Andachten

Die Not eines Säuglings

Und seid als neugeborene Kindlein begierig nach der unverfälschten Milch des Wortes, damit ihr durch sie heranwachst, wenn ihr wirklich geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist. (1. Petrus‬ ‭2,2.3)

Petrus beginnt das zweite Kapitel seines erstens Briefes mit einer Auflistung, welche den damaligen Christen aufzeigt, was sie ablegen sollen – Bosheit, Betrug, Heuchelei, Neid und Verleumdung. Anschließend sagt Petrus Ihnen, was sie stattdessen machen sollen. Sie sollen so sehr nach Gottes Wort lechzen, wie ein Säugling nach der Milch.

Ich glaube, dass Petrus diese Metapher nicht ohne Grund gebraucht hat. Denn was ist die größte Not für ein frisch geborenes Kind? Die größte existenzielle Not eines Kindes ist der Hunger. Ein Säugling kennt am Anfang keine andere Not, da er noch keine anderen Erfahrungen gemacht hat. Das Hungergefühl tritt zum ersten mal auf. Es ist einem Säugling egal, ob die Mutter ihn füttert oder irgend eine fremde Frau. Er macht sich auch nichts daraus, ob er in diesem oder jenem Bett schläft. Es spielt auch keine Rolle, welche Kleider er trägt oder wie er aussieht. Die einzige Not, die ein Säugling zu Beginn hat, ist der Hunger.

Ziehen wir nun die Parallele zu uns. Ich habe mir folgende Fragen diesbezüglich gestellt:

Warum ist es uns nicht die größte Not, die unverfälschte Milch (Gottes Wort), eine Zeit lang nicht zu bekommen? Warum ist es nicht unsere größte Sorge, dass das Wort Gottes uns nicht mehr prägt? Warum ist es nicht unsere Sorge, dass Gott nicht mehr zu uns spricht? Warum ist es nicht unsere größte Not, wenn wir keine Erfahrungen mehr mit Gott machen? Warum sind wir nicht besorgt, wenn wir geistlich nicht mehr wachsen?

Die Antwort: Weil wir nie wirklich geschmeckt haben, wie freundlich der Herr ist (Vers 3)! Weil wir diese Erfahrung nie in diesem Ausmaß gemacht haben, wie Petrus sie hier beschreibt. Das ist wie wenn jemand uns fasziniert von seinem tollen Urlaub erzählt und er unbedingt wieder dahin zurück will, aber wir diese Faszination nicht wirklich teilen können, weil wir nicht dabei waren und diesen tollen Urlaub nicht auch genießen konnten.

Wenn man Gottes Freundlichkeit wirklich geschmeckt hat und merkt, wie gütig der Herr ist, kann man nicht anders, als mehr von diesem Wort zu bekommen. Dann wird es zu einem Schmerz, wenn man das Wort Gottes eine Weile nicht gelesen hat, wie bei einem Säugling, der verzweifelt nach der Milch schreit.

Bitten wir doch Gott heute darum, dass wir mehr und mehr Seine Freundlichkeit schmecken dürfen, sodass wir einen immer größeren Hunger für Gottes Wort entwickeln und es uns auch zur Not wird, wenn wir eine Weile lang nicht mehr die Bibel lesen konnten. Denn ohne Gottes Wort, kann kein geistlicher Wachstum stattfinden.