Allgemein, Andachten

Apologetik Teil 3/3 – Voddie Baucham

Wir kommen nun zum letzten Part von Voddie Bauchams Vorträgen über Apologetik. Wir sahen in den letzten beiden Vorträgen, dass jeder Mensch ein Apologet ist und dass ein Apologet in erster Linie jemand ist, der für seinen Glauben leidet. Im letzten Vortrag geht es nochmals um 1. Petr 3,15. Aus diesem Vers leitet sich der Fachbegriff „Apologetik“ ab. Voddie untersucht den näheren Kontext dieses Verses (1. Petr 3,13-17) und betrachtet den Vers an und für sich näher. Sein Ziel ist, unser Verständnis von Apologetik grundsätzlich zu ändern.

 

Der Apologet leidet

1. Petrus 2,21-24 erklärt, dass wir dazu berufen sind, in Jesu Fußstapfen zu wandeln und, wie er, ungerechterweise zu leiden. Genauso erklärt Petrus seinen Lesern, dass wenn sie um der Gerechtigkeit willen leiden, dann sind sie glückselig (1. Petr 3,14) An dieser Stelle weist Voddie darauf hin, dass diese Stelle das Wohlstandsevangelium absolut vernichtet. Christen sind berufen zu leiden. Philippus wurde ins Gefängnis geworfen und hinterher gekreuzigt; Andreas erlitt ebenfalls eine Kreuzigung; Markus wurde in Stücke zerhauen; Petrus wurde mit dem Kopf nach unten gekreuzigt, weil er sich nicht für würdig erachtete, in gleicher Weise wie sein Herr zu sterben. Wer wagt es da noch das Wohlstandsevangelium zu verkündigen? Haben die Jünger nicht richtig geglaubt? Haben sie zu wenig auf Gottes Verheißungen vertraut?

Dieser Punkt ist absolut essentiell in Bezug auf Apologetik. Ziel der Apologetik ist es nicht, dass die anderen uns mögen oder akzeptieren. Vielleicht denken das einige, dass wir das Evangelium so „cool“ und so wenig offensiv wie möglich weitererzählen sollten. Aber das ist nicht wahr. Wir Christen sind Fremdlinge (1. Petr 2,11), Aliens für die Welt.  Wir sind dazu berufen, verfolgt zu werden und zu leiden, nicht um von der Welt geliebt zu werden.

Der Apologet heiligt Gott im Herzen

Damit beginnt Vers 15: „Sondern heiligt vielmehr Gott, den Herrn, in eurem Herzen…“. Das ist die Aufforderung an jeden Apologeten. Gott im Herzen zu heiligen. Das heißt, wir sollen ihn als den ansehen, der abgesondert von dieser Welt ist. Gott ist anders als die Menschen. Er ist der Allmächtige. Ihn sollen wir fürchten und nicht die Menschen. Viele betreiben keine Apologetik, weil sie Furcht haben. Sie haben Menschenfurcht. Sie fürchten den Menschen mehr als Gott und heiligen dadurch den Menschen.

Wir sollen aber Gott in unseren Herzen heiligen! Ihn allein sollen wir fürchten und sein Urteil allein sollte uns tangieren und kein anderes.

Der Apologet ist bereit zur Verantwortung (apologia) gegenüber jedermann 

Wenn wir als Christen wie im beschriebenen Kontext leben, also um der Gerechtigkeit willen leiden, Böses nicht mit Bösem vergelten, sondern segnen etc. dann fordert das eine Erklärung. Leute von draußen werden uns beobachten und sich fragen, wie es sein kann, dass wir nicht vergelten, obwohl wir augenscheinlich volles Recht dazu hätten. Sie werden uns fragen, wie wir damit nur klarkommen. Was gibt uns Hoffnung?

Das ist der Punkt, wenn wir mit der Apologetik beginnen. Apologetik ist die Antwort darauf, wenn andere uns fragen, wie es sein kann, dass wir so anders handeln als der Rest der Menschheit. Wir sollen also nicht in erster Linie danach schauen, jedes Argument für die Existenz Gottes und jedes Argument gegen die Evolutionstheorie zu kennen. Das ist das, was wir oft unter Apologetik verstehen. Aber das ist nicht das, worüber Petrus hier spricht. Es ist zwar toll, wenn wir anderen Rede und Antwort stehen können in Bezug auf ihre Fragen, die sie haben. Aber unser primäres Ziel sollte sein, Jesu Fußstapfen zu folgen und den Weg des Leidens zu gehen. Petrus will den Lesern sagen: „Wenn ihr leidet, und zwar auf eine Art, die die anderen noch nie zuvor gesehen haben, dann seid bereit eine Erklärung zu haben. Erklärt den Menschen das, was ihr glaubt. Erklärt ihnen das Evangelium – selbst wenn sie euch töten!

So haben wir diesen Vers noch nie gesehen oder? Das ändert unsere ganze Haltung gegenüber dem Thema Apologetik. Zuerst sollten wir bereit sein, für unseren Glauben zu leiden und verfolgt zu werden; dann können wir uns vor unsere Bücher setzen um den Menschen, die Fragen haben, Rede und Antwort stehen zu können.

Der Apologet ist sanftmütig und ehrerbietend

Wenn wir dann vor den Menschen unseren Glauben verteidigen, so soll das mit Sanftmut und Ehrerbietung geschehen. Sanftmütig bedeutet aber nicht, dass wir die anderen mit unseren Worten streicheln und so nett wie möglich rüberkommen wollen. Es bedeutet männlich aufzutreten, mit Stärke und Vollmacht zu reden, aber niemals aufbrausend oder zornig zu sein. Voddie weist hier auf Christus am Kreuz hin. Er war sanftmütig. Er hatte die komplette Kontrolle über alles, konnte Legionen von Engeln rufen, die ihm helfen würden; er ist der Schöpfer des Universums, auch der Leute, die ihn kreuzigten; er machte den Baum, aus dem das Kreuz hergestellt wurde; er hielt die Moleküle der Nägel zusammen, die durch seine Hände gerammt wurden; er gab den Menschen Atem und erhielt die am Leben, die ihn brutalst auspeitschten, ihn verspotteten und ihn ans Kreuz nagelten. Er erlaubte ihnen das. Das ist Sanftmut.

Wir selbst sind in Christus ebenfalls stark. Die Kraft, die Christus aus den Toten auferweckte wirkt in uns. Wir haben Gott, den Allmächtigen auf unserer Seite. Und dennoch lassen wir uns schlagen, foltern, verspotten, ermorden etc.

Und wir tun es mit Ehrerbietung. Voddie ist der Meinung, dass sich diese Ehrerbietung auf Gott selbst bezieht. Wir wissen, dass Gott uns zusieht und deshalb tun wir genau das, was er von uns verlangt, auch wenn es unserem menschlichen Denken total widerstrebt.

Apologetik meint also, dass wir etwas verteidigen, von dem wir so begeistert und überzeugt sind, dass wir nicht nur bereit sind, als die größten Idioten überhaupt angesehen zu werden, sondern bereit sind, dafür zu leiden und zu sterben – genau wie das unser Herr Jesus getan hat. Er starb – für 3 Tage; und dann konnte der Tod ihn nicht halten; und er kann uns ebensowenig halten.

Das ist der Schlüssel: Man wird uns fragen, wie könnt ihr so etwas nur ertragen? Und unsere Antwort ist: „Weil hier nicht unser zuhause ist. Wir erwarten nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt (2. Petr 3,3). Das letze Mal, als wir hier auf dieser Erde die Todesrate gecheckt haben war sie bei 1/Person. Aber da ist einer, der den Tod überwunden hat! Wer ihn hat, der wird auferweckt werden. Das und nichts anderes ist meine Hoffnung. Deswegen habe ich keine Angst vor dir, vor der Folter, dem Leiden oder dem Tod.“

Das ist Apologetik. Hoffentlich hat sich unser Bild grundlegend darüber gewandelt. Wir müssen nicht alle Diskussionen und Streitgespräche gewinnen. Wir wollen Seelen gewinnen. Und das wird erreicht, wenn wir das tun, was unser Herr uns aufträgt.

Das verändert nicht nur unsere Haltung zur Apologetik, das verändert unsere komplette Gesinnung.

Amen.