Andachten

Das Schutzschild der Weisheit

Dann wirst du Gerechtigkeit verstehen und Recht und Geradheit, jede Bahn des Guten. Denn Weisheit wird in dein Herz kommen, und Erkenntnis wird deiner Seele lieblich sein; Besonnenheit wird über dich wachen, Verständnis dich behüten: um dich zu erretten von dem bösen Wege, von dem Manne, der Verkehrtes redet; die da verlassen die Pfade der Geradheit, um auf den Wegen der Finsternis zu wandeln; die sich freuen, Böses zu tun, über boshafte Verkehrtheit frohlocken; deren Pfade krumm sind, und die abbiegen in ihren Bahnen: um dich zu erretten von dem fremden Weibe, von der Fremden, die ihre Worte glättet; welche den Vertrauten ihrer Jugend verlässt und den Bund ihres Gottes vergisst. Denn zum Tode sinkt ihr Haus hinab, und ihre Bahnen zu den Schatten; alle, die zu ihr eingehen, kehren nicht wieder und erreichen nicht die Pfade des Lebens: Damit du wandelst auf dem Wege der Guten und die Pfade der Gerechten einhältst. (Sprüche 2,9‭-‬20)

Die ersten acht Verse des zweiten Kapitels der Sprüche erklären, dass Erkenntnis und Gottesfurcht, zwei wesentliche Bestandteile des christlichen Lebens, durch eifriges Suchen nach Weisheit bewirkt werden (1-5) und das letztendlich doch der Herr der Geber aller Weisheit ist. Während sich also der erste Teil des Kapitels mit dem „Woher“ der Weisheit beschäftigt, geht es in dem zweiten Teil um das „Wozu“. Der Schreiber beachtete also folgende Frage: „Was sind die Auswirkungen der Weisheit im Leben?“ bzw. etwas spezifischer: „Was nützt die Weisheit?“, und noch spezifischer: „Wovor schützt sie?“. Ich denke dass die Weisheit hier vor allem als Schutz beschrieben wird („Besonnenheit wird über dich wachen, Verständnis dich behüten“).

Eine erste Auswirkung der Weisheit ist, dass der, der sie besitzt, Gerechtigkeit und Recht, das einen Lebensstil beschreibt, der Gott gefällt und seinem offenbarten Gesetz entspricht, versteht und Erkenntnis lieb gewinnt. Ein weiser Mensch schätzt Erkenntnis hoch, sie ist ihm wie eine kostbare Perle, ein Geschenk des allmächtigen Gottes. Erkenntnis kann viel umfassen: Die kognitive Kenntnis von Gottes Wort (damals: der Tora), die Erfahrungswerte und Lektionen, die Gott durch das Leben lehrt oder auch das Begreifen logischer Zusammenhänge des geistlichen Lebens und der biblischen Lehre. Aber ein wichtiger Aspekt der Erkenntnis ist meiner Meinung nach auch ein persönliches Vertrautsein mit dem Wesen Gottes, ihn wirklich zu kennen – nicht nur vom Hörensagen. Zumindest wird dieser Begriff an anderen Stellen in Bezug auf die Gotteserkenntnis verwendet (z.B. Hos 4,6).

Der zweite Teil der Auswirkung der Weisheit beschreibt dann die Dinge vor denen die Weisheit schützen soll. Das wären zum Einen böse Menschen, die in Rebellion gegen Gott leben, und deren Wege, und zum anderen die ehebrecherische Frau. Diese zwei Personen(gruppen) tauchen in den Sprüchen öfters auf und sie symbolisieren mehrere Bereiche des menschlichen Trachtens. Die Bösen, die Verkehrtes reden, erinnern an die im ersten Kapitel beschriebenen Personen, die durch Ungerechtigkeit, wie Diebstahl, Betrug und purer Bosheit, zu schnellem Gewinn kommen wollen. Sie werden also von Gier und durch ihre verdorbene Natur angetrieben. Auch das neue Testament macht deutlich, dass das Böse in der Geldgier wurzelt (1. Tim 6,10). Weisheit bewahrt also auch vor Ungerechtigkeit, Geldgier, Betrug und Verderbtheit.

Die Frau eines anderen, die den Mann, den sie in ihrer Jugend heiratete, vergisst, und damit einen Bund bricht, zu dem sie als Israelitin vor Gott verpflichtet war, steht für die Lust und sexuelle Begierde. Ausführlicher wird sie in Kapitel fünf beschrieben. Doch Ehebruch kann gemäß der Bergpredigt Jesu schon in den Gedanken stattfinden. Es verdirbt einen Menschen und besonders die eheliche Einheit, wenn man sich gedanklich oder körperlich dem Ehebruch hingibt. Jedoch tun Christen wie Nichtchristen genau das und zwar tagtäglich. Würden all die Fantasien und Gedanken eines Menschen nur einen einzigen Tag lang aufgezeichnet und veröffentlicht werden, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er sich in seinem Umfeld nicht mehr zeigen wollen würde (zumindest wenn sein Gewissen nicht ganz und gar abgestumpft ist). Außerdem hat die fremde Frau noch die Eigenschaft, nichts von dem was sie verspricht, z.B. Freude am Leben oder Befriedigung der Begierde, (dauerhaft) einzuhlten. Ihre Worte sind geglättet. Doch wenn man sich auf sie einlässt (und auch auf den gedanklichen Ehebruch) führt das nicht zum Leben (oder zur Erfüllung), sondern zum Tod.

Doch auch hierfür ist die Weisheit ein Schutz. Wie genau sie schützt, wird später im Buch der Sprüche noch erörtert. Dass die Weisheit uns vor solcherlei Dingen schützen möchte, sollte jeden Christen dazu ermutigen, sie zu suchen und Gott darum anzuflehen – und ich denke jeder wahre Christ hat Kämpfe mit der Sünde, auch in diesen Bereichen, auszutragen.

Die Sprüche (8/100)