Andachten

Damit es keine Missverständnisse gibt…

Damals jedoch, als ihr Gott nicht kanntet, dientet ihr denen, die von Natur nicht Götter sind; jetzt aber habt ihr Gott erkannt – vielmehr seid ihr von Gott erkannt worden.
Galater 4,8-9a (ELB 2006)

Ein Gedankenstrich ist eine tolle Sache. Der Duden erklärt uns, dass ein Gedankenstrich häufig dort verwendet wird, wo man auch in der gesprochenen Sprache eine deutliche Pause machen würde. Oft folgt dann etwas Unerwartetes. Ich freue mich, wenn ich in der Bibel an solch bedeutungsvollen Stellen vorbeikomme. Eine dieser Stellen ist unser heutiger Vers.

Paulus schreibt den Galatern, die im Begriff standen, sich von dem Evangelium, das er sie gelehrt hatte abzuwenden, einen Brief. Energisch erklärt er ihnen, dass es kein anderes Evangelium gibt, als eben das Evangelium, das er verkündet (Gal 1,6-7). Die Galater standen in der Gefahr, zum Gesetz zurückzukehren. Ihnen ging es nicht darum, Gottes Gesetz aus Liebe zu tun, weil der Wiedergeborene Gottes Gesetze gerne tun will. Sie wollten durch das Halten des Gesetzes gerechtfertigt (=gerettet) werden (Gal 2,21).

Ausführlich bespricht Paulus diesen Irrtum und führt die Galater zurück an den Anfang. Wie wurdet ihr errettet? Wodurch empfingt ihr den Heiligen Geist? (Aus der Kunde des Glaubens! Gal.3,2). Er erklärt, dass die Galater sich erneut zu Sklaven machen wollen, obwohl sie Söhne Gottes und damit frei sind. Früher waren sie Sklaven ihrer eigenen Götter, doch nun – (…)?

Fast beiläufig erwähnt Paulus hier in einem kleinen Halbsatz eine tiefgründig Wahrheit: „jetzt aber habt ihr Gott erkannt – vielmehr seid ihr von Gott erkannt worden„. Es ist als würde Paulus uns sagen: „Damit keine  Missverständnisse aufkommen: Nicht ihr habt Gott erkannt, ihr seid von ihm erkannt worden!“ Warum betont Paulus dies so? Nun, sich Errettung aus Gesetzeswerken selbst zu schaffen, ist dem Menschen unmöglich. Gott von sich aus zu erkennen – ist ihm unmöglich. Das ist eine missliche Lage, nicht wahr?

Doch wir haben einen wunderbaren Gott. Was tut Gott, der die missliche Lage des Menschen sieht? Er erkennt den Menschen – er offenbart sich ihm, zieht ihn zu sich, rettet ihn. Paulus wusste all dies und es war fester Bestandteil  seines Evangeliums (des einzigen Evangeliums, das die Bibel kennt). Dieser kleine Halbsatz lehrt uns aber auch, wem alle Ehre für unsere Errettung gebührt: Gott selbst! Niemand kann sich rühmen Gott erkannt zu haben – vielmehr wurden wir von Gott erkannt.

Menschen die dies leugnen, spielen ein gefährliches Spiel. Paulus verflucht jeden, der nicht das Evangelium so predigt, wie er es tat (Gal 1,8-9). Doch damit nicht genug, Gott selbst steht demjenigen entgegen, der seine Ehre für sich selbst „stehlen“ möchte und sagt: In Jesaja 48,9-11 erklärt Gott, dass er sich selbst bezämhte, um Israel nicht gänzlich auszurotten (was es verdient hätte). Vielmehr ließ Gott einen geläuterten Überrest übrig bleiben. Dies tat er, weil sein Name sonst „sehr entweiht würde.“ Dies darf nicht geschehen, denn wenn Gottes Name entweiht würde, würde automatisch ein anderer Name geehrt.

Doch für Gott ist die Errettung „Ehrensache“. Er braucht keine Hilfe um zu erretten. Von Anfang bis Ende ist die Errettung sein Werk und er führt sie aus – wie würde sein Name sonst entweiht! Danken wir unserem großen Gott heute dafür, dass er uns erkannt und gerettet hat. Er tat dies zu seiner Ehre und wir dürfen von der wunderbaren Hochachtung profitieren, die Gott gegenüber seiner eigenen Ehre und seinem Wesen hat.