Andachten

Vorrechte in der Gemeinde (3/5)

Und lasst uns aufeinander achtgeben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken. (Heb 10,24)

Dem Autor des Hebräerbriefes ist die aktuelle Situation der Christen wohl bekannt. Sie leben gegenwärtig in Zerstreuung, da sie wie die Juden auch, vor dem General Titus geflohen sind. Das römische Reich sandte ihn aus, um Israel, besonders das Südreich Juda und die Stadt Jerusalem gewaltsam zu beugen.
Nun sind die Christen auf der Flucht und haben keine exakte geistliche Heimat als Ortsgemeinde. Dennoch schreibt ihnen der Autor, als ob sie bereits wieder gesammelt in ihren Ortschaften Gemeinde leben. Diese Imperative sind wohlweislich präventiv verfasst, da der Autor sich der Problematik durchaus bewusst ist!

Aus verschiedenen Gegenden, unterschiedlicher Herkunft, Bildung und persönlicher Historie nun zusammengewürfelt, soll nun Gemeinde funktionieren! Dass das nicht einfach und selbstverständlich ist sieht man häufig an den eigenen Gemeinden.
Teilweise sind unsere Gemeinden aus verschiedenen Dörfern von Siedlern entstanden, teilweise sind kleinere Gemeinden aufgrund von fehlenden Alternativen erblüht. Alle jedoch eint das selbe Schicksal: Man kann sich sein Mitglied nicht unbeding aussuchen!

Zu genau solchen Gemeinden (Hebräer waren zerstreut und wieder unterschiedlich zusammen gefügt) spricht der Schreiber! Und genau dort kann man Liebe üben, einander anspornen zur Liebe. Also antreiben, weil es nicht natürlich in uns vorhanden ist, sondern heraus gepresst werden muss durch Gottes Gnade. Gemeinde ist der Ort, wo man nicht nur seine natürlichen Charaktere trifft, sondern allerhand Menschen mit denen man nun Gemeinde leben „muss“.

Aber genau das ist ein Vorrecht! In unserem privaten Leben suchen wir uns Freunden aus, gehen Hobbys und Neigungen nach, in der Gemeinde triffst du auf Menschen die man akzeptiere, ja sogar lieben muss!
Lasst uns für diese Schleifsteine danken, weil sie zu unserer Formung und Prägung enorm wichtig sind. Jeder hat irgendeinen Schleifstein in der Gemeinde, welcher sicherlich in feier Wildbahn wohl kein inniger Freund geworden wäre.
Der heutige Teil lehrt uns, dass wir uns gegenseitig Mut und Antrieb zum Ausleben von Liebe bereiten sollen. Es ist nicht immer einfach sich da einzubringen und zu investieren, wo nicht alles gemäß eigener Vorstellung läuft! Doch genau hier ist es die übernatürliche Kunst explizit Liebe aufzubringen! Da dieses nicht von ungefähr läuft weiß der Autor. Umso wichtiger ist es, dass wir uns gegenseitig hierzu motivieren.

In der Gemeinde können wir besonders Liebe üben und werden dazu aufgefordert:
So lasst uns nun, wo wir Gelegenheit haben, an allen Gutes tun, besonders aber an den Hausgenossen des Glaubens. (Gal 6,10)