Andachten

Müssen wir versuchen, geistliche Erfolge vergangener Generationen zu wiederholen?

Wer ist unter euch noch übrig geblieben, der dieses Haus in seiner früheren Herrlichkeit gesehen hat? Und wie seht ihr es jetzt? Ist es nicht wie nichts in euren Augen?

Haggai 2,3

Immer wieder fällt mir in Gesprächen auf, dass wir als Christen gerne über die Zeiten großer Erweckungen und Krafterweisungen Gottes reden. Ob nun die Zeit der ersten Gemeinde mit den Aposteln, die Reformation mit ihren großen theologischen und gesellschaftlichen Errungenschaften oder die Zeit der großen Erweckung im 18. Jahrhundert mit großen Predigern wie Edwards und Whitefield herangezogen wird – man ist sich einig – DAS waren Zeiten großer Erweckung. Und irgendwie waren diese Zeiten anders als unsere Zeit. Den damaligen Heiligen schien alles leichter von der Hand zu gehen, sie waren kraftvoller, mutiger und ja, auch erfolgreicher würden wir sagen.

Ist all das wahr? Und ist es Gottes Wille, dass wir in dieser Weise über die vergangenen, glorreichen Zeiten reden? Ich denke nicht, das dies der Fall ist. Bereits durch Salomo warnt uns Gott indem er uns sagen lässt:

Sage nicht: Wie kommt es, dass die früheren Tage besser waren als diese? Denn nicht aus Weisheit fragst du danach.

Pred 7,10

Salomo sagt uns, dass es dumm ist, dauernd zu sagen, dass früher alles besser war. Was sollen wir stattdessen tun?

In dem Abschnitt nach unserem heutigen Vers wird uns gesagt, was wir tun sollten anstatt zu fragen, warum früher alles besser war. Die Israeliten standen damals vor der Herausforderung des Wiederaufbaus des Tempels. Aus Esra wissen wir, dass viele Alte, die den früheren Tempel in seiner Größe und Herrlichkeit gesehen hatten, bei der Grundsteinlegung des neuen Tempels weinten, weil sie realisierten, dass der neue Tempel nicht so herrlich wie der alte werden wird. Doch was sagt Gott dem Volk?

Und nun […] seid stark, alles Volk des Landes, spricht der HERR, und arbeitet! Denn ich bin mit euch, spricht der HERR der Heerscharen.

Hag 2,4

Ist dies nicht eine wunderbare Zusage unseres Gottes? Auch im Missionsbefehl, der sicherlich harte Arbeit mit sich bringt, sagt Jesus uns, dass er mit uns ist bis an das Ende der Weltzeit (Mt 28,20). Christus ist der selbe, gestern, heute und in alle Ewigkeit. Der Gott, der früher großes wirkte, wirkt auch heute in uns und vollbringt sein Werk in uns und durch uns. Wir sind nicht dazu angehalten Handlungsweisen und Umstände der früheren „erfolgreichen“ Verkündiger und Epochen zu kopieren. Nein, unser Auftrag lautet: Arbeitet, denn ich bin mit euch, ich, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden. Rennen wir darum nicht den Errungenschaften vergangener Zeiten nach.

Wir wissen nicht, was Jesu Plan mit uns und unserer Generation ist. Aber ich möchte Teil seines Planes sein. Dies ist die Motivation für die Arbeit in seinem Reich – ich will seinen Auftrag erfüllen – und arbeiten. Die Frucht unserer Arbeit zu geben steht bei demselben Herrn, der die Arbeit in Auftrag gibt. Bedenken wir, dass Kraft zur Arbeit genau wie die Frucht derselben sein Werk ist, und beides allein seiner Ehre dient!