Andachten

Vorrechte in der Gemeinde (2/5)

Und lasst uns aufeinander Acht haben zur Anreizung zur Liebe und zu guten Werken.
(Heb 10,24)

Beim zweiten Vorrecht unseres Textes aus Heb 10,23-25 handelt es sich um ein zweischneidiges Schwert. Der Autor, Bibelexegeten gehen hierbei von Paulus aus, fordert hier eine Sache ein, die durchaus unangenehm nach hinten gehen kann, insofern das geistliche Prinzip der Liebe und des Zurechtbringens missachtet wird.

Hierbei werden wir dazu aufgefordert, den Blick auf die Handlungen und Wege des anderen in der Gemeinde zu richten. Ist das nicht gefühlt einengend? Kommt da nicht das ungute Gespür für erlebte Kontrolle in einem auf? Das kann unangenehm für beide sein, weil es wie die sagenumschriebene Kontrolle des SED-Regimes wirken kann! Doch das ist es absolut nicht! Das gemeinte „Acht haben“ wurde in der Ursprache für die Verwahrung von wertvollen Gegenständen, bspw. wie man es im Umgang mit Münzen oder Gold praktizierte, verwendet. Niemand käme jemals auf die unweise Idee, materielle Schätze ungesichert aufzubewahren!
Mit diesem Wissen und der entsprechenden Wertschätzung die in der Gemeinde erlebt wird, ist „Acht haben“ ein äußerst kostbares Gut.

Auch gehört sicherlich eine gehörige Portion Mut aus lauteren Motiven dazu, um im tatsächlichen Sinne von „Acht haben“ unsere Mitgeschwister bei Fehltritten oder bei geistlichem Versagen zu tadeln, um sie schlussendlich für ein fruchtbringendes Wirken in der Gemeinde und für Christus zu gewinnen.

Von Paulus können wir dabei lernen, wie er in einer solchen Situation handelte.
In Gal 2,1-10 lesen wir, wie er auf den Apostel Petrus Acht gab – und genau hinsah, als er heuchelte! Petrus fehlten Liebe und das gute Werk für das Evangelium als er beim hohen Besuch von führenden Christen unter den Juden plötzlich Distanz zu den Christen aus dem Heidentum aufbaute. Er zog sich dabei von der gemeinsamen Mahlzeit zurück und erntete ausdrückliche Kritik von Paulus. Eine solche Korrektur wäre ohne Achtsamkeit nicht möglich gewesen.
Was war das Ergebnis hiervon? Petrus schätzt Paulus weiterhin hoch! Der letzte Name den Petrus vor seiner Hinrichtung im zweiten Brief erwähnt ist sogar Paulus höchstselbst! Das „Acht haben“ hatte somit gute Auswirkungen auf den Wandel des Petrus und ließ ihn weiterhin ein glühender Verfechter des Evangeliums sein.

Lasst uns Acht geben, wenn einer von uns daneben tritt. Trauen wir uns doch in aller Liebe von diesem Vorrecht Gebrauch zu machen. Weiter lasst uns vor allem auch darauf Acht geben, wohin wir treten, um nicht selber verwerflich zu werden (1. Kor 9,27).