Andachten

Psalm 130 (6/8)

Ich warte auf den HERRN, meine Seele wartet; und auf sein Wort harre ich. Meine Seele harrt auf den Herrn, mehr als die Wächter auf den Morgen, die Wächter auf den Morgen. (Psalm 130,5-6)

Wir sahen bisher wie der Psalmist schreit (1-2) und wie er denkt (3-4). Heute möchten wir uns anschauen wie der Psalmist wartet (5-6).

Manchmal, wenn wir in so einer Situation stecken, wo wir uns tief im Schlamm der Sünde fühlen, kann es sein, dass es eine geraume Zeit dauert, bis wir da wieder rauskommen. Klar wissen wir, dass Jesus uns alle Sünden vergeben hat, und wenn wir ihn wieder um Vergebung bitten, so reinigt er uns. Doch oft fällt es so schwer, die Buße ernst zu meinen und dann auch zu vertrauen, dass uns nun wirklich die Füße gewaschen wurden. Mir geht es manchmal so, dass ich kaum glauben kann, dass ich schon wieder kostenlose Vergebung in Anspruch nehmen darf. Oft dauert es eine Weile bis ich wirklich wieder voller Freude sagen kann: „Ich weiß, mir ist vergeben!“.

Dann gilt es zu warten. Es gilt zu harren. Doch was meint dieses altmodisch klingende Wort? Ältere Leser mögen sich noch mehr darunter vorstellen können. Ich musste es allerdings nachschlagen. Harren bedeutet: „mit einer bestimmten inneren Erwartung über eine gewisse Zeit hin auf ein Ereignis oder eine Person warten“. Diese Definition macht deutlich, dass harren nicht nur etwas ungewisses ist, worauf man hofft, sondern, dass man gewiss ist, dass das auch eintreffen wird auf was man wartet. Und darauf vertraut man fest.

Das kann aber auch ganz schön langwierig und anstrengend sein. Der Psalmist gibt selbst ein Beispiel, um das zu illustrieren. Er spricht hier davon, dass er mehr als die Wächter, die auf den Morgen warten, harrt. Man stelle sich nur Wächter vor, die ständig auf der Stadtmauer hin- und herlaufen müssen, um die Stadt zu bewachen und sich den Morgen sehnlichst herbeiwünschen. Das kann mühsam sein. Doch die Wächter wissen eins – der Morgen kommt. Das haben sie schon zur Genüge erlebt. Es gibt immer einen Morgen.

So ist es auch bei uns. Wir fühlen uns manchmal so, als bestünde unser geistliches Leben nur aus finsterer Nacht. Dieselbe Sünde plagt einen täglich und man kommt nicht davon los. Man wagt kaum mehr, um Vergebung zu ringen. Doch wir dürfen auf Gottes Wort hoffen, warten und harren. Er hat uns Vergebung verheißen: „In dem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen, nach dem Reichtum seiner Gnade.“ (Eph 1,7). Dieses Wort ist wahr! Warte nur darauf, dass Gott dich wieder neu dadurch belebt und die geistliche Finsternis ein Ende nimmt. Der Morgen naht. Habe nur Geduld. Mit sicherer Gewissheit, darfst du immer wieder auf Gottes Wort hoffen.