschaften in mehreren Abstufungen aber im gewissen Maße sind sie bei allen vorhanden.

Als Erlöste und Kinder Gottes, die ihrer alten sündigen Natur immer noch anhaften, können uns diese negativen Attribute auch oftmals charakterisieren und uns zum Verhängnis werden. Resistenz gegen göttliche Weisheit, seine moralischen Ordnungen, seinen offenbarten Willen für unser Leben, findet sich doch, wenn wir ehrlich sind, immer wieder auch in unserem Leben. Die Anwendung für uns ist also, dass wir in unser Leben und unser Umfeld schauen und es auf den Lärm überprüfen, der uns von Gottes Weisheit ablenkt und sie übertönt. Auch wenn Gott seinen moralischen Willen in schriftlicher Form schon vor langer Zeit offenbart hat, ist dieser Aufruf heute noch hochaktuell: Kehrt euch zu meiner Zurechtweisung!

Die Sprüche (4/100)