Andachten

Wohnen in einem herrlichen Land

Denn die Aufrichtigen bewohnen das Land, und die Lauteren bleiben darin. Die Gottlosen aber werden getilgt aus dem Land, und die Treulosen reißt man aus ihm heraus. (Sprüche 2,21.22)

Letzte Woche begannen wir damit, die Auswirkungen der Weisheit anzusehen und stellten fest, dass sie in vielerlei Hinsicht wie ein Schutzschild ist, das uns dann von Nutzen ist, wenn wir mit Menschen in Kontakt sind, die eine Gefahr darstellen, uns zur Sünde zu verleiten. Heute geht es ebenfalls darum, was weise Menschen (hier als Aufrichtige und Lautere beschrieben) erwarten dürfen. Dass die Menschen, die hier gegenübergestellt werden, u.a. Aufrichtige und Lautere genannt werden, vermittelt auch einen Eindruck von ihrer Ehrlichkeit und ihrer integeren Haltung, die ein wesentlicher Aspekt von wahrer Weisheit ist. Es bedeutet, in einer Gesellschaft, in der Lügen eine Schlüsselqualifikation ist und jeder ohne zu zögern Gebrauch davon macht, um selber besser dazustehen, schneller voranzukommen oder sich auf sonstigem Wege einen Vorteil verschaffen will, ein reines, ehrliches und treues Leben zu führen.

Der Schlüssel zum Verständnis dieser Verse ist der Begriff Land. Was bedeutet es, im Land zu wohnen und warum ist das so etwas positives? In erster Linie geht diese Bezeichnung natürlich auf die Torah zurück, die Salomo und das Volk in seiner Zeit gut kannte. In 2. Mose 20,12 z.B. ist die Rede von einer Verheißung. Gott verheißt den Kindern seines Volkes Israel ein langes Leben in dem Land, das er Israel geben wird. Dieses Land verbanden die Israeliten mit einem erfüllenden Leben, einem Leben in Ruhe und Frieden, im Wohlstand und in Freude. Der Psalm 37 spricht ebenfalls über dieses Land: „Denn die Bösen werden ausgerottet; die aber des HERRN harren, werden das Land erben. Es ist noch um ein kleines, so ist der Gottlose nimmer; und wenn du nach seiner Stätte sehen wirst, wird er weg sein. Aber die Elenden werden das Land erben und Lust haben in großem Frieden.“ (Psalm‬ ‭37,9-11) Hier werden auch gewisse Verheißungen für ein das entsprechende Verhalten gegeben. Jesus wirft in der Bergpredigt schließlich ein klärendes Licht auf die Sache: „Glückselig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land ererben“ (‭Mt 5,5). Diese Seligpreisung basiert auf dem vorher zitierten Psalm. In dem Kontext geht es um das Reich der Himmel, das Gott den Trauernden, den Sanftmütigen, den Armen im Geist, usw. verheißt. Für einen Israeliten der damaligen Zeit (unter dem alten Bund) war es somit klar, dass sein Verhalten (aufrichtig, treu, weise, …) von Gott entsprechend belohnt wird, in dem er ihm ein langes und erfülltes Leben im Land Kanaan schenkt.

(Dieses Prinzip ist kein strenges Gesetz, das sich immer erfüllt hat — im Buch Prediger z.B. treffen wir auf einen ganz anderen Geist. Das Buch Prediger stellt die Haltung in Frage, dass ein weises Leben immer zu einem guten Leben führt, da es auf den „Zufall“ und die Ungerechtigkeit im Leben verweist. Auch die Psalmen beklagen oft das Wohlergehen des Gottlosen und das Leid des Gerechten. Generell ist also Vorsicht geboten, bei der Anwendung der Sprüche.)

Für uns ist das Land, das Reich der Himmel, das jetzt schon da ist und in der Gemeinschaft mit Gott, zu der Jesus Christus uns durch seinen Sühnetod befreit hat, seinen Ausdruck findet. Die Aussage dieser Verse für uns ist also einfach die, dass Gott seinen Wohlgefallen an Aufrichtigkeit und einem weisen Lebenswandel hat und dass die Menschen, die ihr Leben nach diesem Wohlgefallen führen die enge, erfüllende, lebensverändernde Gemeinschaft Gottes erleben dürfen — jetzt schon auf der Erde aber insbesondere im Himmel in Perfektion. Der Himmel ist das Land, das die Gläubigen ererben werden und die Herrlichkeit des Himmels basiert auf der Herrlichkeit Gottes und Christi. Das bedeutet es im weiteren Sinne, das Land zu erben.

Somit dürfen wir folgende Anwendung mitnehmen: Lassen wir uns durch die Verheißung des Landes, der wunderschönen und erfüllenden Gemeinschaft mit Gott, zu einem weisen und aufrichtigen Leben motivieren und bewusst weise Entscheidungen treffen — auch wenn sie uns vielleicht schwer fallen und unseren Begierden widerstreben — weil wir wissen, was uns als Gläubige des Neuen Bundes, denen ein weit besseres Land verheißen ist als Kanaan, erwartet. Einfache Fragen können uns damit helfen: Ist es weise, diese Tätigkeit jetzt auszuüben? Ist es weise, diesen Job/diese Beförderung anzustreben (man bedenke die Zeit, die man investieren muss und die für die intensive Gemeinschaft mit Gott fehlt)? Ist es weise, diese oder jene Freundschaft zu pflegen (ist sie nur auf Spaß gegründet oder auf ein höheres, göttlicheres Ziel? Ist es weise, sich mit Filmen, Serien und Büchern zu beschäftigen, die unser Denken so sehr vereinnahmen, dass unser Kopf nicht mehr frei für das Nachsinnen über Gott und sein Wesen ist? Werde kreativ, stelle dir mehr von diesen Fragen und blicke dabei auf die wunderbare Verheißung des Landes!

Die Sprüche (9/100)