Andachten

Wie man Gunst vor Gott und den Menschen findet

Mein Sohn, vergiss nicht meine Belehrung, und dein Herz bewahre meine Gebote. Denn Länge der Tage und Jahre des Lebens und Frieden werden sie dir mehren. Güte und Wahrheit mögen dich nicht verlassen; binde sie um deinen Hals, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens; so wirst du Gunst finden und gute Einsicht in den Augen Gottes und der Menschen. (Sprüche 3,1-4)

Das Leben auf der Erde ist geprägt von Lernen. Schüler und Studierende lernen für Prüfungen, Babys und Kinder lernen durch Nachahmung verschiedene Verhaltensweisen, jeder lernt und eignet sich eine gewisse Weltanschauung an. Doch von gelerntem Wissen oder Verhalten kann aus lernpsychologischer Sicht nur dann die Rede sein, wenn ein Mensch das Gelernte nicht mehr vergisst – das „Bulimie-Lernen“ des Stoffes für eine Prüfung ist also nicht gemeint. Ebenso geht es auch in diesen Versen darum, etwas zu lernen und nicht zu vergessen, sich den Stoff auf die Tafel des Herzens, also ins Bewusstsein zu schreiben. Es geht über das trockene Auswendiglernen von Regeln und Lehrsätzen hinaus. Gegenstand des Lernens sind immer noch die Weisheiten, die der Vater dem Sohn hier weitergeben möchte, und die Gott, unser Vater, uns lehren möchte. Er fordert uns hier dazu auf, das was wir lernen, festzuhalten, nicht zu vergessen, es wie eine kostbare Kette an unserem Hals zu tragen.

Dafür folgt eine großartige Verheißung: ein langes Leben in Frieden, das in der alttestamentlichen Zeit als sehr hohes Gut angesehen wurde und gewisse Parallelen zu dem uns verheißenen ewigen Leben aufweist.

Außerdem soll uns Güte (hebr. „chesed“) und Wahrheit nicht verlassen. Dieses Wort bedeutet mehr, als auf den ersten Blick ersichtlich. Es spricht von der Bundesliebe Gottes zu seinem Volk. Wahrheit (hebr. „emet“) meint auch Festigkeit, Vertrauenswürdigkeit und Treue. Diese beiden Eigenschaften sind auch Teil von Gottes Charakter (vgl. Ps 25,8). Gott wollte, dass sich die Israeliten seine Gebote an die Hand und die Stirn binden, als beständige Erinnerung an seinen Willen. Doch da bei Menschen die Erinnerung oft nicht ausreicht, müssen Güte und Wahrheit auch auf die Tafel des Herzens gebunden werden. Obgleich der Mensch hier dazu aufgefordert wird, sich Güte und Wahrheit ins Herz zu schreiben, vermag er es doch nicht ohne Gottes gnädiges Eingreifen, wie der folgende Vers deutlich macht: „Sondern dies ist der Bund, den ich mit dem Hause Israel machen werde nach jenen Tagen, spricht Jehova: Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben; und ich werde ihr Gott, und sie werden mein Volk sein.“ (Jeremia‬ ‭31,33)

Mögen wir uns heute bewusst werden, dass unser Ziel als Christen nicht nur ist, Gottes Gebote, seine heilige Schrift möglichst gut zu kennen, was sicherlich wichtig ist, sondern darüberhinaus auch noch seine Eigenschaften ins Herz geschrieben zu bekommen; unser Bewusstsein dadurch prägen zu lassen, unseren Charakter davon formen zu lassen. Das ist es, was Jesus Christus als menschgewordener Sohn Gottes in Perfektion erlebte, und weshalb über ihn gesagt werden konnte: „[Er] nahm zu an Weisheit und an Größe, und an Gunst bei Gott und Menschen.“ (Lk 2,52)

Unser oberstes Ziel dabei ist Gunst vor Gott. Doch die Gunst, die wir bei den Menschen für ein gottseliges Verhalten, das sich sehr stark durch Güte und Wahrhaftigkeit äußert, bekommen, ist etwas, worüber wir uns freuen können und das unsere Zeugniskraft vor den Menschen ungemein verstärkt.

Zusammengefasst können wir aus diesen Versen also mitnehmen: Lernen und behalten wir Gottes offenbarten Willen und schreiben uns seine Gebote ins Herz, sodass wir immer mehr in sein Ebenbild verändert werden (in Liebe, Güte, Wahrhaftigkeit, … wachsen), um Gott wohlgefällig zu leben und ein angenehmes Zeugnis für die Menschen in unserem Umfeld zu sein.

Die Sprüche (10/100)