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Apologetik Teil 1/3 – Voddie Baucham

Voddie Baucham ist Autor, Konferenzsprecher, Gemeindegründer und Pastor der Grace Family Baptist Church in Spring, TX. Zudem lehrte er am Reformed Theological Seminary in Houston, TX sowie am Southern Seminary. Letztes Jahr hielt er drei geniale Vorträge zum Thema Apologetik, welche ich gerne in zusammengefasster Form mit euch teilen möchte.

In seinem ersten Vortrag behandelt Voddie die Frage, warum wir Christen denn nicht Apologetik betreiben. Er nennt drei Gründe, weshalb Christen sich gerne vor dieser Aufgabe drücken, die explizit in der Schrift geboten wird (Jud 1-3; 1. Petr 3,15).

1. Viele Christen meinen, Apologetik sei nur für die Elite

Wer kennt diesen Gedanken nicht? Da gibt es Leute wie John Lennox, Ravi Zacharias, James White, William Lane Craig, Jeff Durbin und viele andere Giganten der Apologetik, die sich brilliant mit Atheisten und Evolutionisten auseinandersetzen. Mal ehrlich, wie soll ich da nur ansatzweise rankommen?

Apologetik scheint ein Gebiet zu sein, bei dem man ein absolutes Genie sein muss, um mitreden zu können. Ich kenne den Gedanken von mir, dass ich denke, ich müsste mich erst ein paar Jahre mit Biologie, Chemie, Physik etc. auseinandergesetzt haben, um angemessen mit Atheisten sprechen zu können. Dass dies für die meisten Christen nicht möglich ist, ist offenkundig.

Nun, ist dieser Einwand gerechtfertigt? Ist Apologetik allein Aufgabe der Elite? Darf ich mich entspannt zurücklehnen, während die führenden Köpfe der Christenheit die Aufgabe der Glaubensverteidigung für mich übernehmen?

Voddie führt als Antwort auf diese Frage einen Text an, der diese Haltung vieler Christen zurückweist. In Judas 1-3 heißt es:

„Judas, Knecht Jesu Christi und Bruder des Jakobus, den (o. an die) in Gott, dem Vater, geliebten und in Jesus Christus bewahrten Berufenen: Barmherzigkeit und Friede und Liebe sei euch vermehrt! Geliebte, während ich allen Fleiß anwandte, euch über unser gemeinsames Heil zu schreiben, war ich genötigt, euch zu schreiben und zu ermahnen, für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen.

Judas schreibt hier seinen Brief nicht nur an eine Elite, etwa wie an die Auserwählten der Auserwählten oder die Berufenen der Berufenen. Nein, sondern an alle, die von Gott geliebt, in Christus bewahrt und von Ihm berufen sind. Das sind offensichtlich alle Christen. Jeder Christ hat folglich die Aufgabe, wie es in Vers 3 heißt, für seinen Glauben zu kämpfen. Es ist tatsächlich jeder aufgefordert. Apologetik ist Aufgabe jedes einzelnen Christen.

2. Viele Christen meinen, Apologetik wäre lieblos

Da anhand der Apologetik aufgezeigt werden kann und soll, dass die Bibel die absolute Wahrheit ist und dass alle anderen „Wahrheiten“ falsch sind, meinen viele es wäre angreifend und lieblos so etwas zu tun. Sollten wir nicht lieber jeden so stehen lassen, wie er ist, anstatt ihm aufzuzeigen, dass er absolut falsch liegt, wenn er beispielsweise an die Evolution glaubt?

Voddie karikiert die heutige Christenheit, wenn er sagt, dass es heutzutage unter ihnen so etwas wie ein elftes Gebot gibt, welches besagt: Sei nett! Greif andere nicht an, lass sie stehen, wie sie sind, akzeptiere jeden, auch wenn er anders denkt als du. Dabei sind die ersten 10 Gebote eigentlich zu streichen, da diese nicht so nett sind. Diese sind eher verurteilend, daher sollte man sie meiden und sich stattdessen auf das elfte Gebot fokussieren: Einfach nett sein.

Da Apologetik, wie man meint, nicht nett ist, sondern vielmehr eine lieblose Sache, so halten viele Christen Apologetik für unnötig. Allerdings ist das eine komplett verdrehte Sicht von Liebe. Wenn man Liebe selbst so definiert, dass es bedeutet, anderen gegenüber einfach nett zu sein, weil man sie nicht angreifen oder stören möchte, so ist das wirklich tragisch.

Man stelle sich nur vor, dass nachts um 02:00 Uhr des Nachbars Haus anfängt zu brennen und man merkt es, teilt es ihm aber nicht mit, weil man ich nicht stören möchte – das ist definitiv keine Liebe! Oder man sieht einen Menschen in einem brennenden Auto, der sich selbst nicht retten kann, da er eingeklemmt ist, man möchte ihm aber nicht helfen, da man ihn evtl. verletzen könnte – das soll Liebe sein?

Wir sehen so viele Menschen auf der Titanic sitzen, die Musik läuft, alle sind fröhlich – und wir schauen zu, während sie untergehen. Da draußen sind Milliarden von Menschen, die unaufhaltsam in die ewige Verdammnis rasen und nicht im geringsten daran denken, ihren Kurs zu ändern – und wir könnten schreien: „HALT! DREH UM!“, aber wir tun es nicht, weil wir nicht angreifend sein möchten? Das ist lieblos! Ihnen nicht aufzuzeigen, auf was für einem Weg sie sind.

3. Viele Christen haben eine falsche Sicht davon, was Apologetik ist

Voddie bringt das Beispiel von einem 16-jährigen Teenie, der jede sich bietende Möglichkeit nutzt, um wieder mit einem Atheisten zu diskutieren und dem es schlicht darum geht, wieder eine Debatte zu gewinnen. Wenn es scheint, dass er die Debatte verliert wird er unhöflich, unsachlich und tatsächlich angreifend. Er geht missmutig aus einer verlorenen Debatte und setzt sich wieder an seine Bücher, um noch mehr Argumente zu sammeln, um die nächste Debatte zu gewinnen. Das ist nicht Apologetik!

Wenn es einem mehr darum geht, eine Debatte zu gewinnen, anstatt die verlorene Seele zu retten, dann wurde das Ziel der Apologetik weit verfehlt. Es geht bei der Apologetik nicht darum, auf jedes Argument eine Antwort zu kennen, für jede Art von Religion gewappnet zu sein und jeden berühmten Philosophen zu kennen. Es geht nicht darum, dass wir in einer Diskussion intelligenter als unser Gegenüber dastehen. Es geht um verlorene Seelen, denen wir helfen möchten, umzukehren, sodass sie gerettet werden. Wir möchten uns so gut es geht mit ihren Gedanken auseinandersetzen, um ihnen ihre Denkfehler aufzeigen zu können, allerdings niemals aus dem Grund, dass wir wieder eine Debatte gewinnen wollen. Wenn wir auch mal in einem Gespräch unterlegen sind, so sollte es uns dennoch nicht einschüchtern, sondern wir sollen Gottes Wort in aller Klarheit weitergeben und auf sein allmächtiges Wirken hoffen.

Fazit

Somit ist Apologetik definitiv nichts, was nur für die Elite ist, ebenso ist es nichts liebloses und es geht nicht darum, Debatten zu gewinnen. Vielmehr sollte jeder sich für seinen Glauben einsetzen, ja, für den ein für alle Mal den Heiligen überlieferten Glauben kämpfen (Jud 3). Es geht darum, Menschen von ihrem Weg ins grausame Verderben zurückzuholen und ihnen den Weg zu Gott weisen. Das alles dient zu Gottes Ehre, was dabei unsere größte Motivation sein sollte. Ich hoffe, dass sich wirklich jeder dazu ermutigen lässt, apologetisch tätig zu werden und diesen Auftrag wahrzunehmen.

Habt einen gesegneten Sonntag.